Route Charlemagne: Auf den Spuren Kaiser Karls

Von: Sabine Mathieu
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Hier der Aachener Geschichte auf den Grund gehen: Die Archäologische Vitrine im Elisengarten, Teil der Route Charlemagne, ist ein Publikumsmagnet. Foto: Sabine Mathieu
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Stattliches Bürgerhaus und Station der Route Charlemagne: Das Couven-Museum am Hühnermarkt gibt den Besuchern einen Einblick in das Leben des gehobenen Mittelstands im 18. Jahrhundert. Foto: Sabine Mathieu

Region. Kaiser Karl und Aachen. Aachen und Kaiser Karl. Unübersehbar passt das zusammen. Kaiser Karls Pfalzanlage dominiert immer noch überragend das Aachener Altstadtbild. Das ist erstaunlich, denn die Stadt hat sich über 1200 Jahre sehr verändert und weiterentwickelt.

Dennoch blieben die Repräsentationsbauten aus der karolingischen Zeit zumindest in ihrer Form erhalten. Da wäre zunächst der karolingische oktogonale Kuppelbau der Marienkirche, des heutigen Doms. Sie hatte auch die Funktion einer königlichen Pfalzkirche. Kaiser Karl ist ihr Stifter und die Kirche St. Marien zu Aachen seine einzige sicher verbürgte Kirchengründung. Er stattete sie von Beginn an mit eigenen Einnahmen aus. Eine Bischofskirche, ein Dom, ist sie erst seit 1930. Ein früheres Bistum unter Napoleon bestand von 1802 bis 1825.

Das zweite Monumentalgebäude aus karolingischer Zeit erkennt man im heutigen Stadtbild dagegen nicht auf den ersten Blick – die Königshalle, Basis für das Rathaus. Die Halle war ein rechteckiger ebenirdischer Bau mit einer Apsis. Daraus wurde im 14. Jahrhundert das heutige Rathaus unter Verwendung großer Teile des karolingischen Außenmauerwerks. Einer der Rathaustürme, das ist unstrittig, ist jedoch bis zu zwei Dritteln karolingisch: der viereckige Granusturm, vom Markt aus gesehen der linke Rathausturm. Erst beim Neubau des heutigen Bauwerks bekam er seine endgültige Höhe.

Und zwischen den beiden Monumentalbauten Königshalle und Marienkirche lag immer schon ein Platz: der Katschhof. Zur Zeit Kaiser Karls war er möglicherweise eine Art Palasthof, der teilweise überbaut war.

Sechs Stationen

Wenden wir uns hier aber einem besonderen touristischen Angebot Aachens zu: der Route Charlemagne. Die Route hat sechs Stationen: das Centre Charlemagne am Katschhof, das Rathaus am Markt, das Couven-Museum am Hühnermarkt, das Internationale Zeitungsmuseum in der Pontstraße, das „Grashaus“ am Fischmarkt und die „Archäologische Vitrine“ im Elisengarten. Zentrales Thema für die Route Charlemagne ist Handwerk und Bürgerlichkeit.

1. Das Centre Charlemagne am Katschhof wird die zentrale Anlaufstelle der Route Charlemagne sein. Hier werden die Besucher alle Informationen zu den verschiedenen Stationen, einen Audioguide und Eintrittskarten für das Museum im Centre, das Rathaus, das Couven-Museum und das Internationale Zeitungsmuseum bekommen.

Die Dauerausstellung im Centre Charlemagne wird den Besucher in die zen-tralen Themen der Aachener Stadtgeschichte einführen: Pfalz und Marienkirche Karls des Großen, die Königskrönungen zwischen 936 und 1531, die blühende Reichsstadt des hohen und späten Mittelalters, die barocke Badestadt nach dem großen Stadtbrand 1656, die französische Herrschaft von 1792/94 bis 1814, Aachen als Aufmarschgebiet im Zeitalter der beiden Weltkriege und die Europastadt nach 1945. Am 19. Juni wird das Centre Charlemagne offiziell eröffnet; ab 20. Juni steht es allen offen.

2. Das Rathaus am Markt: Die Aspekte, unter denen die dortige Ausstellung die Themen der Route Charlemagne behandeln, sind Krieg, Friede und Macht. Dem Krieg begegnet der Besucher in der Werkmeisterküche. Dort kann man an einer Stelle in einem digitalen Fotobuch blättern, das die Zerstörung des Hauses während des Zweiten Weltkriegs eindrucksvoll dokumentiert. Ein Dauervideo zeigt frühe Filmaufnahmen von der Zerstörung der Aachener Innenstadt. Nähere Erläuterungen geben die Telefonhörer in der Sitzinsel in der Mitte des Raums.

Den Frieden repräsentiert der benachbarte Friedenssaal, dessen digitaler Ausstellungstisch sich mit dem Aachener Frieden vom 18. Oktober 1748 beschäftigt. Außerdem wird im Krönungssaal des Rathauses der wichtigste europäische Preis verliehen: der Internationale Karlspreis zu Aachen. Macht kommt heute aus dem Volk. Im Rathaus tagt der Rat der Stadt Aachen, nebenan befinden sich die Amtsräume des Oberbürgermeisters.

3. Das Couven-Museum: Dieses stattliche Bürgerhaus im Stil des Architekten Couven steht am Hühnermarkt und repräsentiert die gediegene Bürgerlichkeit der Aachener. Nicht Aristokraten bestimmten die Geschicke der Stadt. Handwerker, organisiert in starken Zünften, und der bürgerliche Mittelstand lenkten die Geschicke der freien Reichs- und Handelsstadt Aachen. Das Couven-Museum gibt dem Besucher einen Einblick in das Leben dieses gehobenen Mittelstands im 18. Jahrhundert. Das Haus wurde 1786 von Johann Jakob Couven geplant. Leonhard Monheim produzierte hier erfolgreich die erste Tafelschokolade Deutschlands.

