Maastricht/Aachen - Ryanair rechnet mit zwei Millionen Passagieren

Ryanair rechnet mit zwei Millionen Passagieren

Von: Berthold Strauch
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Hat das sogenannte Billigfliegen in Europa etabliert: Ryanair-Chef Michael O‘Leary. Foto: Berthold Strauch

Maastricht/Aachen. Den Namen der Stadt spricht Michael O‘Leary akzent- und fehlerfrei aus. Dabei ist der Ire noch nie in Aachen gewesen. Dennoch ist die Kaiserstadt sozusagen Geschäftspartner seiner hoch profitablen Fluggesellschaft. Denn der Chef der in Irlands Hauptstadt Dublin ansässigen Ryanair ist zu einem wichtigen Partner des Maastricht Aachen Airports (MAA) aufgestiegen.

Auf dem MAA, dem „Haus-Flughafen“ der Euregio, ließ O‘Leary am 12. Dezember 2012 seine erste niederländische Basis eröffnen, wo ständig eine Maschine samt Crew stationiert ist. Und dieses Engagement besitze ein enormes Wachstumspotenzial, ist der 51-jährige Unternehmer felsenfest überzeugt. Schon in wenigen Jahren sollen dort zwei Millionen Passagiere abgefertigt werden – fast achtmal so viele wie im vergangenen Jahr, sagte O‘Leary im Interview mit unserer Zeitung.

 

Mr. O‘Leary, war Ihr Flug heute pünktlich?

O’Leary: Ich bin aus Paris-Beauvais gekommen, auf einem außerplanmäßigen Flug. Nur mein PR-Team und ich waren an Bord, weil es sonst nicht möglich wäre, morgens aus Marseille nach Paris und dann nach Maastricht und später am Abend wieder nach Dublin zu fliegen. Ja, der Flug war pünktlich.

 

Ist Ryanair wegen seiner 1500 Starts und Landungen täglich mitverantwortlich für den Klimawandel?

O’Leary: Der kanadische Luftfahrt-Dienstleister Brighter Planet hat in seinem Report 2011 bestätigt, dass Ryanair den wenigsten CO2-Ausstoß hat im Vergleich zu Lufthansa oder SAS, welche als größte Umweltverschmutzer gelten. Unsere Flotte hat ein Durchschnittsalter von vier Jahren, was weit unter dem Flottenalter von anderen Fluggesellschaften liegt.

 

Ist Billigfliegen angesichts der damit verbundenen Umweltbelastungen heute noch zeitgemäß?

O’Leary: Ryanair gehört zu den grünsten und saubersten Airlines und hat den geringsten CO2-Ausstoß in der Industrie. Umweltbelastung und Billigfliegen gleichzusetzen, ist grundlegend falsch, da wir eine der jüngsten Flotten Europas nachweisen können. Insgesamt kann die Luftfahrtindustrie nur für drei Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich gemacht werden. Dies ist weitaus weniger als die Motor- oder Schifffahrtsindustrie.

 

Kennen Sie Aachen?

O’Leary: Eigentlich kenne ich es nicht, nur das große Reitturnier, das hier immer stattfindet, da ich ein sehr begeisterter Pferdesportfan bin.

 

Wie viele Passagiere hatte Ryanair in Deutschland im vergangenen Jahr?

O’Leary: 8,25 Millionen; und in diesem Jahr werden es neun Millionen sein.

 

Wie viele Ryanair-Basen gibt es in Deutschland?

O’Leary: Vier: Frankfurt-Hahn, Düsseldorf-Weeze, Karlsruhe/Baden-Baden und Bremen. Insgesamt haben wir zwölf Flughäfen in Deutschland.

 

Sind sie der Pionier der Billigflieger?

O’Leary: Eigentlich ist Southwest in Amerika der Pionier, ich bin eher der Pionier in Europa und kopiere nur etwas, was in den USA sehr erfolgreich war. Den Hut kann ich mir nicht aufsetzen und mir die ganze Sache nicht zugute halten. Aber sicherlich war Ryanair der Vorreiter in Europa.

 

Sie haben sicherlich von den Umstrukturierungsplänen von Ger-manwings gehört, ist das eine Bedrohung für Sie?

