Rumäniens Präsident Johannis mit Buber-Plakette geehrt

Von: Sonja Essers und Alexander Barth
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„Euriade“-Intendant Werner Janssen (links) überreicht dem rumänischen Präsidenten Klaus Johannis die Martin-Buber-Plakette. Foto: Andreas Steindl
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Ansturm für ein Selfie mit dem Präsidenten: Im Anschluss an „Jugend im Dialog“ ließ sich Klaus Johannis bereitwillig von und mit jungen Zuhörern aus mehreren europäischen Ländern fotografieren. Foto: Andreas Steindl

Kerkrade/Herzogenrath. Wenn Anspannung in Begeisterung umschlägt passiert meist etwas Gutes. So auch für Miruna Vlad nach der Begegnung mit dem neuen Träger der Martin-Buber-Plakette. Die Schülerin aus dem rumänischen Bistrita hatte soeben Klaus Johannis getroffen, Präsident ihres Heimatlandes und seit Freitagabend ausgezeichnet für sein Engagement für Menschlichkeit in Gesellschaft und Politik.

Bevor Johannis die Ehrung in der Abtei Rolduc in Kerkrade entgegennahm, stellte er sich – wie die Preisträger vor ihm – bei „Jugend im Dialog“ den Fragen von Schülern aus mehreren europäischen Ländern.

„Ich war überrascht von seiner Lockerheit und seiner Eloquenz“, sagte die junge Frau hinterher. „Er scheint ein offener Mensch zu sein, seine Aussagen wirken ehrlich“. Auch Miruna Vlad ist der Meinung, dass Politiker an ihren Taten gemessen werden sollten.

Sie hatte im Laufe der Veranstaltung die Frage nach dem weiteren Umgang des Präsidenten mit der Korruption in dem noch jungen EU-Mitgliedsland gestellt. Das Engagement gegen Bestechung, Kumpanei und Vetternwirtschaft hatte die Jury des Vereins „Euriade“, der die Martin-Buber-Plakette seit 2002 im Geiste des jüdischen Philosophen vergibt, unter anderem als Grund für die Nominierung Johannis' angeführt.

Der 57-Jährige, der zur deutschsprachigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen in Rumänien gehört, stellte im Dialog mit den rund 100 Schülern im Saal der Burg gleich mehrfach die europäische Ausrichtung seines Landes in den Vordergrund – mit seinem persönlichen Schwerpunkt als oberster Priorität. „Korruption ist schon lange ein Teil der rumänischen Gesellschaft. Das ist traurig, aber es ist nach wie vor die Realität“, erklärte Johannis. Wenn man ein Teil der EU sein wolle, müsse man weiter hart dagegen arbeiten. Johannis erklärte, man habe in den gehobenen staatlichen Ämtern viel gegen Korruption unternommen, „wir wollen das Problem nun quer durch die gesamte Gesellschaft anpacken“.

Die „Euriade“-Jury hatte im Vorfeld erklärt, Johannis habe sich bereits in seiner Zeit als Bürgermeister seiner Heimatstadt Sibiu (Hermannstadt) als Kämpfer gegen Korruption hervorgetan. Auch sei er als ehemaliger Vorsitzende seiner nationalliberalen Partei für mehr Beteiligung der Bürger an politischen Prozessen eingetreten. In Johannis' Amtszeit als Präsident seit 2014 fielen unter anderem die Ermittlungen gegen Ex-Regierungschef Victor Ponta wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Die Methoden der von Johannis aktivierten Anti-Korruptions-Behörden stießen allerdings auch auf Protest, etwa im Lager der Sozialdemokraten.

Die internationale Runde bedachte das Staatsoberhaupt außerdem mit Fragen zu den Beziehungen zu seinen östlichen Nachbarn sowie zum persönlichen Werdegang des Mannes, der vor seiner Wahl zum Bürgermeister von Sibiu laut eigener Aussage kaum politische Erfahrung gesammelt hatte.

„Ich war seit 15 Jahren Lehrer, und ich liebte meinen Beruf“, erinnerte sich Johannis, „dann kamen sie und fragten: Willst Du nicht Bürgermeister werden?“ Ungläubige Gesichter bei den jungen Zuhörern, nach dem Motto „Echt jetzt?“. Ein Augenzwinkern des heutigen Staatsoberhaupts dürften Zweifler an einem Gelingen des Sprungs ins kalte politische Wasser milde gestimmt haben. Apropos Politik: „Es ist ein schmutziges Geschäft. Man gibt viel von sich selbst auf. Wenn es aber ehrlich und mit Respekt geführt wird, ist es ein sehr gutes Geschäft“, legte Johannis an offenen Worten nach.

Auf die Frage nach dem aktuellen und künftigen Umgang seines Landes mit der Flüchtlingsthematik sprach Rumäniens Präsident ganz im EU-Sinn: „Wir haben Strukturen für die Aufnahme geschaffen und haben uns bemüht, Menschen aus den Aufnahmelagern in Griechenland zu uns zu bringen. Es sind aber bisher nur wenige der Zugewiesenen tatsächlich bei uns angekommen.“ Das könne sich allerdings kurz- oder mittelfristig ändern, glaubt Johannis.

Dass der Preisträger im 15. Jahr der Buber-Plakette durchaus Strahlkraft zu besitzen scheint, zeigte sich im mittelschweren Ansturm seiner jungen Zuhörer im Anschluss an den Dialog: Bereitwillig ließ sich Johannis zum Selfie bitten, lächelte geduldig in Kameras und ließ sogar Umarmungen zu. Auch Miruna Vlad kam ihm dabei recht nahe. „Er ist tatsächlich ein cooler Präsident“, lautete ihr Fazit.

Dass Johannis nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen äußerst beliebt ist, wurde bei der Verleihung der Martin-Buber-Plakette, die „Euriade“-Intendant Werner Janssen am Abend vornahm, deutlich. Mit lautem Applaus empfing das Publikum das rumänische Staatsoberhaupt, und auch nach seiner Dankesrede erntete Johannis minutenlangen Beifall.

Die Auszeichnung sei eine „ Ehre“ für ihn, gerade in Zeiten, in denen das „europäische Projekt“ auf die Probe gestellt werde, sagte Johannis und sprach damit Themen wie die Flüchtlingskrise, Terrorismus und Brexit an. „Ich bin fest von der Bedeutung des europäischen Projekts überzeugt. Europa wird aus dieser Zeit gestärkt rausgehen.“ Sein Ziel: Gemeinsam müsse man zu einer besseren Welt beitragen, und das geschehe durch den Dialog. „Die Reise, die uns heute zusammengeführt hat, umfasst mit Sicherheit noch weitere gemeinsame Ziele.“

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