RWE Power sieht Ausstieg aus Braunkohleverstromung ab 2030

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
20170913_000110365249b993_jue_bandsammelnah5sp80.jpg
Der Tagebau Inden – das Foto zeigt den Bandsammelpunkt – ist 2030 ausgekohlt. Dann wird laut RWE Power auch das Kraftwerk Weisweiler geschlossen. Archivfoto: Uerlings
20170913_000110365249b993_jue_braunkohlevorstand1DSC_0432.jpg
Vorstandschefs Dr. Lars Kulik und Matthias Hartung. Foto: Uerlings

Aachen. Während manche Politiker im Bundestagswahlkampf einem schnellen oder „sanften“ Ausstieg aus der Braunkohle das Wort reden, hat RWE Power eine ganz klare Vorstellung: 2030. „Plus/minus zwei Jahre“ – das ist die Ungenauigkeit bei der Laufzeit des Tagebaus Inden und in Verbindung auch des Kraftwerks Weisweiler, die Braunkohle-Vorstand Lars Kulik am Mittwoch auf Schloss Paffendorf in Bergheim benannte.

 „Das hängt immer auch mit den jährlichen Fördermengen zusammen – und ist im Rahmen aller Genehmigungen.“ Nach dieser Rechnung dauert es also maximal noch gut 14 Jahre, bis die Kohleförderung im Aachener Revier endgültig zu Ende geht. Denn „Energieerzeugung auf Braunkohle-Basis“ plant RWE in Weisweiler definitiv nicht mehr. Sagt Vorstandschef Matthias Hartung.

Damit verschwinden aber nicht zwingend das Unternehmen und die Energieerzeugung von der Bildfläche. „Wir halten weiter am Energiestandort Weisweiler fest“, antwortet Lars Kulik auf Nachfrage. Ein jüngst noch verlängerter Fernwärmeliefervertrag und technische Voraussetzungen des Kraftwerks, die auch eine Umrüstung (zum Beispiel zum Gaskraftwerk) erlauben, sowie die industrielle Infrastruktur seien Verpflichtungen und Optionen. „Wenn man sich da keine Gedanken macht, würde man was falsch machen“, sagte Kulik weiter, „ein Detailkonzept gibt es aber noch nicht“.

Das lässt mit Blick auf die Arbeitsplätze im Westen etwas Hoffnung aufkeimen, ist aber kein Ersatz für verlässliche Strukturen, die der Großraum Aachen-Düren-Heinsberg braucht, weil in großer Zahl Arbeitsplätze wegfallen werden. Vorstandschef Matthias Hartung versprach am Mittwoch in Bergheim, dass sich RWE „frühzeitig und gemeinsam mit anderen starken Partnern wie der Innovationsregion Rheinisches Revier“ (Sitz: Jülich) für die Zukunft des Reviers engagieren werde.

Derzeit seien mehrere Projekte in der Realisierung beziehungsweise Planung, die Lars Kulik benannte: das neue Gewerbegebiet Langerwehe, die Erweiterung des Industrie- und Gewerbeparks Weisweiler, ein großes Gewerbegebiet in Nörvenich oder auch die Faktor-X-Siedlung im Seeviertel in Inden.

Der Energiekonzern will nach eigenen Worten „in jedem Fall ein verlässlicher Partner der Region“ bleiben. Als Beleg führten Matthias Hartung und Lars Kulik die Autobahn 44 neu an, die im nächsten Jahr „in Betrieb geht“ und damit pünktlich fertig würde. Das zehn Kilometer lange Teilstück zwischen den Autobahnkreuzen Jackerath und Holz werde im Sommer 2018 eröffnet. Im Jahr darauf beginnt dann der Rückbau des nicht mehr benötigten Teils der A61 zwischen dem alten Kreuz Jackerath und Wanlo.

Auch in Zeiten hohen Spardrucks will RWE Power „bei wirtschaftlicher Gleichwertigkeit der Angebote“ seine Aufträge an Firmen im Rheinischen Revier vergeben. 2016 sei das in einer Größenordnung von 800 Millionen Euro geschehen, von denen 3500 Firmen und Zulieferer profitiert hätten.

RWE Power hat einerseits bei der Energieerzeugung mit Großhandelspreisen zu kämpfen, die in drei Jahren um über 22 Prozent gesunken sind beziehungsweise sinken werden. Gleichzeitig besteht eine Vielzahl an Verpflichtungen. Das geht weit über die Rekultivierung hinaus, die zum Beispiel im Bereich des Tagebaus Hambach nun verlangt, 1000 Hektar landwirtschaftliche Fläche zu schaffen. Die erforderliche fruchtbare Löß-Schicht kommt laut Lars Kulik „planmäßig aus Garzweiler“.

Und dann sind da noch die Verpflichtungen in ferner Zukunft – in der Steinkohle spricht man von „Ewigkeitskosten“. Hier war eine Diskussion entbrannt, ob RWE Power hierfür genügend Rückstellungen gebildet hat. Matthias Hartung am Mittwoch: „Wir haben tausende Hektar rekultiviert und Bergschäden beseitigt. Wir wissen, wovon wir da sprechen, die Behörden wissen das auch.“

Die gesamte RWE AG stehe für diese Verpflichtungen ein, das sei auch in den Rückstellungen „dargestellt“. Das Unternehmen hat hier mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, die laut Führungsriege die eigene Einschätzung bestätigen. Daher sei den Behörden die Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Expertisen erteilt worden.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert