Wassenberg - Schlemmer-Ente für TV-Koch Kotaska: Leidenschaft ist unentbehrlich

Schlemmer-Ente für TV-Koch Kotaska: Leidenschaft ist unentbehrlich

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Er trägt als Fernsehkoch und Buchautor gerne zur kulinarischen Aufklärung in Deutschland bei: Mario Kotaska ist der Schlemmer-Enten-Preisträger des Jahres 2017. Foto: imago/Horst Galuschka
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Wassenberg. Bei der 25. Auflage des Schlemmer-Marktes Rhein-Maas in Wassenberg wird am kommenden Donnerstag ein „Koch mit Leidenschaft“ und „Popstar der Creative Cuisine“ vom Marktveranstalter und unserer Zeitung mit der Goldenen Schlemmer-Ente ausgezeichnet: Mario Kotaska. Der Preisträger antwortete im Vorfeld auf Fragen unseres Redakteurs ­Dieter Schuhmachers.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit der Goldenen Schlemmer-Ente in Wassenberg?

Mario Kotaska: Ich empfinde die Auszeichnung als eine große Ehre, und es erfüllt mich mit Stolz, die Liste meiner Vorgänger zu ergänzen, die ich ja zum Teil gut kenne.

Ihr Werdegang vom angehenden Hotelkaufmann zum populären Fernsehkoch ist beeindruckend. Was hat bei Ihrer Berufswahl damals für Sie den besonderen Reiz des Wirkens als Koch ausgemacht?

Kotaska: Ich hatte das Glück, dass ich sehr ländlich aufgewachsen bin und sowohl meine Mama als auch meine Oma hervorragende Köchinnen waren. So fand ich es auch immer spannend und faszinierend, was bei uns auf den Tisch kam. Und ich konnte somit schon früh einen Bezug zu den verschiedenen Lebensmitteln aufbauen. Meistens war ja klar: Wenn am Samstag eine Gans im Stall fehlt, dann gibt es sonntags was Leckeres zu essen. Aber Spaß beiseite: Ich denke, es war für mich wichtig, früh zu lernen, wie intim der Beruf des Kochs ist. Schließlich bereitet man Sachen zu, die andere Leute – auf Deutsch gesagt – in sich hin­einstecken. Da ist viel Wissen wichtig, aber auch der nötige Respekt und die richtige Hygiene.

Viele Branchen in Deutschland tun sich zunehmend schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden. Auch der Kochberuf hat unter Jugendlichen nur eine begrenzte Anziehungskraft, vielen erscheint er als zu strapaziös, mit durchaus gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten und mit nur geringen lukrativen Aussichten. Eine Fehleinschätzung? Oder sollten wirklich Schritte unternommen werden, um das Berufsbild attraktiver zu gestalten?

Kotaska: Mit Sicherheit gibt es die enorme körperliche Belastung und die nicht immer kompatiblen Arbeitszeiten. Allerdings kommt es bei dieser Betrachtung darauf an, welche Sparte unserer Branche wir beleuchten wollen. So gibt es doch gerade bei den Kollegen der Gemeinschaftsverpflegung ganz andere Arbeitszeiten als beispielsweise auf der anderen Extremseite, der Sternegastronomie. Der Nachwuchs hat somit schon eine gewisse Entscheidungsfreiheit, was genau er möchte. Meiner Meinung nach haben durchaus diverse Fernsehsendungen zum Imagegewinn des Kochs beigetragen und den ­Beruf damit auch attraktiver gemacht. Oder nehmen wir nur die verschiedenen dualen Lehrstellen, die es mittlerweile gibt. Ich denke daher, dass viele Jugendliche ihre Nische in der Gastronomie finden können. Sie müssen sich nur einer unentbehrlichen Voraussetzung bewusst sein: ihrer Leidenschaft!

Streetfood ist auf dem Vormarsch. Sie stehen auch für Imbiss-Klassiker in Gourmet-Qualität. Ist das vielleicht der Königsweg: Hemmschwellen abbauen und trotzdem auf Genuss und die Erfüllung höchster Ansprüche setzen?

Kotaska: Ach wissen sie, ich würde das gar nicht so hoch hängen. Ich bin froh und glücklich über die Entwicklung in der deutschen Streetfoodszene, auch wenn es nicht immer so einfach ist, wie das mal im Fernsehen gezeigt wurde. Fakt ist immer, dass die Qualität der Rohstoffe einwandfrei sein muss. Kein Koch der Welt kann aus „Mist“ Bonbons machen. Aber ­jeder kann aus einem „Premium-dry-aged-einmal-um-die-Welt-geflogenem-ich-weiß-nicht-was-für-ne-Rasse“ Stück Rindfleisch mit mangelndem Fachwissen etwas Schlechtes produzieren. Daher können es eben auch die einfachen Dinge sein, die den größten Genuss darstellen können.

Was macht denn für Sie persönlich ein genussvolles Essen aus? Dabei denke ich jetzt nicht nur an das, was auf dem Teller liegt oder im Glas ist, sondern auch an das Drumherum. Wann fängt für Sie Genuss an?

Kotaska: Genuss hat für mich viele Gesichter. Zum einen ist es die Zeit, die man gemeinsam beim Vorbereiten und anschließendem Essen verbringen kann. Zum anderen aber auch die Story hinter einem bestimmten Produkt oder Erzeuger. Wertschätzung vom schön gedeckten Tisch bis hin zum Respekt und der Dankbarkeit, in eben einen solchen Genuss zu kommen.

Und was ist Ihr Lieblingsessen?

Kotaska: Das sind und bleiben die geschmorten Rinderrouladen von meiner mittlerweile verstorbenen Oma Anni. Meine Frau Mama beherrscht sie aber mittlerweile genauso.

Sie gehören zu den Fernsehköchen dieser Republik. Am Thema Fernseh-Kulinarik scheiden sich ja durchaus die Geister: Den einen wird zu viel gekocht auf der Mattscheibe, den anderen kann es gar nicht genug sein. Wie schätzen Sie den Stellenwert der TV-Kochsendungen und deren Zukunft ein?

Kotaska: Ich freue mich, einen kleinen Teil zur kulinarischen Aufklärung in Deutschland beitragen zu dürfen. So wissen doch mittlerweile immer mehr Menschen über die gesunde und ausgewogene Ernährung Bescheid und Omega-drei-Fettsäuren sind nicht mehr die Eine-Million-Euro-Frage bei Günther Jauch. Auf der anderen Seite erfüllt es mich mit Stolz, unseren Berufsstand dadurch und damit ein wenig bekannter zu machen. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. So ist es ja auch nicht messbar, wie viele Menschen am Samstagabend nach der Sportschau noch auf eine kleine Runde zum Laufen gehen, oder? Ich denke, der Aufklärungs- und Bildungsauftrag wird auch in Zukunft in TV-Kochsendungen eine große Rolle spielen, und mein persönliches Ziel wäre es, dass die Menschen ein bisschen mehr nachdenken. Ich stelle mir des Öfteren die Frage, wie viele von diesen wahnsinnig teuren Kugel-, Gas-, Holzkohle-, Oberhitze- oder Kuppel-Grills es wohl mittlerweile in Deutschland gibt. Und dann: Was mag da wohl immer so drauf gegrillt werden?

Sie treten in Wassenberg in die Fußstapfen von Nelson Müller und folgen ihm in der Ehrenliste der Preisträger der Goldenen Schlemmer-Ente. Was denkt Mario Kotaska über Nelson Müller?

Kotaska: Nelson Müller ist ein Mensch und Freund, den ich sehr schätze und respektiere. Er ist auch neben seinem kulinarischen Betätigungsfeld sehr kreativ und umtriebig, hat absolute Hochachtung vor dem Produkt, geht verantwortungsvoll mit seinen Mitmenschen um und ist eine echte Spaß-Kanone!

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