Sauerland-Prozess: Pöbeleien im Gerichtssaal

Von: ddp-nrw
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Daniel S. Sauerland-Prozess
Daniel S. wird die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung und versuchter Mord vorgeworfen. Foto: ddp

Düsseldorf. Der im sogenannten Sauerland-Prozess Angeklagte Adem Y. hat sich auf Islamismus-kritischen Internetseiten sein Propagandamaterial besorgt. Dies sagte die Islamwissenschaftlerin Rotraud Wielandt am Mittwoch als Sachverständige im Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf aus.

Zuvor war der 31-jährige Angeklagte nur knapp einer weiteren Ordnungsmaßnahme durch das Gericht entgangen. Er hatte vergangene Woche nach der Verhandlung einen Justizvollzugsbeamten unter anderem als „Fettsack” beschimpft.

Islamwissenschaftlerin Wielandt präsentierte am Mittwoch weiter ihre ausführliche Analyse der Audio- und Textdateien, die bei Adem Y. sichergestellt worden waren. So habe der 31-Jährige unter anderem Dateien mit dem Namen „Warum Muslime gegen Ungläubige kämpfen müssen” oder „Frauen warten auf den Märtyrer im Paradies” besessen, sagte die Sachverständige. Das Material hatte sich Adem Y. laut Wielandt ironischerweise zum Teil von Internetseiten heruntergeladen, die kritisch über den Islamismus aufklären. Dort seien die Audio- und Textdateien als abschreckendes Beispiel einzusehen gewesen, sagte Wielandt.

Vor Gericht sagte am Mittwoch auch der von Adem Y. verbal angegriffene JVA-Beamte aus. Der Angeklagte habe ihn mit den Worten „Mach hier nicht den Dicken, Du Fettsack. Und komm doch her, wenn Du was willst” beschimpft, sagte der Beamte. Weil Y. durch seinen Anwalt ausrichten ließ, dass er die Äußerung bedauere, verzichtete das Gericht am Mittwoch darauf, Ordnungsmaßnahmen gegen den Angeklagten zu verhängen.

Zu der Äußerung war es nach Darstellung des JVA-Beamten gekommen, weil die Angeklagten sich nach der Verhandlung zum Abschied die Hand gegeben hatten. Der JVA-Beamte hatte die Männer darauf hingewiesen, dass dies nicht erlaubt sei. Adem Y. will sich dabei über den seiner Meinung nach aggressiven Ton des Beamten geärgert haben.

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling betonte am Mittwoch, dass das Gericht beim nächsten entsprechenden Vorfall keine Gnade mehr walten lassen werde. Adem Y. war im Prozess bereits öfter durch Respektlosigkeit aufgefallen, vier Mal wurden deswegen gegen ihn Ordnungsmaßnahmen verhängt. So hatte er sich am ersten Verhandlungstag im April nicht für die Vereidigung der Dolmetscher erheben wollen. „Ich stehe nur für Allah auf„, sagte er damals. Die vier Angeklagten im Alter von 24 bis 31 Jahren haben gestanden, 2007 im Namen der Terrororganisation Islamische Dschihad-Union (IJU) Anschläge in Deutschland geplant zu haben.

Zur Anschlagsvorbereitung hatten sich drei der vier Männer in ein Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn zurückgezogen. Dort hatten sie unter anderem damit begonnen, Sprengstoff herzustellen. Vor zwei Jahren wurden sie dort festgenommen, der vierte Angeklagte wurde später in der Türkei verhaftet. Seit April stehen die Männer vor Gericht, im August begannen sie dort mit umfangreichen Geständnissen.
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