Run auf Neuwagen: Geht Autokäufern die Prämie flöten?

Von: Yvonne Charl
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Allgegenwärtig: Die Abwrackprämie lässt derzeit so manchen Altautobesitzer überlegen, seine alte Kiste zu verschrotten und sich dafür einen Neuwagen zu kaufen. Foto: dpa

Aachen. Die Mitte Januar eingeführte Abwrackprämie hat den Absatz bei den Autohändlern in Deutschland deutlich in die Höhe getrieben. Die Folge: Autokäufer müssen damit rechnen, dass die Mittel zur Finanzierung der Prämie schneller ausgeschöpft sein könnten, als zunächst angenommen.

Einzelne Autohändler berichten nach Angaben des Verbands der freien Kfz-Händler (BVfK), sie hätten in den vergangenen Tagen zehn Mal so viele Fahrzeuge verkauft wie sonst üblich. Einige große Autohäuser hätten in wenigen Tagen über 100 Kaufverträge abgeschlossen.

600.000 Verschrottungen

In Deutschland werden pro Jahr laut Helmut Blümer, Pressesprecher des Bundesverbands des Kraftfahrzeuggewerbes, etwa drei Millionen Autos von 11200 Händlern verkauft. Davon seien allerdings mehr als die Hälfte gewerblich genutzte Fahrzeuge.

Wie viele Autos bundesweit seit Einführung der Abwrackprämie verkauft worden sind, sei zurzeit noch unklar. Ein Großteil des Jahresumsatzes vor allem im Kleinwagensektor werde aber durch die Abwrackprämie vermutlich in die ersten Monate des laufenden Jahres fallen.

Klar ist: Die Obergrenze von 600.000 Verschrottungen könnte durch den aktuellen Boom auf dem Automarkt schneller erreicht sein, als von Experten zunächst prognostiziert.

Die Kriterien für den Erhalt der Abwrackprämie erfüllen etwa 16 Millionen Autos in Deutschland. „Diese Zahl umfasst jedoch viele hochwertige Autos, die niemand für 2500 Euro verschrotten würde”, erklärt Blümer.

„Wir gehen trotz der kurzfristig positiven Entwicklung bei den Autohändlern weiterhin davon aus, dass die veranschlagten 1,5 Milliarden Euro ausreichen werden, auch wenn es keine Garantie gibt.”

Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das für die Auszahlung der Abwrackprämie zuständig ist, sind bisher erst 900 Einträge eingegangen, die Antragsformulare können allerdings erst sein Dienstag von der Internetseite http://www.bafa.de heruntergeladen werden und müssen anschließend mit sämtlichen Unterlagen per Post eingereicht werden.

„Verschrottung und Neuzulassung nehmen meist mehrere Tage in Anspruch, wir rechnen daher erst ab kommender Woche mit einer Antragsflut”, sagt Holger Beutel, Pressesprecher des Bundesamts. Um die große Zahl der erwarteten Anträge zu bearbeiten, werde sein Haus wohl 30 bis 40 zusätzliche Mitarbeiter einstellen müssen.

„Genehmigt werden können die Anträge allerdings erst, wenn der Nachtragshaushalt durch den Bundesrat beschlossen ist”, so Beutel weiter. Die Prämien würden daher frühestens Anfang März ausgezahlt. Grundsätzlich sei die Abwrackprämie aber beschlossen und könne nicht mehr zurückgenommen werden.

Dass die Auszahlung der Abwrackprämie aufgrund des begrenzten 1,5-Milliarden-Kontingents allerdings keinesfalls gesichert ist, zeigt das vorsichtige Verhalten von Autohändlern, die zwar die Prämie in Höhe von 2500 Euro vom Kaufpreis abziehen, dem Autokäufer aber den Wagen ohne Fahrzeugbrief aushändigen mit der Begründung, das Auto sei bis zum Erhalt der Abwrackprämie nicht vollständig bezahlt. Dieser so genannte „Eigentumsvorbehalt” ist laut Bundesverband des Kraftfahrzeuggewerbes juristisch korrekt.

Frühzeitig kaufen

Auch bei Autohändlern, die das Fahrzeug inklusive Brief aushändigen, besteht allerdings kein Schutz vor einer Rückforderung der 2500 Euro, falls der Händler die Abwrackprämie vom Staat nicht erhalten sollte.

„Wir raten allen Käufern, die die Abwrackprämie in Anspruch nehmen möchten, mit der Entscheidung nicht zu lange zu warten”, sagt Esko Thüllen von der Auto Thüllen GmbH in Aachen. „Kunden, die jetzt ein Auto bestellen, das erst im Sommer geliefert werden kann, weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt das Kontingent erschöpft sein könnte”, sagt Thüllen weiter. Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen will, muss frühzeitig kaufen.

Neuwagenkäufer, die auf die Abwrackprämie spekulieren, sollten sich im Kaufvertrag vom Händler vorsichtshalber ein Rücktrittsrecht einräumen lassen - für den Fall, dass die Prämie nicht gezahlt wird. Das gelte insbesondere für diejenigen, die den Neuwagenkauf „auf Kante” finanzieren, so die Verbraucherzentrale Berlin. Verbraucher müssten damit rechnen, dass sich der Kaufpreis des Neufahrzeugs schlagartig um 2500 Euro erhöht.

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