„Schatzkiste“: Gesang- und Gebetbuch mit den Glaubensgrundlagen

Von: Angela Delonge
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Begleitet die Einführung des „Gotteslob“ im Bistum Aachen: Christiane Bongartz vom Fachbereich Liturgie und Spiritualität im Bistum Aachen. Die Qualität von Text und Musik sowie praktische Anleitungen zeichnen das neue Gebetbuch aus. Zurzeit warten 30 Europaletten im Einhard Verlag darauf, ausgepackt zu werden. Foto: Andreas Steindl (2), Einhard Verlag, Archiv

Aachen. Alle haben ihre Arbeit getan: die Drucker, die Lkw-Fahrer, die Gabelstaplerfahrer und die Lagerarbeiter. Wertvolle Ware lagert auf 30 Europaletten im Aachener Einhard Verlag. Es ist die Startauflage des neuen Kirchengebet- und Gesangbuchs „Gotteslob“ für das Bistum Aachen – 100.000 druckfrische Exemplare, die darauf warten, ausgepackt und versandfertig gemacht zu werden.

Nach 38 Jahren wird es am ersten Adventsonntag erstmals wieder ein neues Gebetbuch für alle Katholiken im deutschsprachigen Raum geben. 3,5 Millionen Bücher wurden seit Februar für die insgesamt 37 Diözesen gedruckt. Das Gebetbuch, das heute von Kirchgängern benutzt wird, stammt von 1975. „Alle ein bis zwei Generationen muss das Gebetbuch überdacht werden“, sagt Christiane Bongartz, Leiterin des Fachbereichs Liturgie und Spiritualität im Bistum Aachen, die die Einführung des neuen „Gotteslob“ federführend begleiten wird.

Kommission arbeitet elf Jahre

Mit dem „Gotteslob“ des Jahres 2013 wird eine neue Ära in den Bistümern Aachen und Lüttich eingeleitet. Elf Jahre hat eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz an der Neugestaltung des neuen Gebetbuchs gearbeitet. Wie sein Vorgänger wird es „Gotteslob“ heißen, mit insgesamt 1000 Seiten aber etwas an Umfang zugelegt haben. „Das ist kein Selbstzweck“, sagt Christiane Bongartz, „das neue Gotteslob will vielmehr den großen Veränderungen in Kirche und Gesellschaft Rechnung tragen.“

Zum Beispiel dem Priestermangel, der dazu geführt hat, dass heute immer mehr Gottesdienste von Laien gestaltet werden, was wiederum zu Veränderungen in der Liturgiepraxis führt; auch bei den geistlichen Liedern gab es Entwicklungen – alles Gründe, warum die Bischöfe sich 2001 dazu entschieden, ein neues Gotteslob herauszubringen.

„Es war ein langwieriger Prozess, bei dem verschiedene Kriterien berücksichtigt werden mussten,“ berichtet Bongartz aus der Entstehungszeit des neuen „Gotteslob“. Die Inhalte sollten sowohl von den Gläubigen akzeptiert werden, als auch der Kirchentradition entsprechen. Darüber hinaus wurde großer Wert auf die Qualität von Text und Musik gelegt.

Nach dem Wunsch der Bischöfe soll das Buch nicht nur in der Kirche benutzt werden, sondern auch eine Art „Schatzkiste mit den Grundlagen des Glaubens“ für zu Hause werden. „Das Buch ist bewusst anwenderorientiert gestaltet“, sagt Bongartz. So bietet das „Gotteslob“ geistliche Impulsgebete für das tägliche Leben – Trostspendendes von verschiedenen christlichen Autoren, wie zum Beispiel den „Sonnengesang“ von Franz von Assisi. Für das Rosenkranzgebet gibt es eine grafische Anleitung, zahlreiche Anregungen auch für die Feier des Heiligen Abends zu Hause.

Selbstverständlich findet der Nutzer auch die Grundgebete wie das Vaterunser. Unter dem Motto „Was bedeutet...?“ dient das neue „Gotteslob“ auch als Nachschlagewerk für Begriffe aus der Liturgie und dem katholischen Glauben. Erklärt wird der Ablauf kirchlicher Feiern (etwa Messe und Kommunion) sowie der Sakramentsspendung (etwa Ehe und Taufe).

