Sankt-Antonius-Klinik: Anklage wegen Hygieneverstößen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
wegberg sankt antonius klinik antoniusklinik krankenhaus
2012 erhält die Wegberger Klinik noch ein Hygiene-Siegel, ein Jahr später werden Verstöße festgestellt und nun Anklagen erhoben. Foto: dpa

Wegberg. In nur einem Jahr kann sich offenbar vieles ändern. Im März 2012 wurde die Sankt-Antonius-Klinik in Wegberg mit anderen Krankenhäusern aus der Region für ihren hohen Hygienestandard mit dem blau-weißen Siegel der euregionalen Initiative euPrevent ausgezeichnet.

Und schon am 19. Juli des Folgejahres entdeckte das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg gemeinsam mit der Bezirksregierung Köln in der Wegberger Klinik mehrere Verstöße gegen das Medizinproduktgesetz. Jetzt ließ die so viel gelobte Hygiene nachweislich zu wünschen übrig. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sah sich sogar gezwungen zu ermitteln und am Ende Anklage gegen die Geschäftsführerin der Klinik und einen ihrer leitenden Ärzte zu erheben.

Eine Gefährdung der Patienten habe zu keinem Zeitpunkt vorgelegen, bekräftigt die Geschäftsleitung der Sankt-Antonius-Klinik GmbH in einer schriftlichen Stellungnahme. Und dennoch gerät das Wegberger Krankenhaus erneut aufgrund unerfreulicher Zustände in den Fokus. Noch wach sind die Erinnerungen an den ehemaligen Eigner und Chefarzt der Klinik, Arnold P., der im Frühjahr 2011 unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Aufgrund eines anonymen Hinweises, so erklärt Martin Alberring, Pressesprecher am Landgericht Mönchengladbach, sei es bereits am 19. Juli des vergangenen Jahres in der Klinik zu einer „anlassbezogenen Untersuchung“ durch das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg und die Bezirksregierung Köln gekommen. In einer Stellungnahme der Geschäftsleitung hierzu heißt es jetzt: „Nachfolgend wurden Maßgaben zur Verbesserung im Umgang mit Medizinprodukten in Kooperation mit den Behörden umgesetzt und nachgewiesen. Es erfolgten sodann weitere Kontrollen ohne nennenswerte Einwendungen. Der Betrieb des Krankenhauses konnte durchgehend fortgesetzt werden.“

Alberring geht da schon mehr ins Detail. Danach seien zum Beispiel Scheren und Klemmen gefunden worden, die bereits korrodierten. Einmalprodukte – wie Spezialnadeln – seien angeblich gleich mehrfach zum Einsatz gekommen. In der Zentralsterilisation sei an einer Stelle für gereinigte Instrumente eine Pinzette entdeckt worden, an der noch „organische Reste“ hafteten.

Ein weiterer Missstand bezog sich auf Materialien, die erheblich über dem Datum lagen, das für ihre Verwendung noch gestattet war. Unter anderem seien eine Vielzahl von Kanülen, Mullkompressen und eine chirurgische Klinge davon betroffen gewesen, erklärte Alberring am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. Das „Verfallsdatum“ war von einem Monat bis hin zu sage und schreibe sieben Jahren überschritten. Dennoch stellt der Landgerichtssprecher klar: „Es wurde durch die Staatsanwaltschaft nicht festgestellt, ob derlei Produkte auch Verwendung fanden.“

Der Geschäftsführer des Heinsberger Krankenhauses, Heinz-Gerd Schröders, erläutert auf Anfrage unserer Zeitung die übliche Vorgehensweise im Umgang mit den medizinischen Verbrauchsprodukten in einer Klinik: „Normalerweise ist ständige Praxis, dass Lagerbestände je nach Gefahrenbereich turnusmäßig überprüft werden. Einen Zeitraum von über einem Jahr zwischen den Überprüfungen schließe ich da aus.“

Noch im August rechnet Alberring mit einer Entscheidung des Amtsgerichtes Erkelenz zu der Frage, ob ein Prozess gegen die angeklagte Geschäftsführerin Dany M. und einen leitenden Arzt der Sankt-Antonius-Klinik stattfinden wird. „Es steht die Frage im Raum, ob die Angeklagten wirklich zuständig waren für die Überwachung des einwandfreien Zustandes der Medizinprodukte.

Der Strafrichter des Erkelenzer Amtsgerichtes prüft nun, ob die Anklage zuzulassen ist. Das bedeutet, ob die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung größer ist als die eines Freispruchs.“ Bislang, so Alberring, hätten sich beide Angeklagten offiziell noch nicht zur Sache geäußert. Nach Informationen unserer Zeitung hat die Sankt-Antonius-Klinik die Zentralsterilisation übrigens mittlerweile an ein Fremdunternehmen ausgelagert.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert