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RWE schaltet um auf Grün: Ein Start mit Rückstand

Von: Rolf Schraa, dpa
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RWE Windrad windkraft
Fünf Prozent seines Stroms erzeugte RWE 2015 mit erneuerbarer Energie. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Bedburg. RWE will zum grünen Konzern werden - und präsentierte den größten Windpark von NRW als Musterprojekt der Energiewende. Doch die Essener starten spät in das Rennen um Wind, Sonne und Subventionen.

RWE-Erneuerbaren-Chef Hans Bünting strahlte beim Ortstermin in Bedburg im Rheinischen Revier. Wo noch vor wenigen Jahren Braunkohlebagger den bundesweit bekannten Tagebau Garzweiler durchpflügten, konnte der Manager jüngst den größten Windpark von Nordrhein-Westfalen eröffnen. 21 Windräder, die Strom für fast 60.000 Haushalte erzeugen, Gewinne auch für die beteiligte Kommune erwirtschaften - und all das ohne Proteste, sondern mit viel Unterstützung von den Anwohnern, wie Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach (SPD) versicherte.

„Das ist Energiewende pur”, rief Bünting - genau der Weg, auf den RWE sich mit der Abspaltung der Erneuerbaren Energien, des Vertriebs und der Netze zum 1. April verstärkt machen will. Es ist ein Start in das Rennen um Wind- und Sonnenstrom mit großen Hoffnungen, aber mit Rückstand gegenüber der Konkurrenz.

Fünf Prozent seines Stroms erzeugte RWE 2015 mit erneuerbarer Energie - Konkurrent Eon in der alten Firmenstruktur um die 14 Prozent. Sehr lange hat RWE stark auf Kohle, Gas und Kernkraft gesetzt und musste sich Kritik anhören, die Energiewende verschlafen zu haben. Jetzt will Konzernchef Peter Terium mit seiner neuen Zukunftstochter das Ruder herumreißen.

Bis die Millionen aus dem geplanten Börsengang der RWE-Zukunftsgesellschaft - Arbeitstitel „NewCo” - voraussichtlich Ende 2016 fließen, fehlt allerdings vorerst weiter das Geld für spürbare Zusatzinvestitionen in die Ökoenergie. Damit bleibt es zunächst beim zusammengekürzten Investitionstopf für Erneuerbare von nur einer Milliarde Euro für die drei Jahre 2015, 2016 und 2017 zusammen. Möglicherweise will RWE später aufstocken.

Eon investiert deutlich mehr in die Ökoenergie - 2014 waren es mehr als 1,1 Milliarden, 2015 rund 960 Millionen Euro. Der große RWE-Rivale verdient mit Wind und Solaranlagen vor allem in den USA und mit Wasserkraft bereits gutes Geld. Allein 2014 betrug der Betriebsgewinn (Ebitda) in der Sparte 1,5 Milliarden Euro. Bei RWE hat die Ökostromsparte das operative Ergebnis nach ersten Berechnungen 2015 ebenfalls mehr als verdoppelt - liegt mit rund 400 Millionen Euro aber noch in einer anderen Größenordnung.

Eon ist eher gestartet als RWE: Bereits 2007 wurde eine eigene Einheit für Erneuerbare Energie gegründet, die sich heute an der Spitze der deutschen Energieversorger bei Erneuerbaren-Investitionen sieht. Die „neue” Eon-Gesellschaft mit Erneuerbaren, Vertrieb und Netzen steht schon seit Jahresbeginn, während RWE für die Aufspaltung nach eigener Ankündigung noch eine lange Anlaufphase von 12 bis 18 Monaten braucht und längere Zeit mit einem Übergangsvorstand arbeiten will.

Die hohen Gewinne der Pionierzeit des Ökostroms hat RWE damit teilweise verpasst. Damit die EEG-Umlage die Stromkosten nicht weiter hochtreibt, kürzt der Gesetzgeber inzwischen die Vergütungen für Wind und Sonne Jahr für Jahr. Das lässt sich auch am Bedburger Windpark ablesen.

Der Bau startete bei 9,1 Cent Garantievergütung für die Kilowattstunde, wie Bünting berichtete. Nach der Reform des EEG sank die Vergütung auf 8,9 Cent. Künftig plant der Gesetzgeber Auktionen, in denen sich nur die kostengünstigsten Standorte durchsetzen sollen - also andere auch leer ausgehen können.

In Rückstand können dabei auch moderne und sehr windstarke Standorte geraten, die ansonsten alles richtig gemacht haben. In Bedburg musste beispielsweise wegen des relativ losen Bodens auf dem ehemaligen Braunkohletagebau der Untergrund für viel Geld mit Zusatzbohrungen stabilisiert werden. Je nach Formulierung der künftigen Auktionsbedingungen könnte das den Standort bei Ausschreibungen belasten.

Zukunftsweisend dürfte die direkte Beteiligung der Kommune an dem Windparkprojekt sein. Dass es in Bedburg kaum Proteste gegen das Projekt gab, lag sicher neben der jahrzehntelangen Industriefreundlichkeit der Region auch an der Tatsache, dass von Anfang an neue Jobs und Beschäftigung für regionale Betriebe gesichert wurden und Geld in die Stadtkasse floss.