Sauerland-Gruppe: Anschlag auf Ramstein als Symbol

Von: Lisa Casparim, ddp
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Der Angeklagte Adem Yilmaz in Düsseldorf im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes. Zwei der geständigen Terroristen der Sauerland-Gruppe waren nach eigener Aussage an zwei Raketenangriffen auf US-Militärlager in Afghanistan beteiligt. Foto: dpa

Düsseldorf. Die „Sauerland-Gruppe” hatte noch kurz vor Beginn der konkreten Anschlagsplanung in einem Ferienhaus im Sauerland keine feste Vorstellung von den möglichen Anschlagzielen.

Auf der gemeinsamen Autofahrt zu dem Haus hätten Fritz G., Adem Y. und Daniel S. vielmehr ein „surreales Brainstorming” veranstaltet, heißt es in einem Vernehmungsprotokoll von Daniel S., das am Dienstag im Prozess gegen die Angeklagten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) verlesen wurde.

Sein persönliches „Wunschziel” sei die US-Militärbasis in Ramstein (Rheinland-Pfalz) gewesen, sagte Daniel S. und begründete dies damit, dass ein dort verübter Anschlag großen Symbolcharakter gehabt hätte.

Laut Protokoll waren die drei Angeklagten im September 2007 gemeinsam zu dem Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn aufgebrochen, um dort mit den Vorbereitungen für die Anschläge zu beginnen.

Während der Autofahrt, die von Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) abgehört wurde, habe die Gruppe sich bezüglich der angedachten Ziele gegenseitig „hochgesteigert”, berichtete S. vor Gericht. So seien auch Diskotheken, Filialen der Fastfood-Kette Mc Donalds und Flughäfen genannt worden. Sogar der Papst sei schließlich im Gespräch gewesen.

Man habe darüber nachgedacht, den Anschlag vor der Entscheidung des Bundestages über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes Mitte Oktober 2007 zu verüben, sagte S. Genaues habe aber nicht festgestanden.

Mit dem von ihm favorisierten Anschlag auf die US-Militärbasis in Ramstein hätte die Gruppe „die zentrale Koordinierungsstelle der Kriegsführung” treffen können, sagte S. in der Verhandlung. Ziel wäre es auch gewesen, dass die Bürger sich über die „amerikanische Militärpräsenz in Deutschland” Gedanken machen.

Die Ramstein Air Base bei Kaiserslautern ist der größte Stützpunkt der US-Luftwaffe außerhalb der USA sowie Sitz eines NATO-Gefechtsstandes zur Führung von Luftstreitkräften. Rund 36 000 Militärangehörige sowie zahlreiche Zivilisten arbeiten auf der Basis.

Für den Anschlag in Ramstein hätte ein Vertreter der Gruppe unerkannt in den Kasernenkomplex eindringen, dort Sprengstoff abstellen und die Militärbasis zu Fuß wieder verlassen sollen, sagte S. Der aus dem Saarland stammende Angeklagte hatte nach eigenen Angaben „Ortskenntnisse” von der Anlage. So sei es möglich, mit einer gefälschten Ausweiskarte auf das Gelände zu gelangen.

Konkrete Gedanken über mögliche Opferzahlen bei einem Anschlag habe er sich nicht gemacht, sagte der 23-Jährige: „Es ging mir um den Symbolcharakter”.

Kurz nach dem Einzug in das Ferienhaus hatte die Gruppe laut Protokoll damit begonnen, die technische Ausrüstung für die möglichen Sprengstoffanschläge zu organisieren. Die Zünder waren demnach bereits in Schuhen versteckt in das Haus gebracht worden.

Die drei Angeklagten unternahmen außerdem eine Einkaufsfahrt nach Dortmund, wo Daniel S. unter anderem Uhren, Kochtöpfe und Lötkolben kaufte. Reagenzgläser für die exakte Mischung des für den Anschlag eingeplanten Sprengstoffs Wasserstoffperoxid habe er allerdings in keinem Laden finden können.

Auf dem Rückweg geriet die Truppe nach Aussage von S. in eine allgemeine Polizeikontrolle, konnte aber nach Vorlage der Ausweise weiterfahren. Aus dem Funkgerät des Polizisten habe die Gruppe das Wort „BKA” gehört, sich aber keine Gedanken darüber gemacht, sagte S. aus.

Den vier Angeklagten im Alter von 23 bis 30 Jahren wird vorgeworfen, im Namen der Islamistischen Dschihad-Union (IJU) Anschläge in Deutschland geplant zu haben. Laut Anklage hatten Fritz G., Adem Y. und Daniel S. sich zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in der Ferienwohnung damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen.

Am 4. September 2007 wurden sie dort festgenommen, der vierte Angeklagte Atilla S. wurde später in der Türkei verhaftet.
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