Schluss mit dem „Seltsamen Verhalten“

Von: Katrin Fuhrmann
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Aachen. Seit 2011 zog es jedes Jahr im Juni mehrere tausend Liebhaber der elektronischen Musik zum Festival „Seltsames Verhalten“ auf den Flugplatz in Merzbrück. Bis in die frühen Morgenstunden tanzten und feierten die Raver ausgelassen – damit ist jetzt Schluss.

Die Macher von „Seltsames Verhalten“, Nils Schumacher, Dako Gnajto und Andreas Berretz, haben sich dazu entschieden, dass es im kommenden Jahr kein Festival am Flughafen in Merzbrück geben wird. „Das Festival ist einfach nicht mehr das, was es einmal war“, sagt Gnjato. Der Gedanke, das Festival zu beenden, war schon länger in den Köpfen der Macher. Dass sie nun einen Schlussstrich ziehen habe laut Gnjato unterschiedliche Gründe.

Die Auflagen der Stadt Würselen würden immer höher, die Miete sowie Kosten für Gema und Mitarbeiter stiegen. Das Festival werde so zu einem nicht kalkulierbaren Risiko. Diesen Stress wollen die drei Veranstalter, für die das Festival immer nur ein Hobby war, nicht mehr. Der wohl entscheidende Grund, die Veranstaltung im kommenden Jahr nicht mehr stattfinden zu lassen, ist aber ein anderer.

„Uns gefällt die musikalische Entwicklung nicht mehr“, sagt Gnjato. „Wir haben am Blausteinsee in Eschweiler mit 300 Leuten begonnen und wurden bekannt, weil wir die Musik die wir lieben, nämlich Underground, durchgezogen haben.“ Plötzlich hätten aber nicht mehr nur 300, sondern 3000 zu Deep House und Techno getanzt. Man sei mit dem Strom der Zeit mitgeschwommen und sei irgendwann in die „Mainstream-Schiene“ abgerutscht.

„Natürlich sind wir stolz darauf, Acts wie Robin Schulz, Danny Avila oder Felix Jaehn bei uns gehabt zu haben. Aber wir haben uns dem ‚EDM-Hype‘ der heutigen Zeit hingegeben. Von diesem Zug springen wir jetzt wieder ab“, sagt Gnjato und ergänzt: „Zu einer Zeit, in der Festivals in Deutschland von 0 auf 100 gingen, wurde auch die Marke ‚Seltsames Verhalten‘ immer populärer und jeder wollte größer werden, auch wir. Dabei haben wir das Wichtigste vernachlässigt, und zwar die Musik.“

Die Entscheidung sei ihnen nicht leicht gefallen, aber letztlich die einzig logische Konsequenz gewesen.

„Wir standen zwischen anderen Festivals die sich darüber definieren, wer das größte Feuerwerk macht und wer am meisten Konfetti in die Luft jagt. In diesen Punkten waren wir nie besonders stark, wurden aber zwangsläufig mit diesen Festivals verglichen und da sehen wir uns einfach nicht“, sagt Gnjato. Man wolle zurück zum Ursprung und zur Grundidee – zum Underground. Underground definiert eine Musikszene, die nicht auf die Masse ausgerichtet ist, unabhängig produziert und eben das Gegenstück zum Mainstream, der kommerziellen Musik, darstellt.

In den vergangenen Wochen war es still geworden auf der Facebook-Seite des Festivals. Nun ist klar, wieso. Für viele Anhänger des Festivals kommt das Ende überraschend, für Fans der ersten Stunde ist das Aus und der Weg zurück zum Ursprung aber nachvollziehbar. Gnjato verspricht: „Wir kommen 2018 zurück“. Wo sie das Festival dann veranstalten, sei noch unklar. Doch es würden definitiv keine EDM-DJs im Programm zu finden sein.

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