Aachen - Sahra Wagenknecht: Von der Prinzessin zur Ritterin?

Sahra Wagenknecht: Von der Prinzessin zur Ritterin?

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
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Bekam dann doch Applaus. Ein wenig: Sahra Wagenknecht als Prinzessin Leia. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Bei der wollten wir partout nicht klatschen“, erzählen sich zwei Damen, während sie in schicker Abendgarderobe an der Toilettenschlange im Eurogress anstehen. Das sei Konsens am Tisch gewesen. Von wem die Damen sprechen? Sahra Wagenkencht, die wahrlich nicht die Lieblingspolitikerin des konservativen Publikums sein dürfte.

Umso bitterer, dass ausgerechnet Wagenknecht die Festsitzung eröffnen musste. Direkt zugesagt hat die Linke-Politikerin dem AKV deshalb auch nicht, besonders nachdem sie gehört hatte, dass Redner auch gern mal ausgepfiffen werden. „Man will ja nicht vor dem Saal wegsterben“, sagte sie unserer Zeitung nach dem Auftritt, der in dem Reigen der mittelmäßigen (Julia Klöckner) bis miesen (Bettina Böttinger) Auftritte nicht weiter auffiel.

Für eine „passive“ Jecke, wie sich Wagenknecht selbst nennt, die lieber Kant liest als Karneval feiert, ist das vielleicht schon das höchste der Gefühle. In der DDR habe es eben keinen Karneval gegeben.

Mit der Rolle als Prinzessin Leia aus „Star Wars“ wollte sie das Eis brechen. „Das war auch bitter nötig.“ Außerdem will jede Frau Prinzessin sein, sogar die toughe Linke-Politikerin. „Ich kann mich mit Leia identifizieren“. Im Saal kommt das nicht so an. „Mir war klar, dass das kein Heimspiel für mich wird, aber ich möchte mit allen Menschen ins Gespräch kommen und sie für mich gewinnen“, sagte Wagenknecht später über das reservierte Aachener Publikum.

EU-Bürokratie, Freihandelsabkommen, NSA, all das kritisiert die Linke, eine Spur zu ernst. Die Gags („Draghicula“) wollen nicht richtig zünden. Man muss dazu sagen, dass Ingo Appelt zumindest bei der geheimen Jury auf der Damentoilette einhellig als Höhepunkt angesehen wird.

Wagenknechts bester Gag: „Der Bundestag ist wie Roulette im Kasino. Du kannst auf schwarz oder auf rot setzen, am Ende gewinnt doch die Bank.“ Applaus, Gelächter, Tusch. Noch mehr Beifall gibt es für Prinzessin Leia nur, als sie selbstironisch anmerkt, dass „der ein oder andere im Saal sie lieber in einer anderen Galaxie sähe“.

Wohl wahr. Den Gefallen möchte sie aber keinem tun – im Gegenteil. „Auch wenn ich mich natürlich nicht selbst einladen möchte, will ich gerne wiederkommen.“ Einen passenden Einlass wüsste sie auch schon: „Es ist ein großer Mangel, dass noch nie ein Linker den Orden bekommen hat“, schickt sie ihre Bewerbung Richtung AKV.

Besonders lustig war Wagenknecht nicht, aber – und das ist nicht die Meinung der Damentoiletten-Jury, sondern vom Verhalten der Herren abgeleitet: Gäbe es einen Preis für die schönste Frau auf der Bühne, ginge er an Wagenknecht. Den Gag, dass 90 Prozent der Männer mit ihr ins Bett wollten, aber nur zehn Prozent ihr das Land anvertrauen würden, kontert sie: „Ich weiß nicht, ob es andersherum besser wäre.“ Alaaf.

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