Sankt Augustiner Amokprozess beginnt am Dienstag

Von: Markus Peters, ddp
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Ein SEK-Mitglied auf dem Schulgelände in St. Augustin. Foto: dpa

<b>Bonn. </B> Eine 16 Jahre alte Schülerin muss sich ab Dienstag vor dem Bonner Landgericht wegen einer geplanten Amoktat an ihrem Gymnasium in Sankt Augustin verantworten.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat die 8. Große Strafkammer zunächst acht Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird für den 24. November gerechnet. Die Verhandlung gegen die Jugendliche ist nichtöffentlich.

Ihr wird von der Staatsanwaltschaft versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll die Schülerin am 11. Mai an dem von ihr besuchten Albert-Einstein-Gymnasium einen Amoklauf geplant haben.

Dabei habe sie zunächst einen Lehrer mit einem mitgebrachten Kurzschwert niederstechen wollen, um so an die Schlüssel für die Klassenräume zu gelangen. Danach wollte sie Klassenzimmer mit selbstgebauten Molotowcocktails in Brand setzen und die Türen von außen verschließen. Laut Anklageschrift war die Jugendliche am Morgen des Tattages mit den vorbereiteten und funktionsfähigen Molotowcocktails, dem Schwert und einer Schreckschusswaffe zur Schule gekommen, wo sie sich in einer Mädchentoilette maskieren wollte.

Dabei wurde sie von einer 17-jährigen Mitschülerin überrascht. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft griff die Jugendliche ihre Mitschülerin sofort mit dem Schwert an.

Diese konnte die Stiche abwehren, wobei sie erheblich an Händen und Armen verletzt wurde. Durch das Hinzukommen eines Lehrers wurde die Angreiferin abgelenkt und dem Opfer gelang gemeinsam mit dem Lehrer die Flucht. Der Lehrer reagierte sofort und veranlasste vom Sekretariat der Schule aus eine Warn-Durchsage. Dabei wurden alle Schüler aufgefordert, sich in die Klassenräume zu begeben, bei denen anschließend die Türen von innen verschlossen werden. Dadurch sah die Jugendliche ihren Plan vereitelt.

Noch auf dem Schulgelände versuchte sie vergeblich, sich mit einem Schuss der Schreckschusspistole zu töten. Anschließend floh sie nach Köln, wo sie sich am selben Abend im Hauptbahnhof der Bundespolizei stellte. Motiv für die Tat sollen massive Probleme im Elternhaus sowie mit Lehrern und Mitschülern gewesen sein. Die Jugendliche habe gegenüber der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt und werde weiter in einer geschlossenen jugendpsychiatrischen Einrichtung behandelt, hieß es.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat ein inzwischen erfolgtes jugendpsychiatrisches Gutachten keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit ergeben. Auch gebe es keine Anhaltspunkte für einen ausgedehnten Gebrauch von Computerspielen der Jugendlichen. Bei ihr seien Notizen zu den Hintergründen für die Tat gefunden worden. Zu deren Inhalt will die Ermittlungsbehörde bislang keine Angaben machen.

Weder bestätigten noch dementieren wollen die Ermittler auch das Vorliegen einer „Todesliste”, die rund 50 Namen umfassen soll. Ausschlaggebend für den Vorwurf des versuchten Mordes ist laut Staatsanwaltschaft die Schwertattacke gegen die Mitschülerin gewesen, die in Tötungsabsicht erfolgt sei. Damit habe die Jugendliche eine andere Straftat, den geplanten Amoklauf, verdecken wollen.
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