Schmerzensgeld: Polizeihund Chili beißt den falschen Streithahn

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Bildnummer: 54856214  Datum: 2
Das ist ein belgischer Schäferhund der Zuchtlinie Malinois, aber es ist kein Foto von Chili. Foto: imago/Karina Hessland

Aachen. Polizeihund Achill, ein belgischer Schäferhund der Zuchtlinie Malinois und Mitglied der in ­Aachen stationierten Hundestaffel, hat seinem Spitznamen Chili alle Ehre gemacht.

Mutig ging der damals dreijährige Rüde im September 2010 bei nächtlichen Streitigkeiten vor der Festhalle in Eschweiler-Weisweiler auf eine Gruppe von Streithähnen los und brachte einen der Männer mit einem Biss in den Oberschenkel zu Boden.

Wegen dieses Vorfalls musste sich Chili, vertreten durch seinen Hundeführer, jetzt allerdings vor dem Aachener Landgericht verantworten. Denn Chili hatte, so urteilte die 12. Zivilkammer des Vorsitzenden Richters Uwe Meiendresch, im Eifer des Gefechts den Falschen erwischt. Chili biss leider genau den Mann, der sich schlichtend zwischen die streitenden Zecher gestellt hatte, die mit Fäusten aufeinander einschlugen.

Sicher, mit der Intervention des Hundes war der Kampf für alle umgehend vorbei. Doch am Boden lag der falsche Mann, der mit einer großen Fleischwunde ins Krankenhaus musste und drei Wochen arbeitsunfähig war. Das Bissopfer klagte auf Schadenersatz wegen Chilis rabiaten Vorgehens, der Hund und sein Hundeführer werden beide als öffentliche Bedienstete durch das Land Nordrhein-Westfalen vertreten.

Die Richter waren mit dem Angriff des Hundes nicht einverstanden und verurteilten das Land NRW, „an den Kläger 5942,69 Euro nebst Zinsen” zu zahlen. Den Tatbestand beschrieben die Richter in der Urteilsbegründung so: Mit einem an der Leine geführten Diensthund näherte sich der Hundeführer den streitenden Personen auf der Wiese und wollte diese mit dem bellenden Hund auseinandertreiben.

Der Diensthund verbiss sich in der rechten unteren Oberkörperflanke des Klägers. der habe vergeblich versucht, den Hund abzuschütteln. Das habe auch nicht funktionieren können, denn ein Polizeihund „ist darauf trainiert, so lange nicht loszulassen, wie ein Mensch sich wehrt oder zu fliehen versucht”, heißt es in dem Urteil.

Dass Chili den Falschen hatte und der nicht ausweichen konnte, steht für die Kammer ebenso fest. Die Urteilsbegründung widmet sich in langen Passagen der Bemessung der Schmerzensgeldansprüche, deren Rechtmäßigkeit sie vorher ausdrücklich bejaht hat. Das Gericht hatte genaue Vorstellungen, wie sich ein Hundeführer in einer solchen Situation zu verhalten hat: „Will ein Polizeibeamter mit einem Diensthund Personen zurückdrängen oder auseinandertreiben, so muss er grundsätzlich einen so großen Abstand wahren, dass die Betroffenen sicher vor dem Hund zurückweichen können.” Er müsse „sicher sein”, heißt es weiter, dass „alle” die Gefahr durch den Hund erkannt haben.

Der Kläger gab an, nichts von dem Hund bemerkt zu haben, da er mit dem Rücken zu ihm stand. Ob der Hund angeleint war, ist umstritten. Andere Zeugen, die behaupteten, der Hund sei sogar frei gelaufen, berücksichtigte die Kammer zu Gunsten des Hundeführers nicht. Der Beamte müsse die Situation so beherrschen, dass er und nicht der Hund entscheide, wen er beiße, heißt es im Urteil. In vorliegenden Fall habe er eben „die Situation nicht beherrscht”.

Ein weiterer Biss im Januar

In der Folge wird sich Chili nach einer gehörigen „Gefährderansprache” mit seinem Hundeführer bewähren müssen. Denn im Januar war es erneut zu einem Zwischenfall mit Chili gekommen: Er biss in Aachen einen Betrunkenen ins Bein. Der hatte allerdings nach ihm getreten.
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