Salz bis zur Decke: Besuch in der Straßenmeisterei

Von: Peter Stollenwerk
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Sie sorgen mit anderen dafür, dass die Straßen befahrbar bleiben: Bruno Alzer, Michael Wollgarten und Dirk Brandenburg (von links) im Salzlager der Straßenmeisterei Simmerath. Foto: Peter Stollenwerk
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Betriebsdienstleiter der Straßenmeisterei Simmerath mit Sitz im Gewerbegebiet Rollesbroich: Bruno Alzer.
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Mit einem Schlauch: Im Salzlager wird ein Streuaufsatz des Winterdienstes aufgefüllt.

Region. Bruno Alzer gerät ins Schwärmen, wenn er an die Eifelwinter früherer Zeiten zurückdenkt. „Da lagen jeden Morgen zehn Zentimeter Schnee.“ Und wenn es ganz dick kam, dann nahm das Räumfahrzeug auch schon mal ein Paket Tageszeitungen mit, um es in Widdau punktgenau für den Boten zu platzieren, und ersparte damit dem Lieferanten die halsbrecherische Fahrt ins Rurtal.

Im Gegenzug konnte der aus Aachen kommende Zeitungslieferant dem Bereitschaftsdienst dann taufrisch erzählen, wie er die Schneelage auf den Straßen einschätzte. „Das waren noch Zeiten“, erinnert sich der Betriebsdienstleiter der Straßenmeisterei Simmerath, die ihren Sitz im Gewerbegebiet Rollesbroich in der Gemeinde Simmerath hat, mit ein wenig Wehmut zurück an jene Jahre am einstigen Standort Monschau, als der Winter noch eine verlässliche Größe war.

Kompletter Einsatzplan

Heute muss alles seine Ordnung haben: Spätestens in der 42. Kalenderwoche legt Bruno Alzer seinem Arbeitgeber, dem Landesbetrieb Straßenbau NRW, einen kompletten Einsatzplan für den anstehenden Winter vor, was Personal- und Fahrzeugbedarf betrifft. „Wir planen selbstverständlich auf das Maximum“, sagt Alzer.

Auch wenn die Winter in der Tendenz der zurückliegenden 15 Jahre milder geworden sind, möchte sich niemand auf sein Wettergefühl verlassen. Im Winter 2014/15 ist das Team der Straßenmeisterei Simmerath noch nicht wirklich hart gefordert worden.

„Wir sind noch lange nicht am Limit. Das waren bisher doch nur Probefahrten“, lacht Bruno Alzer, nachdem die erste Hälfte des Winters locker gemeistert wurde. Auf der sicheren Seite aber fühlt man sich noch lange nicht. Für diese und nächste Woche hat Bruno Alzer jeweils noch einmal 500 Tonnen Streusalz vom Niederrhein geordert, denn auch beim Streusalz gilt: Wer zuerst bestellt, der wird auch zuerst beliefert.

1500 Tonnen sind bisher auf den Bundes- und Landesstraßen im von der Straßenmeisterei Simmerath zu betreuenden Dreieck Düren/Monschau/Aachen verteilt worden. Am Ende des Winters könnten es vielleicht insgesamt 3000 Tonnen sein. Allein am vergangenen Samstag, als ein kleiner Wintereinbruch in der Region den Winterdienst stark beanspruchte, wurden 70 Tonnen Salz gestreut.

Wann aber wird überhaupt geräumt oder gestreut? „Wenn in der Nacht zehn Zentimeter Schnee fallen, dann kann das jeder leicht entscheiden“, sagt Einsatzleiter Dirk Brandenburg, aber die Wetterlage ist selten so eindeutig, wenn sich die beiden Leute des Bereitschaftsdienstes in den Wintermonaten fast jede Nacht um 2.30 Uhr im Betriebsgebäude in Rollesbroich treffen und abschätzen, was zu tun ist.

„Ein Risiko gehen wir nicht ein. Wir fahren lieber einmal zu viel“, betont Straßenwärter Michael Wollgarten. Dass die Autofahrer mitunter verständnislos gucken, wenn um sieben Uhr morgens bei zwei Grad plus die Streufahrzeuge im Einsatz sind, ertragen die Straßenwärter gelassen, „aber um drei Uhr nachts sieht die Welt oft noch anders aus, und zu diesem Zeitpunkt müssen wir entscheiden“, argumentiert Dirk Brandenburg.

Ob ein Bereitschaftsdienst gestellt wird, entscheidet Bruno Alzer im Laufe des Tages. Die wichtigste Hilfe dabei sind ihm die im Drei-Stunden-Rhythmus aktualisierten Daten des Deutschen Wetterdienstes, der ein eigenes Straßenwetter-Informationssystem unterhält. Den Brücken und Höhenlagen wie auch der zu erwartenden Bewölkung gilt besondere Aufmerksamkeit.

Wenn der Wetterdienst für die Nordeifel am Nachmittag drei Grad plus mit Tendenz gegen Null meldet, dann führt für den Betriebsdienstleiter kein Weg am Bereitschaftsdienst vorbei. Wenn sich die beiden Mitarbeiter dann zu nachtschlafender Stunde einfinden und feststellen, dass Winterdienst angesagt ist, beordern sie die Kollegen zu den Fahrzeugen.

Die Devise lautet, „eine Entscheidung zugunsten der Verkehrsteilnehmer und nicht der Finanzen zu treffen“, unterstreicht Bruno Alzer, auch wenn ein Streudurchgang mit insgesamt 1500 Euro zu Buche schlägt. Alzer sieht seinen Betrieb vor allem als Dienstleister: „Wenn andere Leute zur Arbeit fahren, müssen wir fertig sein“, bekräftigt er das oberste Ziel seines Teams, auch wenn er es nicht allen recht machen kann.

Trotz des streng geregelten Bereitschaftsdienstes kann die Straßenmeisterei auf die Erfahrung der Straßenwärter nicht verzichten, denn oft sind es die leise schleichenden Wetterwechsel und nicht die von Wetterpropheten vorab inszenierten Horrorszenarien, die Probleme bereiten.

„Die Fahrer wissen in der Regel, wo der größte Bedarf herrscht“, kann sich Bruno Alzer auf seine eingespielte Mannschaft verlassen. Bei 400 Meter ist die Wettergrenze. Bei Kilometer 2,0 auf der Hahner Straße, in Höhe Drei-Kaiser-Eichen zwischen Raffelsbrand und Zweifall oder auch im Wald zwischen Schmidt und Brück geht der Schnee normalerweise in Regen über. „Da heißt es dann: Pflug hoch und Salz dosieren.“

Schnee und Glatteis gehören in diesen Monaten zum Alltagsgeschäft der Straßenwärter. Nur eines mögen sie nicht: Wenn sie gerade eine anstrengende Nachtschicht beendet haben, sich zu Hause ausruhen wollen und genau dann heftiger Schneefall einsetzt, so dass umgehend alle wieder an Start gerufen werden.

Dann kann auch Bruno Alzer dem Schnee keine romantische Note mehr abgewinnen, die er in früherer Zeit als Fahrer im Räumfahrzeug so sehr geschätzt hat: „Wenn man nachts unterwegs ist und der Schnee jeglichen Schall schluckt, dann herrscht eine einzigartige Ruhe.“

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