Scheußliche Erinnerungen an den Fall Marc Dutroux

Von: Felix Lennertz
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Hasselt/Bütgenbach. Angefangen hatte die Geschichte mit „nur” einem Doppelmord: Anfang Januar werden in einem verkohlten Auto im limburgischen Loksbergen die Leichen eines jungen Pärchens gefunden, der 18-jährigen Shana A. aus dem Ort und ihres 20-jährigen Freundes Kevin P..

Eine knappe Woche später dann die Nachricht: Mörder gefasst. Ronald J., ein 38-jähriger Lehrer aus Loksbergen, Vater zweier Töchter und gemeinhin als charmant, gesellig, liebenswürdig und unauffällig bekannt, hat gestanden.

Medienberichten zufolge habe J. sich von dem jungen Mann „belästigt” gefühlt, da habe er sich „vergessen”, den Mann und die Frau erschossen. Kurz darauf wird sein Haus durchsucht, wo die Ermittler drei illegale Waffen sicherstellen.

Stück für Stück packt er aus

Im Verhör gesteht J. einen weiteren Mord - den an der damals 18-jährigen Annick U., deren Leiche nach langer Suche im April 2007 in einem Kanal gefunden wurde. Sie war nach einer Party verschwunden, bei der auch der 38-Jährige mitgefeiert hatte.

Langsam, zu langsam für den Geschmack der Belgier, kommen immer wieder neue Details heraus. Unter anderem untersuchen die Ermittler, ob J. für den Tod eines 16-jährigen Mädchens aus Vechta, die mit ihren Eltern in De Haan urlaubte, verantwortlich sein könnte. Die Ermittler gehen jetzt davon aus, dass J. auch für eine Vielzahl von Vergewaltigungen verantwortlich sein könnte - Fälle, die niemals aufgeklärt wurden.

Ein weiteres Geständnis des Mannes, die Geständnisse rückt er quasi scheibchenweise heraus: Ja, er habe noch eine weitere Person getötet.

Wen, wo, wie? Das bleibt sein Geheimnis. Das Einzige, was er sagt, ist Folgendes: 2007, als er in Bütgenbach in den Ardennen in eine zufällige Polizeikontrolle geriet, da habe er die vierte Leiche im Kofferraum gehabt; er war in der Gegend unterwegs, um den Körper loszuwerden.

Und während in Belgien die Angst vor einem zweiten Fall Dutroux umgeht, verhängen die nach belgischen Medienberichten bislang pannenfrei ermittelnden Behörden eine Nachrichtensperre. Sie haben kurz zuvor ihre Ermittlungen auch auf die benachbarten Niederlande ausgeweitet. Dort prüft die Polizei einen Zusammenhang zwischen dem Mann, der in den 90er Jahren einige Zeit dort lebte, und dem mysteriösen Verschwinden eines Geschwisterpaars im Jahr 1994. Mittlerweile werden in Belgien alle ungelösten Morde und Sexualverbrechen seit 1990 im Licht des Falls J. neu aufgerollt.

Grabungen im Garten

Unvermindert weiter geht auch die Suche nach der bislang nicht aufgetauchten vierten Leiche. „Man weiß nicht, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, die Angaben des Täters stimmen nicht mit den in Belgien aktuellen Vermisstenfällen überein”, sagt der Eupener Staatsanwalt - in Belgien werden solche Leute „Prokurator des Königs” genannt - Rolf Lennertz, in dessen Zuständigkeitsbereich die deutschsprachige Gemeinde Bütgenbach fällt.

Ein Hasselter Kollege - dort wird der Fall verwaltet - gibt sich wesentlich verschlossener. Medienberichte, nach denen es sich bei der vierten Leiche um einen Saisonarbeiter oder einen Asylbewerber handeln könne und dass es aufgrund von „Hinweisen” nun schon zu Grabungen in J.s Garten kommen könnte - seien frei aus der Luft gegriffen, Ende des Themas. Nachrichtensperre eben.

Die belgischen Medien zeigen sich nicht überzeugt. Vielmehr glauben sie, dass sich eine neue, weitere Wendung des Falles abzeichne. Bis dahin bibbert Belgien weiter.
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