O’Leary: Nein, ich denke, dass es ein sehr guter Plan von Germanwings ist. Es ist ein weiterer Plan der Lufthansa, alle ihre Kurzstrecken in einem günstigeren Betrieb zu vereinen. Ich denke, es ist ein sinnvoller Plan. Es geht eher in die Richtung, sich direkt mit Air Berlin zu messen als mit Ryanair. In allen Märkten, in denen Ryanair mit Germanwings konkurriert, liegen die Ryanair-Ticketpreise deutlich unter denen von Germanwings, und wir transportieren auch mehr Passagiere. Der neue Slogan der Germanwings allerdings bringt mich immer noch zum Lachen: „Günstig, aber nicht billig.“ Wer denkt sich denn so etwas aus?

 

Die Probleme in Spanien, wo an einem Tag drei Ryanair-Maschinen wegen Spritmangels notlanden mussten, haben sich geklärt?

O’Leary: Der offizielle Report bestätigt, dass die Piloten zusätzlichen Kraftstoff getankt hatten und dass sie gemäß den Sicherheitsbestimmungen gehandelt haben. Die irischen und spanischen Behörden bestätigen dies und heben zudem hervor, dass Ryanair zu den sichersten Airlines Europas gehört, nicht im Durchschnitt, nicht unter dem Durchschnitt, sondern zu den sichersten.

 

Sind Sie selbst auch Pilot?

O’Leary: Nein, ich bin kein Pilot und habe auch kein Verlangen, einer zu werden. Ich habe auch noch nie selbst ein Flugzeug geflogen. Ich wollte nie Pilot sein. Aber eigentlich wollte ich immer Fußballspieler bei Manchester City werden, aber ich war nicht gut genug. Also bin ich Steuerfachmann geworden.

 

Warum haben Sie den Maastricht Aachen Airport zu Ihrer Basis gemacht?

O’Leary: Zwischen Maastricht und Aachen gibt es eine große Bevölkerung, und es ist eine sehr wohlhabende Region. Das Managementteam und Ryanair arbeiten sehr gut zusammen, und wir sind sehr beeindruckt von den Wachstumszielen, die sich das Management gesetzt hat, nicht nur was die Passagierzahlen angeht, sondern auch in Bezug auf Luftfracht.

 

Wie sieht Ihr Plan für Maastricht-Aachen aus?

O’Leary: Ein Flugzeug und 500 000 Passagiere in diesem Jahr, zwei Flugzeuge und eine Million Passagiere in 2014 und über die nächsten Jahre drei bis fünf Flugzeuge und zwei Millionen Passagiere. Dann hat der Flughafen eine beträchtliche Industrie.

 

Kommen viele Passagiere aus Deutschland?

O’Leary: Ja, sie kommen viel über die Grenzen, da sie hier zum Beispiel auch günstiger parken können. 40 Prozent kommen aus den Niederlanden, 30 Prozent aus Belgien, 20 Prozent aus Deutschland.

 

Sie erwarten in Maastricht dieses Jahr 500 Mitarbeiter. Wie viele sollen es bei einer Million Passagieren, bei zwei Millionen sein?

O’Leary: Wir werden in Maastricht 500 000 Passagiere in 2013 transportieren, nachdem es 2012 noch 270 000 waren. Nach der Berechnung des Airport Council International, des Dachverbands der Flughafenbetreiber, erhalten eine Million Passagiere 1000 Jobs in der Industrie. Das sind nicht nur Ryanair-Mitarbeiter, sondern auch Flughafen-Angestellte sowie Jobs bei Dienstleistern wie Busfahrer und Hotelfachleute.

 

Wie bewerten Sie die neue Fluggesellschaft Maastricht Airlines, ist das ein Konkurrent?

O’Leary: Nein, denke ich nicht. Es werden mehr Strecken angeboten, und mehr Fluggesellschaften kommen. Das ist gut für den Flughafen. Wir sehen gerne mehr Fluggesellschaften in Maastricht, wir wollen nicht die einzigen sein. Was Maastricht hilft, hilft auch uns. Wir waren die ersten in Brüssel-Charleroi und Paris-Beauvais-Tillé, andere Fluggesellschaften kamen nach. Das ist gut für die Flughäfen. Die fliegen nach Amsterdam, Berlin und München. Wir haben nicht geplant, dorthin zu fliegen. Darum stehen wir nicht in direkter Konkurrenz. Ich hoffe, sie machen einen guten Job.

