RWTH: Forschung jenseits des Elfenbeinturms betrachten

Von: Sabine Rother
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„Gestapeltes“ Wissen: Prof. Dominik Groß (v. li.) ist Sprecher des Aachener Kompetenzzentrums für Wissenschaft, Julia Nebe Geschäftsführerin und Mathias Schmidt Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Leben und Tod, Kunst und Körper, Medizintechnologie und die alte Frage, ob sich unser Gehirn bewegt, vielleicht sogar synchron zum Herzschlag: Das Aachener Kompetenzzentrum für Wissenschaftsgeschichte (AKWG) der RWTH umkreist solche Themen, sammelt die facettenreichen Ergebnisse, die in Büchern zusammengeführt werden.

Vor zehn Jahren gründete sich das Kompetenzzentrum. Mitglieder sind alle RWTH-Einrichtungen, die den Begriff „Geschichte“ in ihrem Namen tragen: Medizin-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bau-, Kunst, Technikgeschichte, Mittelalterliche Geschichte, Literaturgeschichte, Alte Geschichte, Frühneuzeitliche, Neuere und Neueste Geschichte. Sprecher der umfangreichen Gemeinschaft ist Professor Dominik Groß, Leiter des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin.

„Es geht darum, vorhandene wissenschaftshistorische Kompetenzen zu bündeln“, sagt Groß, den Julia Nebe als Geschäftsführerin und Mathias Schmidt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter unterstützen. „Uns geht es darum, wichtige Projekte in Forschung und Lehre zu fördern und dabei Themen aufzugreifen, die gesellschaftlich diskutiert werden.“

„Tag der Wissenschaft“

Einmal pro Jahr gibt es einen „Tag der Wissenschaft“. Die öffentliche Jubiläumsveranstaltung am Freitag, 16. Dezember, findet in der Uniklinik zum Thema „Forschung zwischen Freiheit und Verantwortung“ statt. „Aktuell hat uns zum Beispiel beschäftigt, dass darüber nachgedacht wird, ob Forschung an Behinderten erlaubt ist“, erklärt Groß.

Zu den Schwerpunkten des AKWG gehört die Aufarbeitung brisanter Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus‘, die das Kompetenzzentrum anschiebt und begleitet. Da geht es etwa um die Rolle der Aachener Klinikärzte in dieser Zeit, um die Leibärzte der Nazigrößen oder die Besetzung von Chefarztpositionen nach 1945 mit Medizinern, die wenige Jahre zuvor willige Helfer des Nazi-Regimes waren. Demnächst wird zudem die „Deutsche Zahnärzteschaft im Nationalsozialismus“ durchleuchtet.

Bedingung für sämtliche Themen: Sie sollten aufhorchen lassen, vielleicht sogar provozieren – wenn es zum Beispiel um Plagiate geht, um Doping oder Sterbehilfe. Selbst der Umgang mit dem toten Körper oder Magie und Chemie des Blutes waren Themen, die sich von der Antike bis zur Zukunftsforschung bearbeiten ließen.

Alle Ergebnisse werden in einer Schriftenreihe festgehalten. Demnächst liegen 18 Bände aus zehn Jahren vor. Die Bücher sollen nicht nur Wissen dokumentieren, sondern Öffentlichkeit schaffen und zeigen, dass sich Wissenschaftshistoriker an der RWTH nicht im fernen „Elfenbeinturm“ verschanzen.

Grundsätzlich geht es stets um die Wechselwirkung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „Die unterschiedlichen Disziplinen bieten schließlich unterschiedliche Zugangsweisen zu den Fragen“, ergänzt Julia Nebe.

So wird etwa darüber nachgedacht, was die Gesellschaft von neuen Technologien wie der Telemedizin erwartet, oder wo Widersprüche Menschen beschäftigen. „Wenn es um den eigenen Tod geht, gibt es große Empfindlichkeit. Der öffentliche Tod bei einem Unfall, einem Verbrechen oder Unglück lockt Neugierige an, das ist ein Phänomen“, schildert Groß ein Beispiel.

Aus Themen wurden in zehn Jahren mehrfach Forschungsprojekte oder Dissertationen. „Wir greifen Fragestellungen auf und versuchen dann durch den Blick in die Geschichte schlauer zu werden“, fasst Groß zusammen.

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