RWTH: Am Ende sagt die Romanistik adieu

Von: Angela Delonge und Thorsten Karbach
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RWTH Aachen Romanistik
Nach fast drei Stunden Diskussion war klar: Die Philosophische Fakultät verabschiedet sich von der Romanistik. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nach fast drei Stunden Diskussion war klar: Die Philosophische Fakultät hat sich für ihre Zukunft an der RWTH neu positioniert, die Romanistik ist das Bauernopfer. Der Fakultätsrat entschied am Mittwochabend, dass es an der „Phil-Fak“ weitergehen kann in Richtung eines großen Gesamtkonzepts zur „Philosophischen Fakultät 2025“.

Sieben Ja-Stimmen haben das Eckpunkte-Papier, anhand dessen sich nun die Philosophische Fakultät Richtung Zukunft bewegen wird, befürwortet. Daneben gab es drei Enthaltungen und zwei Neinstimmen: Das Ergebnis zeigt, wie sehr viele Fakultätsratsmitglieder nach über einem halben Jahr zermürbendem Gezerre wohl doch von der Realität oder vom Druck der Notwendigkeiten eingeholt worden sind.

„Ich jubele jetzt nicht darüber, dass wir die Romanistik einstellen, da ist auch ein weinendes Auge über diese Entscheidung. Aber ich bin zufrieden, dass es jetzt eine Entscheidung gibt, und wir uns so für die Zukunft aufstellen können“, erklärte die verantwortliche Dekanin der Philosophischen Fakultät, Christine Roll. Romanistik-Professorin Angelica Rieger ist erwartungsgemäß schwer enttäuscht: „Wir sind die erste Philosophische Fakultät in Deutschland, die ihre Romanistik selbst abgeschafft hat.“

Kaum zu glauben, aber das Fach Romanistik wird in Aachen tatsächlich bald Geschichte sein. Studenten, die jetzt noch in den Fächern Französisch und Spanisch eingeschrieben sind, dürfen ihr Studium in Aachen beenden, doch Erstsemester werden nicht mehr angenommen.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp bezeichnete das Ende der Romanistik für die Stadt Aachen und die Region als „schade“. Gegenüber unserer Zeitung sagte er: „Wir haben uns dafür eingesetzt, die Romanistik nicht fallen zu lassen, weil wir starke internationale Verpflichtungen mit Frankreich und Belgien haben.“ Man habe „immer sehr gute Impulse von der Romanistik“ bekommen, „aber wir müssen akzeptieren, dass die Gesamtentwicklung der RWTH in eine andere Richtung geht.“

Die Philosophische Fakultät wird nun wohl wesentlich stärker als bisher von der „führenden integrierten, interdisziplinären technischen Universität“ namens RWTH vereinnahmt werden und nicht mehr so sehr Bezug auf die besondere, immer wieder ins Feld geführte Lage ihrer Alma Mater in der Mitte Europas nehmen. Die Entscheidung ist von großer Tragweite.

Geht es doch in Zukunft für die Philosophische Fakultät darum, sich den ganz großen Fragen, den „global challenges“ (globale Herausforderungen), zu stellen. Diese sollen an einer Universität eben nicht nur auf technischem Wege beantwortet werden, sondern „in übergreifenden Zusammenhängen von Gesellschaft, Politik und Kultur identifiziert und bearbeitet werden“, heißt es im Eckpunkte-Papier.

„Die Fakultät hat wesentliche Schritte unternommen, um sich für die Zukunft gut aufzustellen. Ich wünsche ihr auf diesem eingeschlagenen Weg alles Gute“, erklärte RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg nach der Entscheidung. Und Dekanin Roll betonte am Mittwoch: „Wir haben wirklich etwas zu bieten und das wollen wir auch zeigen.“

Ein Zentrum für Ethik und Wissenschaftstheorie, angesiedelt im Projekthaus HumTec, soll sich den interdisziplinären Themen künftig widmen. Der Prozess der Profilbildung der neuen Philosophischen Fakultät kann nun in Angriff genommen werden. Mit Beginn des Sommersemesters soll die Arbeit am neuen Konzept auf Basis des Eckpunkte-Papiers, so Roll, intensiv vorangetrieben werden. Bis dahin solle die Fakultät „auch einmal durchschnaufen können“. Die Entwicklung des neuen Konzeptes solle für die gesamte Fakultät vor allem eines sein: transparent.

Nur so könne ein wichtiges Ziel erreicht werden, wie Roll versichert: „Wir wollen zusehen, dass wir auch die Skeptiker für unsere Neuausrichtung gewinnen können.“

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