Großer Wert auf Musik gelegt

Somit enthält der Stammteil, der in allen 37 Diözesen identisch ist, viel Neues. Vor allem in musikalischer Hinsicht wurde der Rotstift angesetzt: Von den 270 Liedern wurde nur rund die Hälfte übernommen, viele neue kamen hinzu, darunter häufig nachgefragte Lieder wie „Stern über Bethlehem“, „Von guten Mächten“ oder „Danke für diesen guten Morgen“. „Es gibt aber auch noch viele traditionelle Lieder“, betont Christiane Bongartz.

Überhaupt wurde großes Gewicht auf die Musik gelegt. Die Hälfte der Gesänge kennzeichnet ein „Ö“, was für den Gebrauch im Ökumenischen Gottesdienst steht. Zahlreiche Psalmen, Gesänge und Litaneien sind hinzugekommen. „Mehrere Tausend Lieder wurden geprüft“, berichtet Bongartz von dem sorgfältigen Findungsprozess, an dem auch vier Gemeinden aus dem Bistum beteiligt waren: aus unserer Region St. Anna und St. Marien in Düren sowie St. Katharina in Aachen-Forst.

Neben dem Stammteil durfte jede Diözese ihren eigenen regionalen Teil, den sogenannten Diözesanteil, inhaltlich selbst gestalten. „Und da sind wir am modernsten“, sagt Bongartz voller Stolz. Und nicht nur das: Mit 300 Seiten und 150 Liedern schöpft das Bistum Aachen in seinem Diözesanteil auch quantitativ das Maximum aus. Der Diözesanteil, der in Kooperation mit dem Bistum Lüttich entstanden ist, startet mit einem Blick in das Oktogon des Aachener Doms, der das Mosaik des Himmlischen Jerusalem zeigt. In der Lütticher Bistumsausgabe findet sich stattdessen ein Bild des Heiligen Lambertus, Patron der Stadt, sowie die Geschichte und die Eigenfeiern des Bistums.

Auch die Aachener Ausgabe enthält einen ausführlichen Text zur Geschichte des Bistums sowie die Daten der Eigenfeiern. Dazu gehört natürlich das Patronatsfest des Doms am 15. August (Mariä Himmelfahrt) und der Namenstag Karls des Großen am 28. Januar.

Auch im Diözesanteil stellen die Lieder eine gelungene Mischung aus Alt und Neu dar, für die vor allem Michael Hoppe, Professor für Kirchenmusik, verantwortlich ist. Das besondere Augenmerk, das auch er auf die Musikauswahl legte, führte zum Beispiel dazu, dass sich das Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten“ im neuen Gotteslob gleich zweimal findet – mit unterschiedlichen Melodien. „In unserem eigenen Teil haben wir die Melodie genommen, die vor allem bei uns bekannt ist“, erläutert Bongartz.

Die Impulstexte zwischen den Liedern stammen von Autoren aus dem Bistum, zum Beispiel vom Leiter der Exerzitienstelle im Bistum, Manfred Langner, und vom ehemaligen Hochschulseelsorger Christoph Stender. Zum Nachdenken regen 27 Texte über Glaubenszeugen aus der NS-Zeit an – über Männer und Frauen aus dem Bistum, die gegen die Nationalsozialisten Stellung bezogen haben. „Diesen Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden, Gehör zu verschaffen, war uns viel wert“, sagt Bongartz.

Praktische Hilfe gibt es natürlich auch im Diözesanteil: zum Beispiel die Anleitung für den Kirchenbesuch – selbst für viele Gläubige heute keine Selbstverständlichkeit mehr. So wurde mit einer Arbeitsgruppe eigens eine „Kirchenführung“ erarbeitet – mit erläuternden Stichworten zu den Dingen, die man dort antrifft : Kreuz, Altar, Kerzen, Glocken. Hinzu kommt ein alphabetischer Namenstagskalender mit vielen alten Namen, der Ablauf des Taizé-Gebets sowie in drei Sprachen ein Gebet mit der Partnerkirche in Kolumbien.

Die Bestellungen für das neue „Gotteslob“ sind längst angelaufen, die Pfarren müssen die alten Bücher zum 1. Advent gegen das neue austauschen. Bis Ostern 2014 können sie die Bücher zu einem Sonderpreis beim Einhard Verlag bestellen. Christiane Bongartz wird die Einführung begleiten, erstellt Begleitmaterialien, informiert die Gemeinden. Am 6. September fällt der Startschuss für alle, die mit dem neuen Buch arbeiten. Dann findet am katechetischen Institut in Aachen die offizielle Einführungsveranstaltung statt.

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