4. Das Internationale Zeitungsmuseum: Den Grundstock für die fast 200 000 Zeitungsexemplare der Sammlung im IZM in der Pontstraße legte der Aachener Bürger Oskar von Forckenbeck, dessen reiche Heirat ihn in den Genuss eines ruhigen Lebens als Privatgelehrter gebracht hatte. Forckenbeck reiste viel, und sein Hobby bestand darin, Zeitungen zu lesen. So entwickelte er die Idee, dieses damals einzige Medium zur Verbreitung von Neuigkeiten so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen.

Er abonnierte Zeitungen aus der ganzen Welt und ließ sie in öffentlichen Lesesälen auslegen. Eine geradezu revolutionäre Tat, wenn man bedenkt, dass sich die verbreiteten Nachrichten nicht immer mit der Zensur der Preußen vertrugen. Forckenbeck vermachte 1898 der Stadt Aachen eine Sammlung von 80 000 Zeitungen aus aller Welt. Seit 2011 können die Besucher eine moderne Ausstellung zum Thema Zeitungen, Meinungsfreiheit, Manipulation von Bildern und Informationsflut besichtigen. Das Zeitungsmuseum ist europaweit in seiner Art einmalig. Studenten und Wissenschaftler nutzen den umfangreichen Bestand für ihre Forschungen.

5. Das „Grashaus“ am Fischmarkt: Es soll im kommenden Jahr eröffnet werden. Hier entsteht ein europäisches Klassenzimmer als Angebot an Schulklassen und andere Bildungseinrichtungen, um das Thema Europa und Europäische Union zu vertiefen. Im neuen Klassenzimmer sollen sich junge Europäer auf den Weg machen, Europa und seine Entwicklungsgeschichte zu erfahren und kennenzulernen. Dabei stehen die nach dem Zweiten Weltkrieg erworbenen demokratischen Verhältnisse in Europa im Vordergrund.

Das „Grashaus“ wurde um 1267 als erstes Aachener Bürgerhaus am Fischmarkt errichtet. Die Fassade blieb erhalten, der Figurenschmuck stammt aus dem 19. Jahrhundert. Dargestellt sind die sieben Kurfürsten. Drei Erzbischöfe und vier weltliche Herrscher wählten den deutschen König, dessen feierliche Krönung von 936 bis 1531 in Aachen stattfand. 30 Herrscher bestiegen den legendären „Thron Karls des Großen“ auf der Galerie des Aachener Doms. Die Reste des „Grashauses“, das später als Gefängnis diente, wurden im 19. Jahrhundert abgerissen. Hinter der Originalfassade entstand ein neues Stadtarchiv (bis 2013).

6. Die Archäologische Vitrine im Elisengarten: Dieses im April 2013 eröffnete Prunkstück moderner Architektur, von Gerhard Wittfeld aus dem Architekturbüro „kadawittfeldarchitektur“ entworfen, bietet den Besuchern Einblicke auf 60 Quadratmeter Aachener Vergangenheit. Wenige Meter tief kann man hier der Aachener Geschichte auf den Grund gehen. Ein simpler Schlagstein in der Mitte der archäologischen Funde gibt Zeugnis vom frühen Leben im Aachener Talkessel.

Menschen siedelten sich in der Jungsteinzeit, etwa um 4500 vor Christus, in der Nähe der heißen Quellen an. Sie formten den Feuerstein vom benachbarten Lousberg, dem Aachener Hausberg, zu Faustkeilen, Arbeitsgeräten und Waffen. Zwei römische Bauphasen konnten die Archäologen nach den Grabungen im Jahre 2008/2009 zuordnen. Die alte Römersiedlung wurde bis etwa 250 nach Christus erbaut, die jüngere Römerzeit dauerte bis etwa 450 nach Christus. Neben einem kleinen Tempel kamen zwei Brunnen und eine Grabstätte aus dem Mittelalter zum Vorschein.

Ein Münzfund begeisterte die Wissenschaftler besonders. Es war eine Silbermünze aus der Zeit des Kaisers Augustus. Was für den Menschen, der das Geld verlor, vor 2000 Jahren ein wirtschaftlich schmerzlicher Verlust war, trug zur Datierung bei. So weiß man nun, dass die Römerzeit in Aachen rund um das Jahr 0 und zur Zeit des Kaisers Augustus begann. Die „Archäologische Vitrine“ hat sich längst zu einem Publikumsmagneten entwickelt.

Erklärungen und Zeitraster auf den Glasscheiben vermitteln den Besuchern eine schlüssige Erklärung zu den Fundamenten. Die jüngsten Funde stammen aus dem Mittelalter. Damals besaßen die Mönche der Doppelabtei Stavelot-Malmedy bereits seit dem 11. Jahrhundert eine Klosteranlage in Aachen.

Erst ab dem 17. Jahrhundert waren hier die Ursulinerinnen ansässig. Aus dieser Zeit sind keine Fundamente mehr erhalten. Interessant sind außerdem Funde von Tierknochen und Geweihen. Nähere Untersuchungen ergaben, dass daraus Rosenkränze und Anhänger geschnitzt wurden. Innerhalb ihres Klosters betrieben die Mönche eine kleine Werkstatt zur Herstellung von Pilgerandenken aller Art. Während der im Sieben-Jahres-Rhythmus stattfindenden Aachener Heiligtumsfahrten erfreuten sich diese Gegenstände einer großen Beliebtheit.

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