Ruruferradweg: Region will radelnde Touristen locken

Von: Ingo Latotzki
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Der Ruruferradweg bei Düren: Sobald die ersten Sonnenstrahlen zu spüren sind, ist die Strecke ein beliebter Treffpunkt für Radler. Foto: Ingo Latotzki

Region. An einem schönen Frühlingstag im März steht Wolfgang Spelthahn am Rand der Voreifel und eröffnet ein neues Straßenstück zwischen den Ortschaften Kufferath und Gey im Kreis Düren. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, und der CDU-Landrat scherzt: „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, während der Arbeit braun zu werden?“

Spelthahn steht auf einem neuen, großzügig angelegten Radweg, der neben dem frisch ausgebesserten Straßenstücks entstanden ist. Der Weg ist 2,50 Meter breit, es wäre durchaus Platz für einen Mittelstreifen. An diesem Tag ist das Wetter wie gemacht für eine ausgedehnte Radtour.

Die Rur liegt nur ein paar Kilometer entfernt, sie fließt durch die Städteregion und die Kreise Düren und Heinsberg. Schon jetzt kann man auf einer Strecke von 150 Kilometern von Monschau bis Wassenberg fahren, fast komplett am Fluss entlang. Der Ruruferradweg gilt als beliebte Strecke, auch wenn niemand weiß, wie viele Radler dort unterwegs sind. Das soll sich ändern. Demnächst werden an verschiedenen Punkten Zählstationen aufgebaut, um einen Überblick zu bekommen, wie frequentiert die Strecke tatsächlich ist.

Diese Daten sind wichtig, weil der Ruruferradweg in den nächsten drei Jahren umfänglich aus- und umgebaut werden soll. „Der Fahrradtourismus ist ein Zukunftsmarkt“, sagte Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn kürzlich auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Und die Region biete „große Chancen“. Seit 2011 hat sich die Zahl der Übernachtungen im Kreis Düren nahezu verdoppelt, auf rund 600.000. Auch der Kreis Heinsberg meldet steigende Zahlen. Während 2011 gut 206.000 Übernachtungen registriert wurden, waren es 2016 schon 271.000. In der Städteregion und in Aachen übernachteten laut Landesstatistik 2009 1,3 Millionen Menschen, vergangenes Jahr waren es 1,5 Millionen.

Um diese Zahlen möglichst weiter zu steigern, soll der Ruruferradweg attraktiver werden. Das sei aber heutzutage nur noch „mit kundenorientierten Radtouren denkbar“, sagt Walter Weinberger, beim Kreis Düren für Gebietsentwicklung verantwortlich. Sonst gebe es keine Wertschöpfung. Investiert werden soll deshalb in die Infrastruktur und in Serviceangebote, insgesamt stehen 4,7 Millionen Euro zur Verfügung, 80 Prozent zahlen das Land und die EU, den Rest steuern die Kreise selbst bei.

Thomas König ist Amtsleiter bei der Städteregion, zuständig für Regionalentwicklung und Europa. Er sagt, dass nun ein touristisches Konzept entwickelt werden soll. König ist auch Vorsitzender des Vereins Grünmetropole, der sich seit 2009 um regionale Entwicklung kümmert und dem neben der Städteregion auch die Kreise Düren und Heinsberg angehören. Die Grünmetropole koordiniert den Ausbau des Ruruferradweges. Klar ist bisher nur, dass es entlang der Strecke rund 20 neue Rast- und Erlebnisorte geben soll, Servicestationen, um Räder reparieren zu lassen oder auszuleihen, und Ladestationen für Elektrofahrräder. Überdies werden Wegstrecken ausgebessert. Vor allem aber soll es thematische Angebote geben.

Dürens Landrat Spelthahn spricht „von einem Storytelling“, das heute notwendig sei, um wirklich Touristen gewinnen zu können. Die Region biete Tuchindustrie wie im Monschauer Land, Papierindustrie wie in Düren, zahlreiche Burgen, Stein- und Braunkohleabbaugebiete oder historische Gebäude im Jülicher Land. Neben diesen Kultur- und Geschichtsaspekten sollen der Nationalpark oder der Rursee in die Routen eingebunden werden, ebenso lokale Museen, Shoppingangebote in den Orten oder Veranstaltungen.

Ziel sei es, sagt Spelthahn, „touristische Pakete für Mehrtagestouren zu schnüren“, die dann von professionellen Touristikunternehmen angeboten werden – unter Einbindung der regionalen Gastronomie und Hotellerie. „Wir wollen unsere Betriebe damit stärken“, sagt Ulrich Schirowski, Chef der Wirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg. Er kann sich vorstellen, dass künftig auch die niederländische und belgische Grenzregion in das Radwegenetz eingebunden werden.

Aber zunächst geht es um den Ruruferradweg, der „als Erlebnisroute vermarktet werden soll“, wie Thomas König vom Verein Grünmetropole sagt. Neben thematischen Touren ist an geführte Radtouren gedacht oder an mehrtägige Touren mit Gepäcktransfer. „Die Region bietet eine Menge attraktiver Ziele“, sagt Landrat Spelthahn, sie müssten nun intelligent mit „einem gut ausgebauten Rur­uferradweg verknüpft werden“.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ist schon jetzt der Meinung, dass die gesamte Strecke entlang des Flusses vom Hohen Venn bis Roermond einen gewissen Qualitätsstandard aufweist. In Berlin wurde der Ruruferradweg mit drei Sternen ausgezeichnet. Ziel sind nun vier Sterne, wie Walter Weinberger vom Kreis Düren sagt.

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