Sammel-Serie, Teil 5: Die alten Koffer des Carl August Witt

Von: Katharina Menne
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Das Prunkstück: Carl August Witt mit einem Louis-Vuitton-Schrankkoffer aus den 20er Jahren. Louis Vuitton stellt diese Koffer noch heute her, fast baugleich. Der Neupreis: etwa 25.000 Euro. Foto: Katharina Menne
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Gepäck für eine Übersee-Passage: Wer früher mit dem Schiff weit reiste, hatte für die Kleidung einen Schrankkoffer (hinten r.), für die frische Unterwäsche eine große und für die gebrauchte Unterwäsche eine kleine „steamer bag“ dabei.

Aachen. Das Haus der Familie Witt gleicht fast einem kleinen Museum. Nicht nur stammt die Villa im Aachener Süden aus dem Jahr 1908 und hat somit zwei Weltkriege nahezu unbeschadet überstanden, auch im Inneren kann man die ein oder andere Sehenswürdigkeit bestaunen. Da gibt es fein verzierte Kommoden, hübsche Sessel, eine Vitrine voll mit alten Spielsachen, aber vor allem eins: viele alte Koffer.

„Ich weiß nicht genau, wie viele Koffer ich habe“, sagt Carl August Witt. „Ich habe sie noch nie gezählt.“ Er sagt das ganz nüchtern und völlig unbewegt. Der 78-Jährige tut sich schwer damit, das Sammeln als Hobby oder Leidenschaft zu bezeichnen. „Ich mache das aus Spaß an der Freud'.“ Weder ginge er gezielt auf Flohmärkte, noch schaue er bei Ebay oder sonstigen Auktionshäusern danach. Vielmehr habe sich im Bekanntenkreis herumgesprochen, dass er alte Koffer mag, und so hat bereits das ein oder andere Exemplar den Weg zu ihm gefunden.

Wein für Koffer

Angefangen hat die Sache mit den Koffern, als er 1974 mit seiner Frau Helga in das denkmalgeschützte Haus einzog. „Wir haben davor in einer kleinen Wohnung gewohnt und hatten entsprechend wenig Möbel“, erzählt er. „Die Vorbesitzerin dagegen musste sich verkleinern. Da haben wir gefragt, ob sie uns nicht ein paar Möbel verkaufen will.“ Und darunter waren auch eben jene Koffer, die den Stein ins Rollen brachten.

Besondern einer davon hat es Carl August Witt besonders angetan: ein Schrankkoffer aus den 20er Jahren von Louis Vuitton. „Die Koffer werden noch heute genauso produziert und kosten neu um die 25.000 Euro“, sagt er. Das Innenleben des alten Schätzchens ist faszinierend. Es gibt richtige Schubladen, eine Kleiderstange mit Hosenbügeln, ein Schuhfach und ein herausnehmbares kleines Köfferchen.

Das Haus der Witts ist keinesfalls vollgestellt mit den Koffern. Sie sind Dekorationselemente, die nicht willkürlich umherstehen. Jedes Exemplar hat seinen eigenen ausgewählten Platz. Einen hat der emeritierte Professor für Werkstoffkunde in einen Spirituosenschrank umfunktioniert, auf einem anderen steht das Telefon, und ein Ensemble aus besonders schönen Stücken ist im Flur arrangiert.

Wenn ihm ein Koffer außerordentlich gut gefalle, sei er auch bereit, dafür zu bezahlen. „Aber nicht mehr als ein paar Hundert Euro“, sagt er. Meistens habe er sich mit einem Wein oder etwas anderem für die Gabe bedankt. Viele seien eher froh, dass die Koffer nicht auf ihrem Dachboden verstaubten, sondern sich noch jemand daran erfreue.

Neue Koffer? Uninteressant!

Vor einigen Jahren wollte er dann aber doch einmal wissen, was die einzelnen Stücke so wert sind. Doch eine zufriedenstellende Antwort konnte ihm darauf niemand geben. „Bei vielen lässt sich nicht nachvollziehen, wie alt sie tatsächlich sind“, sagt er. Und so habe er die Frage nicht weiter verfolgt. Nur der Louis-Vuitton-Koffer begegnete ihm einmal zufällig im Internet. „Der hat definitiv einen mehrstelligen Sammlerwert“, sagt Witt.

Alt müssen die Koffer sein und irgendwie besonders, damit sie ihm gefallen. „Neue Koffer sind uninteressant. Sie müssen schon ein bisschen was erlebt haben“, sagt Carl August Witt. Zahlreiche, nur noch bruchstückhaft vorhandene Sticker von Hotels oder Orten verraten, wohin die Koffer mit ihren Besitzern gereist sind. In einem klebt ein alter Zeitungsartikel im Deckel. Ein anderer gehörte wohl mal zu einem Horch-Automobil und wurde damals als Kofferraumersatz hinten auf das Heck geschnallt. Auch besonders leichte Luftschiffkoffer aus Weidengeflecht nennt Carl August Witt sein Eigen.

So wie er möchte auch seine Frau die Koffersammlung nicht als Leidenschaft bezeichnen. „Sonst hätten wir ja vermutlich noch viel mehr“, sagt sie. Die Koffer erinnern sie an eine alte, komfortable Form des Reisens. Damals habe man sein Gepäck eben nicht selbst getragen, wenn man es sich leisten konnte. „Das gibt es heute zwar auch noch, ist aber wenigen vorbehalten“, sagt sie.

Selbst verreisen die Witts nur mit modernen Rollkoffern. „Alles andere wäre schon sehr umständlich und nicht zeitgemäß“, sind sie sich einig. Umso mehr können sie sich dann auf die schönen Exemplare freuen, die zu Hause auf sie warten.

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