„Sauerland”-Terrorist gesteht Tötungsversuch

Von: dpa
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Sauerland / Fritz G. / Anwalt Dirk Uden
Der Rädelsführer der Sauerland-Terroristen, Fritz Gelowicz (l.), hatte vor Gericht ausgesagt, El Kaida sei nicht in die Terrorpläne für Deutschland eingebunden gewesen. Foto: ddp

Düsseldorf. Kurz vor dem Ende des „Sauerland”-Prozesses hat der mutmaßliche Terrorist Daniel Schneider erstmals die versuchte Tötung eines Polizisten gestanden. Bei seiner Festnahme habe er den Tod des Beamten billigend in Kauf genommen, räumte der 24-jährige Angeklagte am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf ein.

Das Gerangel mit dem Beamten bei dem Zugriff im Herbst 2007 hätte durchaus „einen tödlichen Ausgang nehmen können”, sagte er.

In den vergangenen Monaten hatte Schneider mehrfach beteuert, er habe zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt, auf den Polizisten zu schießen. Bei dem Kampf hatte Schneider die Waffe des Beamten aus dem Holster gerissen. Es fiel ein Schuss, der aber ins Leere ging. Schneider ist als einziges der vier Mitglieder der islamistischen „Sauerland”-Gruppe auch des versuchten Mordes angeklagt.

Nach gut neun Monaten Verhandlungsdauer schloss der Staatsschutzsenat am Dienstag nach 57 Verhandlungstagen damit die Beweisaufnahme ab. An diesem Mittwoch beginnt die Bundesanwaltschaft mit ihrem zweitägigen Plädoyer. Das Urteil ist für den 4. März geplant. Den weitgehend geständigen Angeklagten wird die Vorbereitung von Sprengstoffanschlägen in Deutschland und die Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung vorgeworfen.

Drei der vier Angeklagten waren im Herbst 2007 nach monatelanger Beobachtung durch die Sicherheitsbehörden in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen worden, ein vierter später in der Türkei. Die Festnahme in dem Ferienhaus war geprägt von Pannen. So gelang es Schneider zunächst, vor den Augen der Elite-Einheit GSG 9 zu flüchten. Gestellt wurde er später von einem BKA-Beamten.

Den Vorwurf der Schleusung von Nachwuchs-Islamisten in die Terrorausbildungslager der Islamischen Dschihad Union (IJU) ließ das Gericht am Dienstag mit Einverständnis der Bundesanwaltschaft aus Gründen der „Verfahrensökonomie” fallen.

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