 

Werden die Ticketpreise in nächster Zeit steigen?

O’Leary: Nein, sie werden eher noch günstiger. Mit einem Flugzeug wachsen wir im Verkehr und haben so mehr Sitzplatzkapazitäten. Dadurch wird es günstiger, die Preise können in den nächsten zwei bis drei Jahren sinken.

 

Wie viel günstiger wird es?

O’Leary: Das kommt darauf an. Es muss eine Balance zwischen der wachsenden Kapazität und der Nachfrage vorhanden sein.

 

All Ihre Flugzeuge sind bisher von Boeing. Sie sollen bereits in Verhandlungen mit China sein?

O’Leary: Ja, wir sprechen mit den Chinesen, aber sie werden wohl kein Verkehrsflugzeug vor 2020 fertigstellen. Wenn wir mehr Flugzeuge ordern sollten, dann wird es wohl wieder Boeing werden. Wir sind sehr daran interessiert, die Chinesen zu ermutigen, die Comac C919 zu produzieren. Wenn sie anfangen sollten, in ernsthaften Größen auszuliefern bis 2018, 2019 oder 2020, dann würden für die nächste Runde der Bestellungen drei Hersteller miteinander konkurrieren, und mehr Flugzeuge wären verfügbar. Fluggesellschaften könnten einen besseren Deal beim Kauf der Flugzeuge machen. Dies wollen wir anregen.

 

Die deutsche Flugsicherung untersucht, ob Ryanair das Startgewicht seiner Maschinen zu niedrig angegeben und damit angeblich Einsparungen von 50 Millionen Euro erzielt hat. Stimmt der Vorwurf?

O’Leary: Jedes unserer Flugzeuge ist zertifiziert von der irischen Luftsicherheit. Das Flugzeuggewicht ist in schwer, mittel und leicht unterteilt. Wir haben keine Sicherheitsregeln gebrochen. Die Behauptung der Lufthansa, die bereits im September geltend gemacht wurde, wurde von der irischen Luftfahrtbehörde untersucht, und die Vorwürfe haben sich als nicht wahr bestätigt. Wahr ist, dass ihre Aufseher das Ladegewicht überprüfen.

 

Wie ernst meinen Sie Ihre Hinweise, demnächst den Toilettenbesuch kostenpflichtig zu machen? Wann ist damit zu rechnen?

O’Leary: Dies ist eine Idee, die wir bei Ryanair noch weiterhin verfolgen. Die Idee dahinter ist, zwei der drei Bordtoiletten auszubauen und mehr Sitzplätze anzubieten. Dies wiederum drückt die Gesamtsitzkosten der Passagiere nach unten und erlaubt es uns, Tickets noch günstiger anzubieten. Wir verfolgen diese sowie weitere Ideen weiterhin und sind der Hoffnung, dies auch in den kommenden Jahren umsetzen zu können.

 

Es war zu lesen, dass Sie Ihren Job aufgeben möchten. Stimmt das?

O’Leary: Ich sage seit 15 Jahren, dass ich in zwei oder drei Jahren aufhören möchte. Also ich würde nicht darauf wetten. Es gibt gerade viel zu viele spannende Sachen bei Ryanair, um jetzt zu gehen.

 

Also geht es bei Ihnen nicht ohne Ryanair?

O’Leary: Es ist nicht so, dass ich ohne Ryanair nicht leben kann, aber ich habe vier Kinder unter sieben Jahren, also kann ich auch nicht zu Hause bleiben. Ich muss irgendwo hingehen, um ein bisschen Ruhe und Frieden zu haben. Und Ryanair gibt mir die ganze Ruhe und den Frieden, den ich nicht zu Hause habe.

 

Ihnen wird nachgesagt, Sie seien ein Clown. Wie viel des echten Michael O’Leary steckt dahinter? Oder ist das nur eine Rolle, um in den Schlagzeilen zu punkten?

O’Leary: Ich bin in Wahrheit ein ganz besonnener, ruhiger und ausgeglichener irischer Farmer. Das Clownhafte ist alles nur Show.

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