„Sauerland”-Terrorprozess: Einer wollte nicht

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Prozess gegen Sauerland-Gruppe
Der Angeklagte Atilla S. in Düsseldorf im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes. Am Dienstag werden von den Angeklagten der sogenannten Sauerland-Gruppe Aussagen zum Aufenthalt in Ausbildungslagern in Pakistan erwartet. Foto: dpa

Düsseldorf. Nur einer der vier Angeklagten im Terrorismus-Prozess gegen die sogenannte Sauerland-Gruppe hat der Islamischen Dschihad-Union (IJU) den Gefolgschaftseid verweigert.

Er habe der IJU aber versprochen, die Gruppe bei den geplanten Bombenanschlägen gegen US-Soldaten in Deutschland zu unterstützen, sagte der Deutschtürke Atilla Selek am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Seleks Mitangeklagten hatten zuvor die Mitgliedschaft in der IJU, die den Auftrag für die Anschläge gab, eingeräumt. Selek sagte, er fühle sich der IJU nicht verpflichtet.

Den Angeklagten wird die Vorbereitung von Sprengstoffanschlägen gegen amerikanische Ziele in Deutschland und die Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung vorgeworfen. Drei waren 2007 beim Bombenbau im Sauerland aufgeflogen, Selek wurde später in der Türkei gefasst. Er hatte nach eigenen Angaben die Zünder beschafft.

Nach den Worten des mutmaßlichen Rädelsführers der „Sauerland”- Gruppe, Fritz Gelowicz, wollte Selek nicht zu weit in die Anschlagsvorbereitungen hineingezogen werden. „Dass er richtig mit einsteigt, dazu konnte ich ihn nicht bewegen”, sagte Gelowicz vor Gericht. „Es war nicht sein Ding.” Auch das Unterstützungsversprechen habe Selek nur widerwillig gegeben. Selek hatte sich vor zwei Wochen vor Gericht von den geplanten Terroranschlägen distanziert und Reue gezeigt.

Den Gefolgschaftseid habe er der IJU nicht geleistet, weil diese ihn in den „heiligen Krieg” (Dschihad) nach Afghanistan oder in den Irak habe schicken wollen, sagte Selek laut Vernehmungsprotokoll.

Das habe ihm aber nicht gepasst, da ihm das Klima in diesen Ländern „zu heiß” sei. Er habe erklärt, dass er erst nach Deutschland reisen und dann sein eigentliches Ziel Tschetschenien erreichen wolle. Der IJU-Anführer „Achmed” habe ihm daraufhin aufgetragen, Gelowicz bei dessen „Auftrag” in Deutschland zu helfen. „In Waziristan war schon klar, dass die Aktion in Deutschland ein Anschlag war und dass Amerikaner die Ziele sein sollten”, sagte Selek vor Gericht.
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