Aachen - RWTH stellt Vorlesungen zum Runterladen ins Netz

RWTH stellt Vorlesungen zum Runterladen ins Netz

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
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Die Vorlesungen von Informatik-Professor Jan Borchers gibt´s jetzt für jedermann im Internet zum Runterladen. Und nicht nur die. Das Angebot der RWTH bei „iTunes U” wächst täglich. Foto: Harald Krömer

Aachen. Was haben Madonna oder Kylie Minogue mit einem Informatikstudium zu tun? Für Jan Borchers liegt die Antwort auf der Hand: „Beide gibt´s im iTunes-Store.” Und damit nennt der Inhaber des Lehrstuhls für Medieninformatik an der RWTH Aachen den naheliegendsten Grund, warum eine Computerfirma wie Apple die kostenlose Internet-Plattform „iTunes U” anbietet, auf der Hochschulen Vorlesungen oder andere Lern- und Forschungsinhalte öffentlich zugänglich machen können, nämlich: Werbung.

„Der Student, der sich dort kostenlos eine Vorlesung herunterlädt, ist dann schonmal auf der Seite, auf der er vielleicht auch andere Inhalte findet, die ihn interessieren.” Etwa den neuen Madonna-Song, für den er dann aber zahlen muss.

Doch umgekehrt funktioniert die Werbung freilich auch. Denn über die populäre und weltweit verbreitete „iTunes”-Software kann auch die RWTH für sich werben. Seit Dienstag ist die Aachener Hochschule als eine von nur vier deutschen Universitäten an „iTunes U” beteiligt. Und so findet der Internetnutzer im Angebot der RWTH nicht nur Videos und Powerpoint-Präsentationen von Vorlesungen, sondern auch Filme zum Studentenleben in Aachen.

„Vielleicht können wir so einen Informatikstundenten aus den USA dafür begeistern, seinen Master in Aachen zu machen”, erklärt Professor Borchers, „zumal die Studiengebühren bei uns im Vergleich zu den USA ein Witz sind.” Mit der Beteiligung an „iTunes U” könne sich die RWTH im internationalen Markt der Universitäten gut platzieren.

Und dass sich ausgerechnet die RWTH so darstellen kann, daran ist Jan Borchers nicht ganz unschuldig. Denn er war Anfang dieses Jahrtausends als Professor an der amerikanischen Vorzeige-Universität in Stanford beschäftigt, wo Apple seinerzeit das „iTunes U”-System ausprobierte. So waren die Kontakte zu dem Konzern bereits früh geknüpft. Und als Apple das System, an dem sich inzwischen zahlreiche amerikanische Universitäten beteiligen, im vergangenen Jahr auch in Europa einführen wollte, traf man in Aachen auf den richtigen Ansprechpartner. Gemeinsam mit dem Rechenzentrum der RWTH, der Hochschulleitung und seinem Kollegen vom Lehr- und Forschungsgebiet Computerunterstütztes Lernen, Professor Ulrik Schroeder, setzte Borchers das Projekt binnen zwei Monaten um.

Vorhandenes Material

Dabei nutzten sie ausschließlich bereits vorhandenes Material, denn die Möglichkeit, Vorlesungen aufzuzeichnen und im Internet den Studierenden zur Verfügung zu stellen, ist nicht neu. Doch bislang war dies nur auf speziellen Internetseiten oder über das bereits existierende L2P-Lernportal möglich. Dort können die RWTH-Studenten mit einem Passwort Lernmaterialien herunterladen oder auch Noten einsehen. Das neue „iTunes U”-System, zu dem bald noch ein internes, passwortgeschütztes Portal hinzukommen soll, solle das L2P ergänzen, sagt Jan Borchers „und keinesfalls ersetzen”.

Dass Vorlesungen bei „iTunes” dazu führen könnten, dass kein Student mehr in den Hörsaal geht, glaubt Professor Borchers übrigens nicht. „Im Gegenteil: Es soll für die Vorlesung werben.” Außerdem sei die Vorlesung zum Runterladen ideal zum Lernen. „Man kann sich etwa komplizierte Sachverhalte mehrfach ansehen und anhören oder auch die eigenen Notizen mit dem gesprochenen Wort des Professors abgleichen.”

Dass das Angebot tatsächlich so genutzt wird, kann Dr. Alberto Perez-Bouza bestätigen. Der Oberarzt der Pathologie am RWTH-Uniklinikum bietet schon seit etwa anderthalb Jahren seine Vorlesungen als aufwendig bearbeitetes „Pathocast” im Internet an, welches jetzt auch bei „iTunes U” verfügbar ist. „Immer vor Prüfungen steigen die Zugriffszahlen rasant an”, erzählt er.

Und damit vielleicht auch die Verkaufszahlen von Madonna-Songs.

„iTunes U”: So funktioniert es, und das gibt es

Das neue RWTH-Angebot ist mit der Mediensoftware iTunes von Apple zu nutzen, die es kostenlos unter http://www.itunes.de gibt. Wer keinen Wert auf Apple-Werbung legt, kann das vor dem Herunterladen entsprechend einstellen.

Das RWTH-Portal liegt im „iTunes-Store” auf der Web-Plattform „iTunes U” in der Kategorie „Universities & Colleges” unter dem Buchstaben R wie RWTH.

Vertreten sind bislang die Fakultäten Medizin mit 92 Angeboten, Architektur mit 17, Bauingenieurwesen mit acht sowie die Fachgruppe Informatik mit 88 Angeboten. Dazu kommen acht Eigenpräsentationen wie „Studieren in

Aachen” und neun Berichte über aktuelle Ereignisse, etwa die Einweihung des Super C. Das Angebot wird fortlaufend erweitert.

Angeboten werden vor allem Film-Mitschnitte von Vorlesungen, auch aus früheren Semestern. Es gibt auch Tonaufzeichnungen mit zusätzlichem Unterrichtsmaterial. Viele Angebote können abonniert werden.
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