RWTH Aachen tritt Biobankenallianz bei und erhält Förderung

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
14761041.jpg
Proben von organischem Material werden zur Einlagerung in der Biobank der RWTH Aachen vorbereitet. Mit der neuen Förderung durch den Bund soll das Qualitätsmanagement ausgebaut werden. Foto: RWTH cBMB
14746410.jpg
Professor Edgar Dahl, Wissenschaftlicher Leiter der Biobank der RWTH Aachen, freut sich über die finanzielle Förderung der Biobank. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit insgesamt 14,4 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2020 den Aufbau einer großen Biobankenallianz. Elf deutsche Biobankstandorte haben sich jetzt zur German Biobank Alliance (GBA) verbunden, um den nationalen und europaweiten Bioproben- und Datenaustausch zwischen Biobanken zu verbessern.

 Die Zentralisierte Biobank der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen (centralized Biomaterial Bank, kurz: RWTH cBMB) ist dabei und kann in den nächsten drei Jahren rund 750.000 Euro für die Weiterentwicklung einsetzen. Netzwerkpartner sind die Biobanken in Frankfurt am Main, Göttingen, Greifswald, Hannover, Heidelberg, Jena, Leipzig, Lübeck, München und Würzburg.

„Diese Förderung ist ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin in Deutschland, also der Entwicklung maßgeschneiderter Medikamente“, sagt Professor Edgar Dahl vom Institut für Pathologie der Uniklinik und Wissenschaftlicher Leiter der RWTH cBMB.

„Biobanken sind langfristig angelegte, hochqualitative Sammlungen von menschlichen Biomaterialien wie Tumorgeweben oder Blutproben, die für ausgewählte Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt werden.“ Biobanken leisten damit einen Beitrag zur Umsetzung neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze in der klinischen Anwendung. Die Nutzung der Biobanken ist im Moment noch eher lokal, das soll sich bei einer Vernetzung ändern. Besonders zur Erforschung seltener Erkrankungen will man nun in Aachen die Möglichkeiten des Materialaustauschs verbessern. Entwickelt wird im Rahmen der Förderung zum Beispiel ein Anfrage-Tool, das alle Banken im Netzwerk erreicht. So können auch entsprechende Proben effektiver gesammelt und lokalisiert werden, wodurch sich Forschungsprojekte zügiger vorantreiben lassen – etwa im Bereich der neurologischen Erkrankungen.

„Ein Beispiel ist die Friedreich-Ataxie, eine degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems mit neurologischen, psychischen und kardiologischen Symptomen bereits im Jugendalter“, berichtet Dahl. Es gibt aktive Selbsthilfegruppen, die fordern, dass zur Behandlung dieser Patienten neue Medikamente entwickelt werden. Dahl: „Darin liegt noch eine Herausforderung, der sich die Pharmafirmen aber aufgrund verbesserter Entwicklungsverfahren zunehmend stellen.“

Umfangreiches IT-Projekt 

Im Zuge des immer besser werdenden Verständnisses molekularer Prozesse teilen sich selbst relativ häufige Krebserkrankungen wie der Lungen- oder der Brustkrebs in immer kleiner werdende Untergruppen. Ein Ziel der Forscher ist es unter anderem, mittels der Proben aus Biobank-Standorten zumindest langfristig den Krebs zu einer chronischen und damit behandelbaren Erkrankung zu machen. Dahl: „Bei Lungenkrebs sind wir da schon auf einem guten Weg.“ Die Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen liegen in den Bereichen Medizin und Technik und Neurowissenschaften.

Die Förderung des Bundesministeriums fließt zunächst in ein umfangreiches IT-Projekt. Es gilt, auf nationaler Ebene eine gemeinsame Software für die Anfrage und den Daten- und Probenaustausch zu entwickeln. Formiert hat sich ein Entwicklungsteam, dessen Mitglieder unter anderem in Erlangen und Heidelberg sitzen. Im Bereich der Aachener Biobank wurde die Stelle eines Informatikers geschaffen, „Wir bekommen insgesamt drei neue Mitarbeiter für die Zeit von drei Jahren, einen Projektleiter, einen Informatiker und einen Qualitätsbeauftragten. Damit sind wir als relativ kleiner Biobank-Standort sehr gut ausgestattet worden.“

Nun sollen Standards geschaffen, Strukturen noch effizienter gestaltet werden. „Wir müssen in diesem Harmonisierungsprozess dafür sorgen, dass alle miteinander reden und sich austauschen können“, sagt Dahl. „Biobank – das war ja zu Anfang wie eine Mondlandung, man musste vieles zunächst selber ausprobieren, Verfahrensweisen testen und schrittweise optimieren, das lief bei allen Standorten so.“

Ein sensibles Thema ist das Qualitätsmanagement. „Der Weg des Materials vom OP bis zu uns, wo es bei bis zu Minus 196 Grad Celsius eingefroren wird, also die präanalytische Phase, ist enorm kritisch“, erklärt Dahl. „Einige Bestandteile der Proben, zum Beispiel bestimmte Proteine, bleiben außerhalb des Körpers nur kurz unverändert erhalten, da muss man den Weg gut dokumentieren, die Sorgfalt macht dieses Material so wertvoll.“

Die Lücke zwischen Auslaufen der ersten Förderung 2016 und der Bewilligung neuer Bundesmittel 2017 hat in Aachen die Medizinische Fakultät der RWTH aus eigenen Mitteln geschlossen. Neben der Entwicklung neuer Software zur Verwaltung, Suche und Verknüpfung der Proben mit pseudonymisierten medizinischen Daten stehen im Moment die Anschaffung neuer Geräte und die Entwicklung von Automatisierungsprozessen im Vordergrund.

Etwa 15 Kliniken lagern zurzeit Biomaterialien zu Forschungszwecken in Aachen ein, man verzeichnet eine 20-prozentige Wachstumsrate bei den Einlagerungszahlen pro Jahr. Die Kunden der Biobank kommen aus Klinken, Instituten, aber auch aus der forschenden Pharmaindustrie.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert