Sammel-Serie, Teil 3: Wetterstationen in allen Formen und Größen

Von: Katharina Menne
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300 Barometer hängen im Schlafzimmer von Laurenz Lindlar – seiner „Schatzkammer“. Dort ist kein Quadratzentimeter Wand mehr frei. Foto: Katharina Menne

Düren. Manche sind rund, manche sind eckig. Einige sind mit Perlmutt verziert, andere tragen ein Geweih. Es gibt sie als Häuschen, im kompakten Reiseformat oder knapp einen Meter lang. Die Rede ist von Wetterstationen. Seit über 30 Jahren sammelt Laurenz Lindlar Barometer in allen Formen und Größen. Sie hängen im Flur, in der Küche, im Wohnzimmer, im Schlafzimmer – nur das Badezimmer ist barometerfreie Zone.

„Ursprünglich wollte ich einfach nur wissen, wie viele verschiedene Barometer es gibt“, sagt der 74-Jährige. Denn das Wetter interessiert ihn eigentlich gar nicht so sehr. Viele der Geräte sind nicht geeicht, manche funktionieren nicht mal. „Aber wenn ich irgendwo eins sehe, das ich noch nicht habe, kann ich nicht widerstehen – ziemlich bekloppt, oder?“

Das erste Barometer, das seine Sammlerleidenschaft weckte, hat einer seiner beiden Söhne als Kind auf dem Sperrmüll gefunden. Die Scheibe war gesprungen. Doch Laurenz Lindlar sah etwas in dem Luftdruckmessgerät, das ihn dazu veranlasste, die Scheibe zu reparieren und es an die Wand zu hängen. „Es gefiel mir einfach.“ Doch dabei blieb es nicht. „Mittlerweile ist es vor allem das Gefühl des Haben-Wollens, das mich weiter antreibt.“

Unter den Schmuckstücken sind Messgeräte aus Finnland, Norwegen, Schweden oder Russland. Manche sind aus Messing oder Kupfer und wiegen mehrere Kilogramm. Andere sind detailreich ausgearbeitet und mit kleinen beweglichen Figürchen bestückt. Es gibt auch welche, die in ihrem früheren Leben zur Innenausstattung von Schiffen oder Flugzeugen gehörten.

Die Vielfalt der Barometer überwältigt ihn noch immer. „Ich habe zwar manche doppelt, aber das ist eher die Ausnahme.“ 3046 Stück waren es bei der letzten Zählung. Alle fotografisch dokumentiert und abgespeichert auf dem Computer. In der Zwischenzeit könnten schon wieder welche dazugekommen sein. Denn der Rentner aus Düren-Merken lässt keinen Flohmarkt in der Umgebung aus. Seine neueste Errungenschaft ist ein Wetterhäuschen mit indirekter Beleuchtung – für zehn Euro bei Ebay ersteigert. „So eins hatte ich vorher noch nicht“, sagt er.

Früher war auch seine Frau Otti auf den Flohmärkten mit dabei. Doch die 75-Jährige sitzt mittlerweile im Rollstuhl. Sie schüttelt fassungslos den Kopf, wenn ihr Mann wieder vollbepackt mit Fundstücken nach Hause kommt. „Manchmal hab' ich richtig Wut“, sagt sie. „Es ist wirklich wie eine Sucht.“ Doch andererseits habe eine solche Leidenschaft auch Vorteile: „Er trinkt nicht, er geht nicht mit anderen Frauen weg – eigentlich müsste ich froh darüber sein.“

Und so erträgt sie es mit stoischer Gelassenheit, wenn ihr Mann ab und zu die magische 100-Euro-Grenze übertritt. Doch das müsse schon ein ganz besonderes Exemplar sein, versichert er. Zum Beispiel das aus England von 1810. „Das ist das älteste, das ich besitze. Es hat sogar ein Echtheitszertifikat.“ Es schlug mit 110 Euro zu Buche – für das Alter ein echtes Schnäppchen.

Zusammen mit rund 300 anderen Exemplaren hängt es in seinem Schlafzimmer – seiner „Schatzkammer“, wie er sagt. Dort ist kein Quadratzentimeter Wand mehr frei. Ein paar wenige gerahmte Fotos und Gemälde durften bleiben, sie waren schließlich „zuerst da“. Selbst der Tisch steht voll. Und was einem neuen, schöneren Barometer weichen muss, wandert ins „Depot“ auf den Speicher. Dort stehen weitere 70 Kisten.

Die Idee, ihnen einen Raum oder ein Museum zu widmen, hat er mittlerweile verworfen. Nicht praktikabel, geschweige denn finanzierbar. „Ich habe sie mal dem Wettermuseum in Berlin angeboten“, sagt er. Aber das habe dann doch nicht geklappt. Am liebsten würde er sich mal mit jemandem über sein Hobby austauschen. „Aber ich habe noch nie von jemandem gehört, der Wetterstationen sammelt, vielleicht bin ich ja tatsächlich der Einzige auf der Welt, der so verrückt ist?“

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