Aachen/Stuttgart - Schlag gegen rechtsextreme Musikszene

Schlag gegen rechtsextreme Musikszene

Von: mik/dpa/ddp
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Der neue Auftritt der Neonazis: Die rechte Szene gibt sich heute - wie hier bei einer Demo in Aachen - als hippe Jugendkultur. Foto: Michael Klarmann

Aachen/Stuttgart. Beim bisher größten Schlag gegen die rechtsextreme Musikszene hat die Polizei bundesweit mehr als 200 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht und rund 55.000 CDs beschlagnahmt. Außerdem wurden mehr als 170 Computer und etwa 70 Waffen sichergestellt, teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Mittwoch mit. Die 204 Beschuldigten sind zwischen 21 und 45 Jahre alt und als rechtsradikal bekannt. Es wurde niemand festgenommen. Auf Anfrage teilte die Aachener Polizei mit, dass auch im „Jülicher Raum” zwei Objekte durchsucht worden sind.

Die Schwerpunkte der Razzia, an der etwa 800 Polizisten beteiligt waren, lagen in NRW, Berlin und Sachsen. In NRW wurden laut BKA 34 Objekte durchsucht, ermittelt wird dort gegen 33 Personen.

Ein BKA-Sprecher sagte unserer Zeitung, in NRW seien rund 1000 Tonträger, mehrere Computer, Speichermedien und Waffen beschlagnahmt worden. Viele der bundesweit beschlagnahmten Tonträger enthielten aggressive, gewaltverherrlichende, volksverhetzende und fremdenfeindliche Musik, berichtete Norbert Walz vom Polizeipräsidium Stuttgart.

„Die Musik bildet das Tor, durch das junge Menschen gelockt werden sollen”, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler. Den Durchsuchungen waren Ermittlungen gegen die Internet-Plattform „Unser Auktionshaus” vorausgegangen, die der rechten Szene zum Vertrieb rechtsextremer Produkte diente. Als Verantwortlicher und zeitweise Betreiber der Plattform gilt der Rechtsextreme Sascha D. aus Waiblingen. Der 34-Jährige ist Mitglied der rechtsextremen Band „Carpe Diem” aus Baden-Württemberg.

Der entscheidende Tipp gegen die Plattform kam vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Polizeibeamte beschlagnahmten 2007 den Server, die Computerfestplatten und CDs mit rechtsextremen Inhalten und werteten sie aus. „Musik ist ein wesentlicher identitätsstiftender Faktor der rechten Szene. Durch die Produktion und den Vertrieb von Tonträgern mit rechtsextremistischer Musik werden jährlich mehrere Millionen Euro umgesetzt”, sagte Mahler. Dies sei eine wichtige Finanzquelle der Szene.
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