Aachen - RWTH-Studenten suchen eine Alternative für giftige Chemikalien

RWTH-Studenten suchen eine Alternative für giftige Chemikalien

Von: Jessica Küppers
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Biotechnologiestudentin Svenja Meyer aus Aachen nimmt für die RWTH Aachen an einem Wissenschaftswettbewerb in Boston teil. Foto: Küppers

Aachen. Spülmittel, Toilettenreiniger, Waschmittel – alle diese Produkte enthalten Chemikalien, aber sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für einige dieser Mittel gibt es bereits umweltschonende Alternativen. Für Flüssigwaschmittel, die in den meisten Fällen Borsäure enthalten, sind die umweltfreundlichen Ersatzstoffe noch rar.

Im Waschmittel soll der Stoff verhindern, dass die enthaltenen Enzyme schon aktiv sind, bevor sie in der Maschine mit der Wäsche in Kontakt kommen.

Das Geheimnis der Hersteller

Borsäure ist jedoch seit Juni 2010 von der Europäischen Chemieagentur als „besorgniserregender Stoff“ eingestuft worden. Sie soll in zu hohen Dosen giftig sein. Laut Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung, das entsprechende Messungen in Hüpfknete durchgeführt hat, sind Mengen von maximal 0,1 Milligramm Bor pro Kilogramm Körpergewicht tolerierbar.

Kommt es tatsächlich zu einer Vergiftung, kann Borsäure Erbrechen, Atemnot oder einen Schock auslösen. Die zugelassenen Waschmittel unterschreiten die Grenzwerte. Doch wie viel Borsäure darin enthalten sind, bleibt ein Geheimnis der Hersteller.

Aus einem Report der EU (www.scienceinthebox.com) aus dem Jahr 2008 geht hervor, dass in Europa rund vier Millionen Tonnen Waschmittel pro Jahr verbraucht werden. Etwa 60 Prozent davon seien Flüssigwaschmittel, die in den meisten Fällen Borsäure enthalten.

Um eine umweltfreundliche Alternative zu schaffen, haben sich 16 Studenten der RWTH Aachen zusammengetan und eine bereits bekannte Technologie auf die Produktion von Waschmittel übertragen. Durch das sogenannte Photocaging, ein lichtgesteuertes Verfahren, sollen die Enzyme in der dunklen Flasche inaktiv bleiben. Wie bei einem An-/Ausschalter sollen sie erst aktiv werden, wenn sie mit Licht in Kontakt kommen.

Mit dieser Idee nehmen die Aachener Studenten jetzt an einem internationalen Wettbewerb für genetisch verändernde Verfahren (Igem) teil. Dafür müssen sie ihr Projekt und die Ergebnisse nächste Woche in Boston vor einer Fachjury präsentieren. Insgesamt machen 280 Teams aus der ganzen Welt mit.

Für das Aachener Projekt werden unter anderem Alexander Deitert und Svenja Meyer in die USA fliegen und präsentieren. Die beiden Biotechnologie-Studenten haben sich für dieses Projekt ein Urlaubssemester genommen, um sich darauf konzentrieren zu können.

„Wir sind von morgens bis abends im Labor“, sagt Meyer, die im vierten Semester ihres Bachelorstudiengangs ist. Anders sei das Projekt gar nicht zu schaffen, sind sich die beiden 20-Jährigen einig. Das wissen sie von Vorgängern, die bereits an dem Wettbewerb teilgenommen haben und gute Ergebnisse erzielt haben. „Wir sind das dritte Team aus Aachen“, sagt Deitert. Das Besondere sei „der Hardware-Aspekt“, der beim Aufbau der Bestrahlungsgeräte zur Entwicklung der Bakterien beginnt und so etwas wie ein Aachener Markenzeichen sei.

Ihr Team setzt sich aus Bachelor- und Masterstudenten der Fachrichtungen Biologie, Biotechnologie, Biomedizintechnik, Elektrotechnik und Informatik zusammen. Die Studenten arbeiten selbstständig. Hilfe bekommen sie nur, wenn sie Fragen an Forscher aus anderen Ländern haben, zu denen ihre Professoren Kontakte pflegen. Auf diese Weise bekommen sie Datensätze und Informationen zum Beispiel aus Kalifornien.

Diese Informationen sind notwendig, weil sie sich mit ihrem Thema im Feld der Grundlagenforschung bewegen. „In der Waschmittelforschung wurde das Verfahren bislang noch nicht genutzt“, sagt Svenja Meyer. Zunächst musste die Hardware entwickelt werden und die Bakterien hergestellt werden. Dies sei bereits gelungen.

Im zweiten Schritt konnten die Studenten beides miteinander verknüpfen und die Bakterien so verändern, dass sie auf Licht reagieren. Ob ihr Vorhaben aber wirklich funktioniert, wissen sie noch nicht.

Eine leichte Kritik

Eines haben die Aachener – ungeachtet ihrer Ergebnisse und ihres Erfolgs beim Wettbewerb – auf jeden Fall schon einmal gelernt: Sie sind anfangs zu leichtfertig an die Aufgabe herangegangen. „Es ist mehr Arbeit, als wir gedacht haben“, sagt Meyer. Allein eine Befragungen in der Innenstadt zur Verwendung von Waschmitteln und die Themenrecherche hätten viel Zeit in Anspruch genommen. Auch das praktische Arbeiten war ihnen bislang nicht vertraut, „weil wir viel theoretisch lernen“, sagt Deitert.

Dabei schwingt eine leichte Kritik mit, denn die Erfahrungen, die sie nun sammeln, fehlten vielen anderen Studenten hinterher, wenn sie nach dem Studium in den Beruf starten wollen. Auch das sei ein Grund gewesen, warum sie sich für das Projekt entschieden hätten.

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