RWTH stellt Romanistik ein

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
RWTH
Mit der Entscheidung, Romanistik einzustellen, reagiert die RWTH auch rückläufige Studentenzahlen.

Aachen. Die RWTH Aachen wird das Studienfach Romanistik einstellen. Zum Wintersemester 2014/2015 wird es letztmalig möglich sein, sich in den Lehramtsfächern Französisch und Spanisch einzuschreiben. Die Hochschule werde dabei sicherstellen, dass alle eingeschriebenen Studenten in Aachen ihren Abschluss machen können.

Es mag in einer Stadt wie Aachen, der selbst ernannten Europastadt im Dreiländereck, überraschen, dass ausgerechnet eine Disziplin mit dieser europäischen Symbolkraft aufgegeben wird. Doch die Fakten sprechen gegen die Romanistik. In einer Erklärung der RWTH hieß es am Donnerstag, die Hochschule reagiere auf rückläufige Studentenzahlen. Eine Auswertung des Wintersemesters 2013/2014 liegt zwar noch nicht vor, aber die Zahlen des Wintersemesters 2012/2013 sprechen bereits eine deutliche Sprache.

Die Gesamtzahl der Romanistik-Studenten im Hauptfach war mit 304 auf dem Niveau der Vorjahre, doch wurden nur 34 Erstsemester gezählt. Ein Jahr zuvor waren es noch 83. Hinzu kommt, dass der Bedarf an Lehrern in den Schulfächern Französisch und Spanisch laut RWTH deutlich geringer ausfalle als noch vor Jahren. Schul- und Wissenschaftsministerium würden die Planung unterstützen.

Die RWTH betont, sie werde die freiwerdenden Ressourcen in der Philosophischen Fakultät belassen, zu der die Romanistik zählt. „Die Hochschule will künftig spezifische Schwerpunkte beispielsweise in der interdisziplinären Forschung und in der Ethik fördern. Die Philosophische Fakultät kann so Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen Universitäten gewinnen“, erklärte die RWTH gestern.

Es ist längst mehr als eine Tendenz: Die Philosophische Fakultät wird die RWTH wohl nicht, wie immer wieder befürchtet, aufgeben. Sie wird ihr aber ein neues Gesicht geben. Von den 40 375 Studenten, die im letzten Wintersemester in Aachen gezählt wurden, entfielen 13 Prozent auf diese Fakultät.

Doch die Grenzen verwischen. Es werden immer mehr interdisziplinäre Brücken zwischen den Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften, Maschinenbau, Elektrotechnik und anderen Paradedisziplinen der TH gebaut. Der klassische Fächerkanon einer Philosophischen Fakultät hat an Technischen Hochschulen zunehmend ausgedient.

Diese Entwicklung hat an der RWTH schon zur Jahrtausendwende begonnen, als der Studiengang „Technische Redaktion“ Technik und Sprache zusammenführte. Auf Magister kann Romanistik schon seit dem Wintersemester 2005/06 nicht mehr studiert werden.

Die Mitarbeiter der Romanistik – laut Internetpräsenz rund zwei Dutzend – sollen nach Informationen unserer Zeitung an der Philosophischen Fakultät eine andere Aufgabe finden.

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