Mönchengladbach/Düsseldorf - Salafistenverein in Mönchengladbach löst sich auf

Salafistenverein in Mönchengladbach löst sich auf

Von: red
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Mönchengladbach/Düsseldorf. Der salafistische Verein „Einladung zum Paradies” (EZP) in Mönchengladbach will sich auflösen. Dies kündigte deren Vorsitzender Sven Lau in einer Videobotschaft im Internet an.

Seine Gruppe sei auf „ekelhafte und hinterlistige Weise” aus Mönchengladbach vertrieben worden. „Vielleicht sieht man sich in Dormagen wieder”, orakelte Lau anlässlich des angeblich letzten Freitagsgebets in der Stadt. Er machte aber deutlich, dass man weiter predigen wolle. Vielleicht werde irgendwann unter einem anderen Namen ein neuer Verein gegründet. „Die Vorermittlungen für ein Verbotsverfahren zeigen anscheinend Wirkung”, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) unserer Zeitung. Er fügte hinzu: „Wir nehmen die von den Salafisten ausgehende Gefahr sehr ernst. Die Sicherheitsbehörden in NRW werden die Salafisten weiter im Visier behalten.”

„Das sind Überzeugungstäter”

Dabei spiele es keine Rolle, ob sie sich wie bisher in Mönchengladbach in einem Verein organisieren oder ihn wie angekündigt auflösen. Jäger: „Sobald sich die Anhänger des politischen Salafismus betätigen, werden sie vom Verfassungsschutz beobachtet und die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen.”

Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte unserer Zeitung: „Das sind Überzeugungstäter. Von Entwarnung kann keine Rede sein.” Der Staat müsse deshalb weiterhin „sehr wachsam” sein. Bosbach mutmaßt, dass der Verein mit seiner Auflösung einem Verbot habe zuvorkommen wollen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte erst unlängst beim Präventionsgipfel deutlich gemacht, welche Gefahr von salafistischen Vereinen und Netzwerken ausgehe: „Salafisten verstehen die islamische Religion als Ideologie, Ordnungs- und Herrschaftssystem und damit als unvereinbaren Gegensatz zur parlamentarischen Demokratie.”

NRW-Innenminister Jäger sagte, es bereite ihm große Sorgen, dass die Salafisten bewusst junge Menschen erreichen wollten und ihnen dies auch gelinge. Die Salafisten seien mit ihrer „Steinzeit-Version des Islam” die am stärksten wachsende islamistische Gruppierung in Deutschland.

Vereinsvermögen retten?

In Mönchengladbach hieß es, dass EZP dem Makel des Verbots entgehen wollte: „Jetzt kann das Vereinsvermögen auf andere Gruppen verteilt werden. Das wäre im Fall eines Verbots nicht möglich gewesen.”

Am 30. Juni endet für EZP die auf drei Jahre befristete Gemeinnützigkeit, die das Finanzamt Braunschweig zugestanden hatte.
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