Sammel-Serie, Teil 4: Ein Fußballfan, spezialisiert auf Nadeln

Von: Christoph Pauli
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Jörg Crumbach vor seiner Sammlung von Anstecknadeln. Foto: Christoph Pauli
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Ein „Nadelkissen“ der besonderen Art: wie Schmuckstücke sind die Anstecknadeln der Fußballklubs auf einem Samtkissen drapiert. Jörg Crumbach besitzt inzwischen mehr als 10.000 solcher Nadeln von Klubs aus der ganzen Welt. Foto: Christoph Pauli
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Jörg Crumbach zeigt eines seiner „Nadelkissen“.

Aachen. Schade, dass die feine Quizsendung „Der große Preis“ vor 25 Jahren vielleicht voreilig eingestellt wurde. Man kann sich Jörg Crumbach gut in der gläsernen Kugel vorstellen, in der die Kandidaten in der letzten Quizrunde drei Fragen zu ihrem Wissensgebiet beantworten mussten. Crumbach würde nur die Hälfte der erlaubten 60 Sekunden benötigen, dann würde er die Kopfhörer abnehmen und siegessicher den Moderator Wim Thoelke ansehen.

Er würde dabei nicht annährend arrogant, sondern vielleicht etwas aufgeregt wirken, denn Fragen zum Thema „Anstecknadeln von Verbänden und Vereinen“ sind sein Steckenpferd. Er würde bestimmt gerne noch mehr erzählen, wenn nicht dieses Zeitlimit wäre.

Crumbachs Sammelleidenschaft wurde schon vor über 30 Jahren entfacht, als „Der große Preis“ noch monatlich ausgestrahlt wurde. Der Fußballenthusiast steckte eine Ein-Pfund-Note in Briefumschläge und bat die britischen Klubs der 1. und 2. Liga um eine Klubnadel. Englische Vereine waren das erste Sammelgebiet.

Es war der Startschuss, denn neue Kategorien lassen sich unendlich finden. Alleine beim DFB sind fast 30.000 deutsche Klubs gelistet. Später wurden alle englischen Meister- und Pokalsieger angeschrieben, sämtliche Uefa-Cup-Finalisten erhielten Post aus Aachen, ebenso wie die Landes- und Regionalverbände. Die Sammlung wuchs und wächst. Mehr als 10.000 Nadeln hat Crumbach gesammelt, mit einem eigenen kleinen Computerprogramm katalogisiert und alphabetisch einsortiert.

Nicht mehr als 15 Euro

Die Vorgabe: Die Leidenschaft darf nichts kosten. 15 Mark maximal monatlich wollte Crumbach in den Gründungsjahren seiner Sammlung ausgeben, er hat das Limit beibehalten. „Es soll nicht kommerziell werden.“ So manche Gelegenheit hat er so verpasst. Crumbach ist Mitglied in der „Interessengemeinschaft der Sammler von Fußballenblemen in Europa“. In den Quartalszeitungen tauchen viele Angebote auf. Aber Crumbach geht andere Wege bei seinem „Winterhobby“. Er spricht oder schreibt ehemalige Spieler und Schiedsrichter an. Franz-Josef Hontheim zum Beispiel, Bundesliga-Schiedsrichter von 1983, besuchten die Crumbachs in Trier und kehrten reich beschenkt und beglückt zurück.

Crumbach hat viele Rückmeldungen erhalten, und manchmal geben die Schiedsrichter auch Trikots, Autogrammkarten oder Wimpel gleich mit dazu.

Solche Dinge werden fein eingelagert in seinem Haus in Kohlscheid-Rumpen: „Ich kann nichts wegwerfen.“ Und manchmal werden die Devotionalien wieder eingesetzt, um weitere Nadeln zu erwerben. Das ist die Sammel-Währung. Alles, was mit Fußball zu tun hat, weckt seine Leidenschaft. Sein Stammverein ist Germania Süggerath, später spielte er bei Westwacht Aachen, in Merkstein und Rott, bis er früh mit einer Knieverletzung die Schuhe an den Nagel hängen musste.

Mit 28 Jahren wurde er einer der jüngsten Inhaber eines Trainerscheins. Derzeit ist er Assistent bei Thomas Virnich beim Landesligisten Kohlscheider BC. Ab und an kickt der 55-Jährige noch in der Alt-Herren-Mannschaft von Alemannia Aachen. Crumbach ist keiner dieser seelenlosen Ebay-Sammler, die ein kleines Geschäft machen wollen. Der 55-Jährige kann fast zu jedem Wappen ein bisschen aus der Vereinshistorie erzählen.

Im Grunde ist er ein zweibeiniges Fußballlexikon, an dem der Sportfan Wim Thoelke seine helle Freude gehabt hätte. In der Sammlung sind durchaus wertvolle Sammlerstücke, wie zum Beispiel die goldene Nadel, die Schalke 04 bei seiner letzten Meisterschaft 1958 an seine Spieler verteilt hat. Crumbach hat die kleine Trophäe von der Tochter von Meisterspieler Otto Laszig erhalten.

Viele wertvolle Kontakte

Im Laufe der Sammeljahre sind viele wertvolle Kontakte entstanden. Crumbach hat Nationalspieler und Trainer Adi Preisler kennengelernt, später haben die beiden regelmäßig telefoniert. Der Aachener hat Dortmunds Rekordschützen später noch mal in einem Duisburger Altenheim besucht. „Es war überragend, alle fünf Minuten rief ihn jemand aus der Bundesliga an, den ich nur aus der Zeitung kannte.“

Mit Wolfgang Weber hat er sich in Köln getroffen, stundenlang schwelgten sie in Erinnerungen. Jürgen Klinsmann hat er im August 1997 um eine Klubnadel von Samdoria Genua gebeten. Unglücklicherweise wechselte der Nationalspieler ein paar Tage später zu Tottenham Hotspur. Monate später kam Post aus England. Klinsmann hatte die Nadel organisiert und ein paar Autogrammkarten beigelegt.

Crumbach, der im Gebäudemanagement der Stadt Aachen arbeitet, ist nicht nur Fußballhistoriker, sondern auch -romantiker. Er mag diese alten Geschichten und Erinnerungen. Wie er auf den Schultern seines Vaters erstmals die alte Schalker Glückauf-Kampfbahn betrat, als er in den Schulferien bei der Tante jede Minute auf dem Trainingsplatz des Bundesligisten verbrachte. Neulich zum Geburtstag hat ihn seine Frau Tanja überrascht. Sie hatte einen Wohnwagen an der alten Kampfbahn geparkt, damit er dort die Nacht verbringen konnte. Er ist bekennender Schalke-Fan und Dauerkarteninhaber, und auch zu dem Fachgebiet könnte er viel beitragen. Wirklich schade, dass „Der große Preis“ eingestellt wurde.

Übrigens: Jörg Crumbach freut sich über Kontakte mit Leuten, die seine Leidenschaft teilen: j.crumbach@hotmail, 02407/189002.

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