Schausteller bitten Nahles zum Gespräch

Von: Leandra Kubiak
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Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, nahm am Dienstag an der Großkundgebung des Deutschen Schaustellerbundes teil. Sie äußerte sich zu den Forderungen, die der Schaustellerbund stellte. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bei der Großkundgebung des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) ging es am Dienstag stimmungsvoll zu. Zum Auftakt des 66. Delegiertentages verlieh der Schaustellerbund dem Eurogress Aachen den Flair eines Volksfestes. Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, hatte aber durchaus auch ernste Anliegen.

Auf der Tagesordnung standen die Themen Infrastruktur, Einfahrt in Umweltzonen und die Bestimmungen des Mindestlohns – in diesen Bereichen sieht der Schaustellerbund eine Benachteiligung seines Gewerbes.

Aus diesem Grund hatte der DSB eine Beschwerde an das Bundesarbeitsministerium eingereicht. Andrea Nahles (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, nahm im Rahmen der Veranstaltung Stellung zur Kritik. Konkret geht es dem DSB zum Beispiel darum, dass die Schausteller höhere Preise pro Kilowattstunde Strom zahlen müssen, als andere Gewerbetreibende.

„Das kann nicht sein“, findet Ritter. Ein weiteres Anliegen des DSB ist die Nutzung von Umweltzonen. Viele Fahrzeuge der Schausteller haben keine entsprechende Umweltplakette und dürfen deshalb nicht in die Umweltzonen hineinfahren. Die Schausteller fordern, dass sie in die Zonen einfahren dürfen, sofern sie in den Städten einen Platz angemietet haben.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag NRW, Armin Laschet, nahm an der Kundgebung teil. Der CDU-Politiker zeigte Verständnis für die Anliegen der Schausteller: „Auf den 200 Metern von der Autobahn bis zur Cranger Kirmes wird das Klima nicht gerettet.“ Ritter sieht ein weiteres Problem in den vielen maroden Brücken in NRW. Diese kosteten die Schausteller große Umwege.

Der Mindestlohn werde für viele Schausteller eine wirtschaftliche Schwierigkeit bedeuten, so heißt es in einer Äußerung des DSB. Ein besonderes Problem sieht der DSB in der Unmöglichkeit, die Arbeitszeiten der Beschäftigten exakt zu erfassen. Eine strikte Trennung zwischen Freizeit und Arbeitszeit gebe es in dem Gewerbe oftmals nicht, sagte Ritter. Viele wohnten mit ihren Mitarbeitern zusammen.

Andrea Nahles sprach sich dafür aus, dass die Tradition der Volksfeste in Deutschland aufrecht erhalten werden müsse. „Ich glaube, dass die Volksfeste zur DNA unserer Städte gehören“, sagte die Bundesministerin. „Und ich möchte, dass kein Karussell wegen des Mindestlohns stillgelegt werden muss.“ Trotzdem betonte sie, dass der Mindestlohn umgesetzt werden müsse. Sie räumte aber ein, das Gewerbe der Schausteller sei ein besonderes Gewerbe – vor allem in Bezug auf die Arbeitszeiten.

„Wir werden eine gemeinsame Lösung finden“, sagte Nahles. Sie bot Ritter und dem Präsidium des Schaustellerbundes an, gemeinsam weitere Gespräche zu führen. Auch zu der Bewerbung des Schaustellerbundes zum Weltkulturerbe äußerte sich Nahles positiv: „Nirgendwo gibt es diese Tradition so wie in Deutschland. Es ist ein kulturelles Erbe, das geschützt werden soll.“

Auch Armin Laschet sieht in der Tradition der Volksfeste ein Kulturerbe. Schausteller seien mittelständische Familienunternehmer. Der Mindestlohn sei gerecht, aber, wie so oft in Deutschland, sei er zu stark bürokratisiert worden, sagte Laschet. Es sei nun eine wichtige Aufgabe, zu sehen, wo man die Regelung entbürokratisieren könne.

Neben Nahles und Laschet richteten unter anderem auch Carina Gödecke, Präsidentin des Landtags NRW, Reiner Priggen, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp ein Grußwort an die Schausteller, die aus ganz Deutschland angereist waren. Philipp betonte die Bedeutung der unterschiedlichen Volksfeste für jede Region.

Für die Zukunft sieht er weiterhin eine gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Aachen und den Schaustellern. Auch Albert Ritter hofft, dass der Aachener Bendplatz den Schaustellern noch lange als Kulisse erhalten bleiben wird.

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