RWE schockt die Kommunen

Von: André Schaefer
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Der RWE-Konzern plant, seinen Stammaktionären die Dividende für 2015 komplett zu streichen. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen. Schlechte Zeiten für Aktionäre des Essener Energieriesen RWE: Wie der schwer gebeutelte Konzern am Mittwoch mitteilte, will der Vorstand wegen massiver Verluste von 200 Millionen Euro im vergangenen Jahr den Großteil der Dividende für 2015 streichen.

So soll es für Vorzugsaktionäre noch eine Mini-Ausschüttung von 13 Cent je Anteilsschein geben. Stammaktionäre, wie etwa Kommunen, sollen sogar komplett leer ausgehen. In den vergangenen beiden Jahren hatte der Konzern noch einen Euro pro Aktie gezahlt.

Besonders schmerzhaft ist die Streichung der Dividende für die großen Kommunen unserer Region. Sowohl die Städteregion Aachen als auch die Stadt Eschweiler sowie die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren halten seit vielen Jahren Aktien des zweitgrößten Energiekonzerns Deutschlands – und sie alle sind Stammaktionäre. „Diese Meldung ist für uns als Kommune sehr bedauerlich“, sagte Sefan Kaever, Kämmerer der Stadt Eschweiler, am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung.

Eschweiler besitzt insgesamt 322.000 RWE-Aktien. Die Kommune hatte für ihren aktuellen Haushalt mit einer Dividende von etwa 50 Cent pro Anteilsschein gerechnet, 160.800 Euro waren demnach eingeplant. „Uns war klar, dass die Gewinnausschüttung im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren um rund 50 Prozent niedriger ausfallen werde. Dass sie nun komplett gestrichen wird, überrascht uns dann aber doch sehr“, sagte Kaever.

Ein Verkauf der RWE-Aktien, den Umweltschützer in dieser Woche in Aachen gefordert hatten, komme trotz des fallenden Aktienkurses weiterhin nicht in Frage. „Wir sind in Eschweiler in einer besonderen Situation und wollen einen Fuß in der Tür des RWE-Konzerns behalten“, sagte Kaever.

Entsetzt zeigte sich am Mittwoch auch die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren, die rund 1,2 Millionen RWE-Aktien hält. Wie in Eschweiler hatte man auch dort mit einer Dividende von 50 Cent pro Aktienschein gerechnet, also mit Einnahmen von rund 600.000 Euro. „Die angekündigte komplette Streichung der Dividende reißt ein Loch, das noch viel größer ist als befürchtet. Das trifft uns sehr hart“, sagte Hans-Joachim Deutz, Prokurist der Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren. Die jährliche Ausschüttung nutze man überwiegend zur Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs“, hieß es am Mittwoch auf Anfrage. „Dieser Situation müssen wir uns nun stellen.“

Hart trifft die Meldung aus Essen auch die Städteregion Aachen, die 557.260 RWE-Aktien hält. Denn auch für den diesjährigen Haushalt war eine Ausschüttung von einem Euro pro Stückzahl vorgesehen. Städteregionsrat Helmut Eschenberg teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass man trotz der schlechten Nachrichten an den RWE-Aktien festhalten werde und zudem von einer Erholung des Aktienkurses ausgehe. Die Finanzierung konkreter Projekte sei im Übrigen nicht gefährdet, die Ausschüttungen würden zur allgemeinen Deckung des Haushaltes geplant werden, hieß es.

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