„Sauerland-Prozess”: Milde Strafe für Schneider gefordert

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Sauerland Prozess
Der Angeklagte Fritz Gelowicz steht in Düsseldorf im sogenannten Sauerland-Prozess hinter einer Glaswand. Foto: dpa

Düsseldorf. Im Prozess gegen die terroristische „Sauerland-Gruppe” haben die Verteidiger für den jüngsten Angeklagten Daniel Schneider unter zehn Jahre Haft gefordert.

Der 24-Jährige solle nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden, beantragte sein Anwalt Johannes Pausch am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Schneider wird als einzigem der vier Angeklagten auch versuchter Mord zur Last gelegt. Die Bundesanwaltschaft hat für ihn mit 13 Jahren Haft die höchste Strafe beantragt.

Nach Ansicht der Verteidiger hatte Schneider starke Zweifel an den geplanten Terroranschlägen und sei in der „massiven Krise eines Heranwachsenden” gewesen. Ein Teil der Vorwürfe beziehe sich zudem auf einen Zeitraum, in dem Schneider noch keine 21 Jahre alt gewesen sei.

Schneider hatte bei der Festnahme der Islamisten im Sauerland im Herbst 2007 einem Polizisten die Waffe entrissen. Dabei war ein Schuss gefallen. Im Prozess hatte er eingeräumt, dass er den Tod des Polizisten billigend in Kauf genommen habe.

Verteidiger Johannes Pausch hält es für eine „Fehlinterpretation” der Bundesanwaltschaft, dass Schneider ein „strammer Gotteskrieger” sei. Der Saarländer sei durch die Trennung seiner Eltern und die anschließende tiefe Zerrüttung der Familie in ein „seelisches Gefühlschaos” gestoßen worden. Der Übertritt zum Islam sowie später die Islamische Dschihad Union hätten ihm Halt gegeben (IJU). „Wäre er bei der Bundeswehr angenommen worden, säße er heute nicht hier”, sagte Pausch.

Schneider sei ein sehr gründlicher und nachdenklicher Mensch mit großem Pflichtbewusstsein, der wegen seiner Zweifel das „schwächste Glied der Kette” gewesen sei. Verteidiger Bernd Rosenkranz forderte für Schneider und die drei Mitangeklagten auch wegen ihrer „dilettantischen und unprofessionellen” Vorgehensweise bei der Vorbereitung der Anschläge einen „erheblichen Strafrabatt”. „So erschreckend das alles ist, Discos und Pubs in die Luft zu sprengen, so dilettantisch ist der Weg dorthin gewesen.”

Die Plädoyers werden an diesem Mittwoch mit dem Schlussvortrag der Verteidiger von Attila Selek abgeschlossen. Das Urteil soll am 4. März gesprochen werden.
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