Lüttich - Rufe nach einem Ende des AKW Tihange werden lauter

Rufe nach einem Ende des AKW Tihange werden lauter

Von: Madeleine Gullert
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Nach dem Brand fordern deutsche Politiker und Umweltaktivisten die Abschaltung des AKW Tihange. Foto: picture alliance/Belga

Lüttich. Nach dem Brand im belgischen Atomkraftwerk Tihange wird der Ruf nach einer dauerhaften Abschaltung des Meilers lauter. Der Weiterbetrieb sei „russisches Roulette“, sagte Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag am Montag.

Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland würden dem Risiko eines GAU ausgesetzt, mahnte der Dürener. Tihange liegt nur 70 Kilometer von Aachen entfernt. „Der Betreiber Electrabel muss die einzig richtige Konsequenz ziehen: Die Schrottreaktoren in Tihange müssen endlich vom Netz“, sagte die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur.

Der Brand in dem westlich von Lüttich gelegenen Atomkraftwerk hatte am Sonntag zur Abschaltung des Blocks Tihange 3 geführt. Laut Betreiber Electrabel habe dies „keinen Einfluss auf die nukleare Sicherheit von Mitarbeitern und Anwohnern“ gehabt.

Was aber wäre passiert, wenn der Vorfall sich in dem vorgeschädigten Block 2 ereignet hätte, fragt Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie. „Zum Glück ist wegen des jahrelangen Protests der Antiatombewegung der marode Block 2 mit den bekannten tausenden Rissen in der Reaktorhülle seit Monaten abgeschaltet“, sagte Marika Jungbluth, stellvertretende Vorsitzende der Linke-Fraktion im Städteregionstag. Und beruhigend sei es natürlich nicht, dass nun der nächste Block notabgeschaltet werden musste.

Belgien ohne Strom?

Der Brand und der damit einhergehende Defekt bei einem der drei Transformatoren sei ein ernstzunehmender Störfall, betonte Schellenberg und forderte eine „lückenlose Aufklärung“. Ein Sprecher der Städteregion bekräftigte am Montag den Standpunkt von 2013. Damals hatte der Rat der Stadt Aachen ein Abkommen über kerntechnische Sicherheit und bilaterale Zusammenarbeit mit den belgischen Nachbarn gefordert.

„Das Problem in Belgien ist gravierend“, sagte Sabine Verheyen (CDU), Abgeordnete im Europäischen Parlament, gegenüber unserer Zeitung. Die Atomkraftwerke seien veraltet, mit Ausfällen sei immer zu rechnen.

Tatsächlich sind in Belgien mit Tihange 3 vier von sieben Blöcken abgeschaltet. Tihange 2 und Doel 3 wurden im März dieses Jahres wegen Haarrissen in den Reaktordruckbehältern heruntergefahren. Doel 4 wurde wegen eines Öllecks im August vom Netz genommen. Wissenschaftler der Universität Lüttich fürchten schon einen Blackout, falls Tihange 3 heute doch nicht wieder ans Netz gehen sollte. Laut der belgischen Zeitung „L‘avenir“ stehe im Problemfall aber das Eon-Kraftwerk in Vilvoorde bei Brüssel bereit, um einzuspringen. Eine aktuelle Studie schätzt die Lage anders ein und warnt für diesen Winter vor einer angespannten Situation in Belgien was die Stromversorgung betrifft.

Verheyen fordert deshalb einen europäischen Binnenmarkt auch für Energie. Energiepolitik liegt in nationaler Zuständigkeit. „Das merkt man leider“, sagte Verheyen. Die Mitgliedstaaten müssten aber auf lange Sicht Kompetenzen abtreten. „Zurzeit werden die Kooperationen, die die Kommission seit langem forciert nicht angenommen.“

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