Rückblick: Vor 25 Jahren, als das große Erdbeben kam

Von: Ulrike Hofsähs
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Schock am Morgen des 13. April 1992: Mauerschutt in einer Straße in Aachen. Foto: Archiv/Michael Jaspers
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Schock am Morgen des 13. April 1992: Herausgebrochene Mauersteine an einem Haus in Heinsberg. Foto: dpa
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Schock am Morgen des 13. April 1992: Ein von Ziegeln beschädigtes Auto in Bonn. Foto: dpa

Aachen/Heinsberg/Krefeld. In der Altstadt von Bonn kracht ein Teil einer Hausfassade auf ein geparktes Auto. Im Kölner Dom schlägt ein 1,50 Meter großes Ornament aus Stein zu Boden. In Häusern im Rheinland klirren Gläser, Bücher fallen aus Regalen, Putz rieselt von der Decke. Menschen stürzen vor Schreck aus dem Bett. Das war am 13. April 1992, als um 3.20 Uhr ein Erdbeben der Stärke 6,0 die Menschen verstört und erschreckt.

Innerhalb kurzer Zeit gehen Tausende Notrufe ein. „Alles schwankt!“, berichteten in Panik die Anrufer bei Polizei und Feuerwehr. Vor allem durch herabfallende Schornsteine und Dachziegel werden mehr als 30 Menschen verletzt. In Bonn stirbt eine 79 Jahre alte Rentnerin an Herzversagen nach einem Erdbebenschock. Allein im Kreis Heinsberg sind über 150 Häuser beschädigt, einzelne Gebäude so sehr, dass sie später abgerissen werden müssen. Unter dem Strich stand eine Schadenssumme von 130 Millionen Euro.

„Es war das größte jemals gemessene Beben nördlich der Alpen“, sagt Klaus Lehmann, Erdbebenfachmann beim Geologischen Dienst NRW in Krefeld. Auch wenn die Angaben über die Stärke zwischen 5,9 und 6,0 schwanken. Das Epizentrum des Erdbebens von 1992 lag bei der Stadt Roermond in den Niederlanden, kurz hinter der Grenze zu Deutschland. „Wie im Krieg“, so ein Beobachter, sah es dort aus nach der Bebennacht: die Straßen übersät mit Trümmern, Steinen, Dachziegeln.

Unsere Leser erinnern sich

Auch die Leser der Aachener Zeitung und den Aachener Nachrichten erinnern sich auf Facebook lebhaft an den Tag vor 25 Jahren. AZ-Leserin Bianca war damals acht Jahre alt und erinnert sich daran, als der „schwere ‚Eiche Rustikal‛ Wohnzimmerschrank durch den Raum wackelte.“

AN-Leserin Anja wird die Nacht aus anderem Grund wohl nie vergessen: „Ich war da im Krankenhaus, meine Tochter Patricia ist da geboren. Ich werde diesen Moment nicht vergessen - alles wackelte in meinem Zimmer.“ AN-Userin Birgit dachte sogar „da kommen Panzer die Straße heruntergefahren.“ AZ-Nutzerin Conny kommentierte, dass es sich anhörte, „als sei eine U-Bahn durch's Haus gefahren.“

Aktive Tektonik

Die meisten Leser erinnern sich eher nostalgisch an das Beben. Doch es hätte viel, viel schlimmer kommen können. Denn als 1992 die Schockwellen durch die Erde im Rheinland laufen, ist es mitten in der Nacht. Die Straßen sind leer, die Menschen schlafen. Das Beben ereignete sich außerdem in 18 Kilometer Tiefe, die darüber liegenden Schichten dämmten die Erdstöße.

„Wir haben hier eine aktive Tektonik. Die rheinische Bucht ist im Untergrund in mehrere Blöcke zerbrochen. In 15, 20, 25 Kilometern Tiefe finden Bewegungen statt, wo sich ein Block gegen einen anderen verschiebt“, sagt Klaus-G. Hinzen, Leiter der Erdbebenwarte Bensberg der Kölner Universität. Die niederrheinische Bucht ist eines der aktivsten Erdbebengebiete Mitteleuropas. Ein Beben von der Stärke wie in Amatrice in Italien vor einigen Monaten sei auch hier möglich, sagen die Fachleute.

Das Naturereignis von 1992 machte die Gefährdung klar. Die sechs Messstationen des Geologischen Dienstes NRW wurden auf 15 aufgestockt. Die Datenleitung des Erdbebendienstes in Krefeld ist doppelt gesichert. Im Fall eines Bebens werden Epizentrum und Stärke automatisch ermittelt. Die Daten gehen binnen weniger Minuten an das Lagezentrum des Innenministeriums und an die Landesleitstelle der Polizei. Das Ziel ist, Rettungskräfte möglichst schnell an das Zentrum schicken zu können, wo die größten Schäden zu erwarten sind.

Ein Beben wie das von 1992 könne statistisch gesehen etwa alle 150 Jahre auftreten, sagt der Fachmann Klaus Lehmann. „Unklar ist, wann es passiert: Es können sich auch in kurzer Zeit mehrere Beben dieser Stärke ereignen mit einer längeren Phase der Ruhe.“ Vor dem Roermond-Beben von 1992 hatte es 236 Jahre lang kein Erdbeben dieser Stärke gegeben. Erschütterungen wurden aber auch in dieser Zeitspanne immer wieder gespürt. Im Rheinland ist der Untergrund ständig in Bewegung, sagen die Experten: „Wir registrieren etwa drei Beben pro Woche.“ Lehmann zählt ab einer Stärke von 0,3.

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