Rundwege für Wanderer: Im Naturpark Wahner Heide

Von: Von Bernd F. Meier
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Ungeahnte Naturlandschaft: Nahe der Startbahn in Köln-Wahn ist viel Raum. Foto: Bernd F. Meier
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Kennt sich in der Wahner Heide bestens aus: Holger Sticht. Er nennt sie ein „Juwel“.
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Militärisches Überbleibsel: Hier wurden einmal belgische Panzer gewaschen.

Region. Wenn Holger Sticht über die Heide spricht, dann fällt ihm direkt der Fußball ein. „Die Wahner Heide spielt in der Champions League der europäischen Naturschutzgebiete mit“, sagt der Vorsitzende des Bündnisses Heideterrasse.

Das ist ein Zusammenschluss von Natur- und Umweltschutzgruppen. Mehr als 700 Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste verzeichnet sind, leben in der weitläufigen Heide- und Waldlandschaft. Das Schutzgebiet liegt im rheinischen Städtedreieck zwischen Köln, Rösrath und Troisdorf in unmittelbarer Nachbarschaft des Köln-Bonner Flughafens.

Dort hebt alle paar Minuten ein Flieger von der fast vier Kilometer langen Startbahn ab. Donnerndes Grollen schallt über das Land. Dann ist es wieder ganz still – fast. Grillen zirpen, Kohlmeisen und Neuntöter zwitschern, Spechte hämmern in den dichten Waldungen. Natur pur am Rand der Millionenmetropole Köln.

Auf zehn markierten Rundwegenentdecken Wanderer die Landschaft zwischen dem Flughafen und der Autobahn Köln-Frankfurt. Zwischen sechs und elf Kilometer lang sind die Routen, gekennzeichnet durch schwarz-gelbe Piktogramme. Als Startpunkt der mehr als sieben Kilometer langen Geisterbusch-Tour bietet sich der Turmhof an.

Das von Donnerstag bis Sonntag geöffnete Informationszentrum war einst der größte Heidehof der Region. Heute beherbergt der Backsteinbau eine naturkundliche Ausstellung. Darüber hinaus starten Guides von hier aus regelmäßig mit Besuchern zu Heidespaziergängen und vogelkundlichen Exkursionen.

Wo ist denn nun die Heide? Das mag sich mancher Wanderer fragen, denn auf den Rundtouren wechseln Buchenwälder, sumpfige Auen mit Birken und Erlen, lichte Eichenhaine und sandige Dünen einander ab. Ein Alter von 1000 Jahren soll die älteste Eiche im Bockshohner Land bei Altenrath der Überlieferung nach aufweisen, niemand weiß das so genau.

„Unsere Heideflächen sind meist nicht so groß wie in der Lüneburger Heide, dafür gibt es bei uns eine größere Vielfalt an unterschiedlichsten Lebensraumtypen“, erläutert Heide-Experte Holger Sticht. Im Geisterbusch taucht die Calluna vulgaris, das Heidekraut, dann doch noch vor den Wanderern auf.

„Unter den dicken Hecken“, „Wolfsheide“, „In den vierzig Morgen“, „Hühnerbruch“ und „Altenrather Gemeen“ – so heißen einige Flurstücke des Gebietes. Erst vor zwölf Jahren ist es ständig für Besucher geöffnet worden. Davor diente es ab 1953 der belgischen Armee vom Camp Altenrath als Panzerübungsgelände. Während dieser Zeit waren Wald und Heide nur an Wochenenden und einigen Feiertagen zugänglich.

Vom Camp ist heute nur die Panzer-Waschstraße zu sehen, Gestrüpp überwuchert die Militäranlage. Die Baracken wurden abgerissen. Doch die Heide ist nicht frei von militärischen Überbleibseln. „Lebensgefahr! Das gesamte Gelände ist auf Grund seiner historischen Nutzung mit Munition und sonstigen Kampfmitteln belastet.“ So warnen überdimensionale Schilder die Besucher an den Parkplätzen.

Schon ab 1818 machte der preußische Staat die Wahner Heide zum Schießplatz und Manövergebiet, Artilleriesoldaten feuerten im Hühnerbruch ihre Kanonen ab. Von 1913 an baute die Luftwaffe in Köln-Wahn einen Fliegerhorst auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die britische Royal Air Force die Kasernen und erweiterte den Fliegerhorst, der 1957 für den Zivilverkehr freigegeben wurde.

Zum düstersten Kapitel in der Heide-historie zählt das Kriegsgefangenenlager aus den 1940er Jahren mit dem zynischen Namen „Hoffnungsthal“. Ein stiller Ehrenfriedhof erinnert heute an die 112 ausländischen Opfer national-sozialistischer Gewaltherrschaft. Kerzen flackern an den Grabtafeln unbekannter russischer Soldaten.

„Das militärische Sperrgebiet war ein Glücksfall für die Natur. So konnten über mehrere Generationen hinweg dort weder Wohn- noch Industriegebiete entstehen – mit der unrühmlichen Ausnahme des Flughafens“, meint Naturschützer Holger Sticht.

Trotz Kanonendonner und Panzerlärm haben sich Tier- und Pflanzenwelt in der einsamen Sperrzone prächtig entwickelt. Naturkundler zählen in dem weitläufigen Gebiet rund hundert Brutvogelarten und 2500 verschiedene Käfer. Als „Juwel“ bezeichnet Sticht die Wahner Heide, die erstmals 1931 unter Naturschutz gestellt wurde und 1968 mit der Ausweitung des Flughafens neue, engere Grenzen bekam.

Auch Rothirsche, Rehe und Wildschweine leben im Schutzgebiet. Die Kohlmeise, Wintergoldhähnchen, Gartenbaumläufer, Raubwürger, Ziegenmelker und der seltene Wendehals begeistern die Vogelkundler unter den Besuchern. „Zu den wertvollsten Arten zählt der streng geschützte Sommer-Feenkrebs“, erklärt Heidefachmann Sticht.

Der kleine Kerl ist gerade einmal zwei Zentimeter groß und lebt nur während der warmen Sommerwochen in den vielen Tümpeln, die auch von den Wanderwegen zu sehen sind. Ähnlich selten ist die Orchideenart Torfmoos-Knabenkraut, von der laut Sticht etwa 70 Prozent des weltweiten Bestandes in der Wahner Heide beheimatet sind.

Wanderer begegnen auf ihren Touren Wasserbüffeln, Glanrindern, Eseln, Schaf- und Ziegenherden. Die Tiere schaffen Wasserstellen und Tümpel für wertvolle Amphibien und halten den Bewuchs kurz.

Rastplätze mit Bänken für Wanderer gibt es in dem Schutzgebiet nicht. Das Heideland soll nach dem Willen der Naturschützer urig bleiben – sozusagen unmöbliert.

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