„Sauerland-Gruppe” fühlte sich im Ferienhaus unbeobachtet

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:
Daniel S. Sauerland-Gruppe
Daniel S. ist unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt. Foto: ddp

Düsseldorf. Die sogenannte Sauerland-Gruppe hat sich bei den Vorbereitungen der geplanten Sprengstoffanschläge in einem Ferienhaus im Sauerland unbeobachtet gefühlt. Die drei mutmaßlichen Islamisten seien davon ausgegangen, dass sie „alle Verfolger abgeschüttelt” hätten.

Dies sagte der Angeklagte Daniel S. am Dienstag im Prozess gegen die Gruppe vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Daher seien sie von ihrer Festnahme am 4. September 2007 völlig überrascht worden.

S. hatte nach eigenen Angaben bei seiner Abreise zum Ferienhaus um vier Uhr morgens die Wohnung verlassen und sei durch „dunkle Ecken” zum Bahnhof gelaufen, um mögliche Verfolger abzuschütteln. „Ich habe jedes vorbeifahrende Auto gemieden”, sagte der heute 24-jährige Saarländer in der Verhandlung. Zudem habe er sich auf der Zugreise zum gemeinsamen Treffpunkt viermal umgezogen, um unerkannt zu bleiben.

Über sein Handeln bei einer möglichen Festnahme habe er zuvor nicht nachgedacht, sagte S. Der Konvertit ist unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt, weil er bei der Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll. S. hatte vergangene Woche vor Gericht angegeben, dass sich der Schuss beim Gerangel mit einem Polizisten ohne Absicht gelöst habe. Er sei bei der Situation in großer Angst gewesen und habe nicht viel nachgedacht.

Am Dienstag begannen vor dem OLG außerdem Vernehmungen von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA). Die vier Angeklagten hatten ihnen gegenüber im Sommer ausführliche Geständnisse abgelegt. Ein BKA-Beamter sagte vor Gericht, die Vernehmung des mutmaßlichen Rädelsführers der Gruppe Fritz G. sei von beiden Seiten „respektvoll” und „konzentriert” erfolgt. G. habe „ruhig und sachlich” berichtet. Allerdings habe er versucht, Personen in seiner Umgebung in Deutschland zu schützen, in dem er strafrechtlich relevante Angaben zu ihnen vermieden habe.

Den vier Männern im Alter von 24 bis 30 Jahren wird vorgeworfen, im Namen der Terrororganisation Islamistische Dschihad-Union (IJU) Anschläge in Deutschland geplant zu haben. Laut Anklage hatten drei der vier Männer sich zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in der Ferienwohnung damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen. Ein vierter Angeklagter soll in der Türkei Zünder besorgt haben.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert