RWTH Campus: Im vierten Kapitel dreht sich alles um Licht

Von: Ulrich Simons
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Prachtbauten: Im Sommer 2015 soll das erste Gebäude des neuen Forschungsclusters stehen. Nach und nach soll dann das übrige Gelände bebaut Foto: KPF
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Prof. Günther Schuh (li.) und Architekt Jens Hardwendel

Aachen. Der RWTH Aachen Campus, ein rund 800.000 Quadratmeter großes Areal im Westen der Stadt, entwickelt sich zu einer der größten Forschungslandschaften Europas. Gestern wurde das vierte Kapitel aufgeschlagen: Mit der Bekanntgabe des Investors und der Architekten fiel der Startschuss für den vierten von sechs Forschungsschwerpunkten (Clustern).

Nach Biomedizintechnik, Logistik und Integrierter Produktionstechnik geht es diesmal um „Optische Technologien“. Hinter diesem wenig spektakulären Begriff verbirgt sich die Erforschung von neuen Verfahren zur Erzeugung, Formung und Nutzung von Licht, insbesondere Lasertechnik: Das energiereiche, gebündelte Licht ermöglicht unter anderem die industrielle Bearbeitung von Materialien ohne Werkzeuge und ist gerade auf dem Sprung in die dritte Dimension. In sogenannten 3D-Druckern entstehen aus einem speziellen Pulver, das schichtweise aushärtet und dann mit Laser-Technik bearbeitet wird, hochpräzise Objekte.

„Print me a Stradivari!“

Das Verfahren steckt noch in den Kinderschuhen. Für Prof. Reinhart Poprawe, der die Cluster-Leitung übernehmen wird, und seine Mitarbeiter gibt es noch viel zu entdecken. Wohin die Reise gehen könnte, titelte bereits vor einem Jahr das „Time Magazine“: „Print me a Stradivari!“ Noch ist die Geige aus dem Laserdrucker allerdings Zukunftsmusik. Als besonderes Highlight im Cluster „Optische Technologien“ wird der „Forschungscampus Digital Photonic Production“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in den nächsten 15 Jahren mit bis zu 30 Millionen Euro gefördert.

„Hier entsteht Großes!“, brachte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp auf eine griffige Formel, was die Gäste der Festveranstaltung im Tagungsraum hoch über dem Werkzeugmaschinenlabor (WZL) an der Steinbachstraße auf großformatigen Fotos bestaunen konnten.

„Das ist ein tolles Projekt mit einer unglaublichen Wirkung“, dankte der OB wieder einmal Prof. Günther Schuh, dem „Vater“ des Campus und Geschäftsführer der Campus GmbH. Auch RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven jubelte: „Das wird ein großartiger architektonischer Wurf sein.“ Die anfängliche Skepsis der Aachener gegenüber dem Campus-Projekt habe inzwischen breiter Verwirrung und ungläubigem Staunen Platz gemacht, freute sich der OB augenzwinkernd. Überall rege sich was, dröhnten die Maschinen, endlich nehme das Projekt Fahrt auf. „Die Menschen wollen Kräne und Bagger sehen.“ Demnächst werden noch mehr Kräne und Bagger dazukommen.

Rund 11,5 Millionen Euro wird die Aachener Projektgesellschaft ante4C in das erste Forschungsgebäude investieren. Hinter ante4C steht die (ebenfalls Aachener) Landmarken AG, die seit mehr als 25 Jahren in und jenseits der Städteregion Projekte aus den Bereichen Wohnungsbau, Büro, Gewerbe und Einzelhandel realisiert.

In Aachen kein Unbekannter

Der Vorstandsvorsitzende von „Landmarken“ ist in Aachen kein Unbekannter: Investor Norbert Herrmanns revolutionierte in den 80er Jahren ebenso erfolgreich wie gewinnbringend das kaiserstädtische Flohmarktwesen und startete dann zu größeren Projekten durch. Auch am bereits laufenden Neubau für das Cluster „Produktionslogistik“ ist ante4C beteiligt. Die Fertigstellung des ersten Gebäudekomplexes mit einem Investitionsvolumen von rund 21 Millionen Euro ist für das dritte Quartal 2013 geplant. Geschäftsführer Jens Kreiterling zum abermaligen Engagement seines Hauses: „Wir waren von der positiven Stimmung angesteckt und von der Idee fasziniert.“ Groß sei die Freude, mit KPF (Kohn Pederson Fox Associates) eines der weltweit führenden Architekturbüros für die Zusammenarbeit gewonnen zu haben. KPF baut zurzeit den Abu Dhabi International Airport, KPF-Entwürfe stehen in New York, in Minnesota, Michigan, Shanghai und Hongkong, in New Songdo City in Korea, in Paris, London, Oxford, Frankfurt – und demnächst auch in Aachen, listete Direktor Jens Hardwendel auf.

Abgestufte Glasfassade

Der erste Gebäudekomplex für das vierte Cluster entsteht in unmittelbarer Nähe des Lehrstuhle für Lasertechnik und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik am Campus-Boulevard. Die abgestufte Glasfassade nimmt den sichelförmigen Verlauf des Campus-Boulevards auf. In der Mitte ist sie unterbrochen, so dass die Straßenfront in das Zentrum des Geländes hineinfließt. Unterschiedlich abfallende Gebäudehöhen zur Geländerückseite hin erlauben das Setzen lokaler Schwerpunkte. Zentrum des Clusters wird ein öffentlicher, grüner Platz.

Das erste Gebäude des Clusters bildet die ­Adresse für Hauptmieter und den sozialen Mittelpunkt. Ein Restaurant und die Gemeinschaftsbereiche stehen Nutzern und Besuchern gleichermaßen zur Verfügung. Tageslicht fällt durch ein Glasdach in den Kernbereich. Dieses Atrium soll nach den Vorstellungen der Planer „das Zentrum von Licht und visueller Interaktion werden“.

Der Baubeginn soll im Winter 2013 sein, die Fertigstellung ist für Sommer 2015 geplant.

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