Sabotageakt: Brandstiftung legt Tagebau Hambach lahm

Von: Jörg Abels und Patrick Nowicki
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Die elektrische Lebensader des Tagebaus wurde bei dem Brand auf einer Länge von mehreren Metern komplett zerstört. Foto: RWE
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Die elektrische Lebensader des Tagebaus wurde bei dem Brand auf einer Länge von mehreren Metern komplett zerstört. Foto: RWE

Niederzier. Mit einem in dieser Form bislang einmaligen Sabotage-Akt haben Braunkohlegegner in der Nacht zum Sonntag den Tagebau Hambach lahmgelegt. Nach einem Feuer an der Energie-Haupteinspeisung des Tagebaus in Höhe des Kohlebunkers bei Ellen (Gemeinde Niederzier) ging nicht nur an den mächtigen Schaufelradbaggern und Absetzern buchstäblich das Licht aus.

Gegen 3.35 Uhr stand der komplette Tagebau still, wie am Montag bekannt wurde.

Unbekannte hatten unterhalb einer Kabelbrücke mit mehr als 50 armdicken 30.000-Volt-Leitungen Feuer gelegt. In der Hitze schmolz die Ummantelung der Kabel und sorgte für einen Kurzschluss. Der Brand konnte von der Werksfeuerwehr des Tagebau Hambachs zwar relativ schnell gelöscht werden, sodass keine weiteren Betriebsanlagen in Mitleidenschaft gezogen wurden, die elektrische Lebensader des Tagebaus aber wurde auf einer Länge von mehreren Metern komplett zerstört.

Seit Sonntag sind RWE-Mitarbeiter bemüht, die Stromversorgung Stück für Stück wiederherzustellen. „Den Hauptkohlebagger konnten wir bereits am Sonntagnachmittag wieder in Betrieb nehmen“, sagte RWE-Sprecher Guido Steffen, bis Montagabend sollten drei der acht Gerätegruppen, bestehend je aus einem Schaufelradbagger und einem Absetzer, wieder an Netz gehen. Bis der Tagebaubetrieb wieder normal läuft, werde jedoch noch einige Zeit vergehen.

Das Problem: Aufgrund des plötzlichen Spannungsabfalls kann es auch zu Schäden an den Großgeräten gekommen sein. Alle elektrischen Anlagen müssten deshalb aufwendig überprüft werden, betonte Steffen. Zur genauen Höhe des entstandenen Schaden konnte das Unternehmen am Montag noch keine Angaben machen. Er dürfte sich aber auf mehrere Zehntausend Euro belaufen. RWE verurteilte den Angriff auf die Infrastruktur des Tagebaus Hambach scharf. „Wer Feuer an Stromleitungen legt, gefährdet nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das anderer“, erklärte Guido Steffen.

Während RWE wieder einmal Strafanzeige gestellt hat, haben sich im Internet auf der Seite einer linksautonomen Gruppierung wie schon vor zwei Wochen beim Versuch am Tagebau Inden, einen Strommast zu fällen, Unbekannte unter dem Verfassernamen „Ortsverband Bündnis90/die Grünen Kreis Düren“ zu dem Sabotage-Anschlag bekannt und zu weiteren Blockaden von Baggern und Förderbändern aufgerufen.

Astrid Hohn, Sprecherin der Grünen im Kreis Düren reagierte geschockt auf die Nachricht, dass der Name des Kreisverbands missbraucht wurde. Sie stellte am Montag ihrerseits Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei. „Wir sind zwar für den Ausstieg aus der Braunkohle, verurteilen aber jede Form von Gewalt“, betonte Hohn auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich kenne niemanden aus dem Umfeld der Dürener Grünen, die eine solche Aktion gutheißen oder selbst durchführen würde.“

In den vergangenen Monaten waren Anlagen von RWE immer wieder Ziel von Angriffen gewesen. Anfang des Jahres kam es laut RWE zu mehr als 50 Straftaten. Anschließend ebbte die Welle jedoch ab, erreichte aber vor zwei Wochen eine neue Eskalationsstufe: Ein Unbekannter schnitt einen Strommast an, rühmte sich anschließend im Internet der Tat und rief zum Widerstand auf. Der Unbekannte rechtfertigte seine Tat mit den Worten: „Ich war mir der Risiken für mich bewusst, halte es aber für nötig, zu drastischen Mitteln zu greifen im Kampf für eine bessere Welt.“ Auf der gleichen Internetseite, die dem linksradikalen Spektrum zugeordnet wird, schrieben nun die mutmaßlichen Brandstifter vom Wochenende über ihre Tat.

Die Staatsanwaltschaft Aachen geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. „Das Ausmaß und die äußeren Umstände lassen keine anderen Rückschlüsse zu“, sagt Sprecherin Katja Schlenkermann-Pitts. Bei einem Fall von Brandstiftung drohen bis zu zehn Jahren Haft. Sollten Menschenleben bedroht gewesen sein, kann man auch wegen schwerer Brandstiftung mit bis zu 15 Jahren Haft verurteilt werden.

Wie in Inden wurde auch diesmal der Staatsschutz eingeschaltet. Eine Gruppe mit Ermittlern aus den Polizeipräsidien Aachen, Düren und Köln (für den Rhein-Erft-Kreis) sucht nach den Tätern. Derzeit liegen keine Erkenntnisse vor, ob es sich um einen oder eine Tätergruppe handelt. Es gibt auch keine Belege dafür, dass die Täter von Inden und die Täter von Hambach identisch sind.

RWE will noch nichts zu Konsequenzen nach dem erneuten Sabotage-Akt am Tagebau Hambach mitteilen. „Wir sind im Moment damit beschäftigt, dass der Tagebau Hambach voll in Betrieb geht“, sagt Guido Steffen. Dies habe in der aktuellen Situation Vorrang. Der Tagebau beliefert die Kraftwerke Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem mit Braunkohle. Die Stromproduktion sei laut Steffen zu keiner Zeit gefährdet gewesen. Selbst wenn der Tagebau Hambach länger ausgefallen wäre, gebe es ausreichende Mechanismen, die Energieversorgung zu sichern.

Nicht nur die Gegner der Braunkohleverstromung machen mit Aktionen auf sich aufmerksam: Am vorigen Samstag fand eine Kundgebung der Initiative „Unser Revier – unsere Zukunft“ in Elsdorf statt. Zudem hat sich die „Initiative Friedensplan“ gegründet, die den Konflikt zwischen Braunkohlegegnern und Unternehmen beilegen will.

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