Düsseldorf - Sauerland-Gruppe: Angeklagter will Geständnis ablegen

Sauerland-Gruppe: Angeklagter will Geständnis ablegen

Von: ddp/dpa
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Prozess gegen Sauerland-Gruppe
Der leere Platz für den Angeklagten in Düsseldorf im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes. Foto: dpa

Düsseldorf. Wende im Sauerland-Prozess: Der mutmaßliche islamistische Terrorist Adem Yilmaz hat ein umfassendes Geständnis angekündigt. Er bat das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Dienstag, mit den anderen Angeklagten darüber ohne Verteidiger sprechen zu dürfen.

„Es ist mir egal, wie viel Sie mir geben, ob 20 oder 30 (Jahre), ich möchte nur, dass das hier vorbeigeht, es ist langweilig”, sagte Yilmaz am 15. Verhandlungstag. Auch die drei Mitangeklagten signalisierten Gesprächsbedarf.

Es mache keinen Sinn, weiter zu schweigen, um dann im Urteil die „volle Packung” zu erhalten, erklärte Yilmaz (29). Die Mitangeklagten Attila Selek und Daniel Schneider dächten genauso. Nur seine Anwältin weigere sich, das mit ihm zu besprechen. „Ich bin eigentlich zufrieden mit meinen Anwälten, sie tun nur manchmal nicht, was ich will.”

Bislang hatten die Angeklagten jegliche Aussage in dem Terror- Prozess verweigert. Gegen Yilmaz hatte das Gericht mehrfach Ordnungshaftstrafen verhängt. Grund waren Zwischenrufe und die Weigerung, sich vor dem Senat zu erheben.

Das Gericht erklärte, das von Yilmaz erbetene Gespräch im Beisein von Beamten des Bundeskriminalamts sofort zu ermöglichen. Auch die Bundesanwaltschaft stimmte zu. Die vier Angeklagten zogen sich zunächst zu Beratungen mit ihren Verteidigern zurück. Die Verteidiger Seleks erklärten, dass auch dieser sehr bald ein Geständnis ablegen könnte.

Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling betonte, dass das Gericht nur an umfassenden Geständnissen interessiert sei: „Alle Karten auf den Tisch - und zwar offen, nicht gezinkt.” Bundesanwalt Volker Brinkmann betonte, dass der Zug für einen spürbaren Strafnachlass durch ein Geständnis angesichts der erdrückenden Beweisfülle „bald abgefahren” sei.

Dass die Angeklagten ein Geständnis oder zumindest eine Aussage erwägen, war Mitte Mai bekanntgeworden, als bei Daniel Schneider ein an Yilmaz gerichteter Brief sichergestellt wurde. „Wann ist es sinnvoll, dass alle schweigen oder aussagen?”, hieß es in dem Kassiber. Prozessbeteiligte hatten seit längerem damit gerechnet, dass Yilmaz eine Aussage machen will.

Die Angeklagten sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gebildet und in Deutschland schwere Anschläge mit Autobomben geplant haben. Drei der Islamisten waren am 4. September 2007 im sauerländischen Oberschledorn von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden, Selek wurde später in der Türkei verhaftet.

Der Prozess - eines der größten Verfahren seit RAF-Zeiten - ist bislang auf zwei Jahre angelegt. Ein Geständnis würde das Verfahren erheblich abkürzen.

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