RWTH liegt bei den Drittmitteln weit über dem Landesschnitt

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
6907363.jpg
Die Grafik verdeutlicht die Finanzierung durch Drittmittel an den Hochschulen in NRW und an der RWTH.

Aachen/Düsseldorf. Kostet das geplante Hochschulzukunftsgesetz die Universitäten in Nordrhein-Westfalen Forschungsaufträge aus der Wirtschaft und damit am Ende bares Geld? Diese Bedenken bekräftigte die Landesrektorenkonferenz am Dienstag noch einmal und wertet den Gesetzesentwurf als einen „Frontalangriff“ auf die verfassungsrechtlich garantierte Wissenschaftsfreiheit.

Gedroht wird nun sogar mit einer Klage. Insbesondere die Forderung nach Transparenz in der Drittmittelforschung und damit Einblicke der Öffentlichkeit in bis dato geheime Aufträge, geregelt in Paragraf 71 Absatz 1 des Entwurfs, lässt die Rektoren rot sehen. Zuletzt hatte Arndt Kirchhoff vom Bundesverband der Deutschen Indus­trie angekündigt, Forschungsaufträge in andere Bundesländer zu verlagern, also Geld aus NRW abzuziehen.

Klar, in erster Linie werden die öffentlichen Hochschulen durch die Länder finanziert. 5,9 Milliarden Euro lässt sich die NRW-Landesregierung ihre Hochschulen jährlich kosten. Eine Milliarde Euro haben die Hochschulen im Land 2012 als Drittmittel eingeworben, also für Forschungsprojekte. Davon wiederum kommen rund 20 Prozent, also 200 Millionen Euro, aus der Wirtschaft – was wiederum 2,9 Prozent des Finanzvolumens der NRW-Hochschulen entspricht.

Auf den ersten Blick ein geringer Beitrag zur Hochschulfinanzierung. Doch so einfach ist es nicht. Denn Drittmittel aus der Industrie werden in erster Linie von Technischen Hochschulen wie der RWTH Aachen eingeworben. Nicht von solchen Universitäten, die in erster Linie auf Geisteswissenschaften oder Jura bauen. Und so gibt es in NRW Hochschulen, die (fast) ohne Drittmittel aus der Industrie gut leben, und eben solche, die konsequent Forschung mit Partnern aus der Wirtschaft betreiben.

Die RWTH ist da neben der TU Dortmund wohl das prägnanteste Beispiel: 744,1 Millionen Euro betrug der Gesamtetat der TH im Jahr 2012. Diese Summe setzt sich aus 423,2 Millionen Euro Landeszuschuss und 320,9 Euro Drittmitteln zusammen. Der Anteil der Drittmittel an der Gesamtfinanzierung liegt in Aachen also deutlich über dem Landesdurchschnitt. 84,8 Millionen Euro dieser Drittmittel kommen aus der Industrie. Das ist nicht nur mehr als der Landesschnitt, es entspricht noch dazu 10,7 Prozent des Gesamtetats, ist also mehr als drei Mal so hoch wie im Landesschnitt. Da wären ausbleibende Forschungsaufträge natürlich weit schmerzvoller. Die Rektoren sehen rund 2500 Arbeitsplätze in der Forschung in Gefahr.

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze will durch Transparenz Vertrauen schaffen, der öffentliche Wunsch nach Information sei im Zuge der Diskussionen um Datensicherheit und Bankenregulierung größer denn je. „Ich vertraue den Hochschulen, dass sie hier verantwortungsvoll informieren. Transparenz schafft Vertrauen – mangelnde Transparenz fördert Misstrauen“, sagt sie.

Letzteres ist gewachsen, nachdem bekannt wurde, dass deutsche Hochschulen im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums forschen. Zudem weist das NRW-Ministerium darauf hin, dass es keineswegs um eine bedingungslose Offenlegung der Drittmittelforschung gehe. Patentrelevante Bereiche der Forschung blieben unberührt, „lediglich Thema, Volumen, und Förderer“ müssten genannt werden, heißt es weiter. Das sind im sensiblen – auch internationalen – Wettbewerb der Hochschulen aber wichtige und vor allem vertrauliche Informationen. „Es liegt auf der Hand, dass Forschungskooperationen mit Unternehmen dadurch erschwert bzw. sogar verhindert werden“, erklärt dazu die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert