Aachen - Rund 1500 Menschen fordern den Ausstieg aus der Kernenergie

Rund 1500 Menschen fordern den Ausstieg aus der Kernenergie

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
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„Abschalten” skandierten die Demonstranten, die angesichts der Ereignisse in Japan am Samstag erneut auch in Aachen den Ausstieg aus der Atomkraft forderten.

Aachen. Die Forderungen, die die Menschen im Gepäck hatten, waren eindeutig: „Atomkraft? Nein Danke” oder „Atomkraft abschalten”, stand auf den vielen bunten Bannern und Plakaten, die in die Höhe gereckt wurden. Rund 1500 Menschen hatten sich nach Schätzungen von Polizei und Veranstaltern am Samstagmittag in der Innenstadt zur Anti-Atom-Demo eingefunden.

Im Anschluss an eine Schweigeminute für die Opfer der Katastrophe in Japan bewegte sich der Demonstrations-Tross vom Elisenbrunnen in Richtung Markt - begleitet vom Heulen der Sirenen und den „Abschalten”-Sprechchören der Menschen. Nach der Mahnwache am vergangenen Montag war dies die zweite Aktion in Aachen innerhalb von nur wenigen Tagen.

Einige der Teilnehmer gingen aber schon vor Jahrzehnten gegen Kernenergie auf die Straße. So auch Ingrid Henriksen, die bereits seit 30 Jahren gegen Atomkraft demonstriert: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach Tschernobyl noch einmal so etwas erlebe”, sagte sie. An ihrer Jacke hing der beinahe obligatorische „Atomkraft? Nein Danke”-Button. Den habe sie schon seit 30 Jahren - „leider”. Auch ihr Sohn war dabei, seinerseits zum ersten Mal auf einer solchen Demo, aber über die Lage in Japan sorge er sich schon die ganze Woche über.

Solche Sorgen kann Grünen-Sprecherin Sabine Göddenhenrich wohl nachvollziehen. Ihre Gefühlslage stellte sie aber noch etwas anders dar: „Neben der Trauer empfinde ich mehr und mehr Empörung und Wut. Kernenergie ist nicht beherrschbar”, erklärte sie mit Blick auf die Geschehnisse in Japan. Überdies forderte sie die Rücknahme der Laufzeitverlängerungen, sowie grundlegende Veränderungen in der Energiepolitik: „Wir wollen 100 Prozent erneuerbare Energien. Das wird zwar Geld kosten, der Preis ist aber bezahlbar, im Vergleich zu dem Preis, den die Menschen in Japan zahlen müssen.”

Auch abseits der Schweigeminute konnten Passanten diesen Menschen ihr Mitgefühl aussprechen. Greenpeace hatte dazu ein „Buch der Anteilnahme” ausgelegt, in das jeder seine Gedanken eintragen konnte. In der kommenden Woche wird das Buch werktags von 10 bis 12 Uhr im Welthaus, An der Schanz 1, ausliegen. Dann soll es an die japanische Botschaft geschickt werden.

Wechsel auf Öko-Strom

Robert Borsch-Laaks von der mitveranstaltenden Bürgerinitiative Drei Rosen sah es unterdessen als „gute Nachricht” an, dass jetzt sieben Meiler vorerst vom Netz genommen wurden. Aber: „Wir wollen, dass die auch abgeschaltet bleiben.” Zugleich rief er zum Wechsel auf Öko-Strom auf. Den gebe es, was „erstaunlich” sei, zum Teil sogar günstiger als herkömmlichen Strom.

Umrahmt wurden die Reden durch gemeinsames Singen und Auftritte von Künstlern. Annette Schmidt vom Theater K etwa las aus Dürrenmatts „Die Physiker” und trug Ingeborg Bachmanns „Freies Geleit” vor.

Nach der Aktion blieben viele Teilnehmer auf dem Markt und tauschten sich weiter aus. Schon heute dürften sich einige von ihnen um 18 Uhr vor dem Elisenbrunnen wieder sehen, denn, so Borsch-Laaks: „Wir wollen die Montagsaktionen fortsetzen.”
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