Aachen - RWTH: Europastudien künftig „klein und fein“

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RWTH: Europastudien künftig „klein und fein“

Von: Angela Delonge
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Christine Roll, Dekanin der Philosophischen Fakultät der RWTH, hat die Neuausrichtung des MES-Studiengangs im Blick. Foto: Archiv/Andreas Steindl

Aachen. Der durch die Klausuren-Affäre des CDU-Landeschefs und früheren RWTH-Lehrbeauftragten Armin Laschet in die öffentliche Kritik geratene Masterstudiengang für Europastudien (MES) an der RWTH Aachen wird in den kommenden zwei Jahren komplett neu ausgerichtet. Das kündigte die Dekanin der Philosophischen Fakultät der RWTH, Christine Roll, am Dienstag an.

Mit dem Studiengang, der künftig in die Weiterbildungsakademie der RWTH, die International Academy gGmbH, überführt wird, soll ein bundesweit einzigartiges Angebot für 20 bis 25 Studenten geschaffen werden. Das spezielle Profil des Studiengangs soll europäisches Grundlagenwissen mit Technik, Wirtschaft und Recht verbinden. Absolventen sollen sich in europäischem Recht ebenso gut auskennen wie in Gentechnologie, sagte Roll und nannte damit ein Beispiel für die künftige Ausrichtung.

Man wolle gewissermaßen zurück zu den Wurzeln des Studiengangs, der 1989 gegründet worden war, und ein „kleiner und feiner“ Studiengang werden, der klar auf Berufsperspektiven abziele und strengsten wissenschaftlichen Ansprüchen genüge. „Wir müssen uns gegen die große Konkurrenz von 50 Europa-Studiengängen in Deutschland wappnen“, sagte Roll. „Deshalb wollen wir uns professionalisieren und eindeutiger ausrichten“, sagte Roll.

Die Dekanin verhehlte nicht, dass die Fakultät in der Vergangenheit mit dem Studiengang „diverse organisatorische Probleme“ hatte und meinte damit unausgesprochen die Klausuren-Affäre. Die Entscheidung, das Fach nicht abzuschaffen sondern neu zu organisieren, sei nun gefallen. „Wir wissen zwar noch nicht genau, wo die Reise hingeht, aber sie wird weitergehen“, sagte Roll.

Die Fakultät wird zukünftig nur noch für den Lehrbetrieb des MES-Studiengangs verantwortlich sein, die Organisation wird in die Hände der International Academy gelegt. Die Jahrgänge, die jetzt noch eingeschrieben sind, können ihr Studium geregelt abschließen. Neue Einschreibungen wird es jedoch bis auf weiteres nicht geben.

Das Lehrangebot für den neuen Studiengang, der frühestens zum Wintersemester 2019/20 gegen Zahlung einer Studiengebühr angeboten werden soll, wird nun gemeinsam von Dekanin Roll, dem Dekanatsbeauftragten für den Studiengang, Professor Paul Hill, und dem Lehrbeauftragten für Europawissenschaft, Professor Rüdiger Stotz, erarbeitet.

Den interdisziplinären Ansatz des Studiengangs hob Roll besonders hervor. Damit passe er perfekt zur Philosophischen Fakultät, die in Zukunft als neues Zentrum für interdisziplinäre Wissenschafts- und Technikforschung das Profil der RWTH stärken soll. Die Fakultät wird das im Zuge der Exzellenzinitiative aufgebaute Forscherhaus HumTec (Human Technology Research) übernehmen. Das neue Zentrum wird mit fünf Professoren ausgestattet. Sie sollen sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen um die Auswirkungen von Technik beschäftigen.

Im Zusammenhang mit der sogenannten Klausuren-Affäre war Laschet, der jahrelang ehrenamtlicher Dozent im MES- Studiengang gewesen war, im Juni 2015 in die Kritik geraten. Er hatte Klausuren von Studenten benotet, die der Prüfungsausschuss und möglicherweise auch er selbst nie gesehen hatten.

Aufgeflogen war das Vorgehen, weil Laschet auch Noten an Studenten vergeben hatte, die die Klausur gar nicht geschrieben hatten. Die Hochschule hatte die Affäre letztlich auf sich beruhen lassen und empfohlen, die Noten zu annullieren und die Klausuren neu schreiben zu lassen.

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