Roncalli-Chef errichtet Zirkusmuseum mit nostalgischem Charme

Von: Susanne Schramm
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In Vitrinen sollen die exquisitesten Stücke seiner Zirkussammlung Platz finden: Roncalli-Chef Bernhard Paul will große Teile seiner Sammlung in einem Zirkusmuseum erlebbar machen. Foto: Thomas Brill
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Eines von Tausenden Objekten aus Bernhard Pauls Sammlung: Das Museum wird bis 2018 im Kölner Stadtteil Mülheim entstehen, das ist Pauls Plan.

Köln. Er breitet die Arme aus, weit, weit nach oben, und wölbt die Hände. Sie formen eine Kuppel. In Wirklichkeit ist sie riesengroß, mit einem Durchmesser von 25 Metern, ein Schmuckstück aus der Belle Époque. Wenn er von ihr erzählt, dann sieht man sie vor sich: getragen von gusseisernen Bögen und ganz aus Glas, in dessen durchsichtigen Flanken sich das warme Licht der Gaslampen fängt und sie funkeln lässt wie einen Diamant.

Noch lagert die Kuppel, in ihre originalen Bestandteile zerlegt und sorgfältig verpackt, in einer Halle, aber, wenn alles gut geht, erstrahlt sie in zwei Jahren als Krönung eines lang gehegten Traums, der dann endlich wahr wird. Auf rund 5000 Quadratmetern errichtet Roncalli-Chef Bernhard Paul (69) ein Zirkusmuseum – ganz im Zeichen der Nostalgie.

Der gebürtige Österreicher besitzt die größte Circus- und Varieté-Sammlung Europas. Den Grundstein dazu legte er bereits als kleiner Junge in den 50er Jahren, als er jede Eintrittskarte für den Zirkus wie ein Heiligtum hütete – Unmengen bunter Schnipsel, auf denen Namen wie „Belli“, „Krone“ oder „Williams“ stehen – und die in einer Zigarrenkiste Platz fanden, die bald schon überquoll.

Hinzu kamen Plakate, Programmhefte und Postkarten, selbst gemalte Zirkuszelte und detailgetreu ausgesägte Modelle, Zirkusbücher, Zeitungsausschnitte. „Im Hinterkopf hatte ich dieses Museum schon die ganze Zeit“, sagt Paul, „sammeln, das hat auch etwas mit bewahren zu tun, ein Stück Geschichte zu dokumentieren, das der Öffentlichkeit zugänglich ist.“

Ganz besonders liebt Paul die speziellen Museen, die mit einem Motto, in denen man nicht nur Dinge anschauen, sondern auch etwas erleben kann: „Was mir vorschwebt, ist ein Stück Kulturgeschichte lebendig zu machen, das jeden vom Kind über den Intellektuellen bis hin zum Normalo packt und begeistert.“

Das Winterquartier des Circus Roncalli im Kölner Stadtteil Mülheim, das dort seit 1986 beheimatet ist, ist dafür ein guter Ort: Rund die Hälfte des 10.000 Quadratmeter großen Areals soll bis 2018 zum „Boulevard of Broken Dreams“ werden. Ebenso wie sein Zirkus mit den mehr als 80 historischen Wohnwagen, die teils über 100 Jahre alt sind, soll die „Straße der zerbrochenen Träume“ ein Gesamtkunstwerk werden.

Im Mittelpunkt steht eine Halle im Stil der Industrialisierung, über der die herrliche Glaskuppel prunkt. „Umrahmt wird sie von Bauten aus der Zeit der Jahrhundertwende, so ähnlich wie die historische Hamburger Fischauktionshalle.“

Entlang der linken Längsseite ist ein Gang mit Arkaden geplant, bestückt mit alten Kaufmannsläden. Denn Paul, der Sammler und Bewahrer, begnügt sich längst nicht mehr nur mit Devotionalien aus der Welt der Manege. Er besitzt auch acht komplette und funktionstüchtige historische Karussells, über 30 historische Traktoren und 60 Geschäftseinrichtungen aus der für ihn so magischen Zeit um 1900.

Der Tante-Emma-Laden, das Rauchwarengeschäft, der Spielwarenladen, das Teekontor, die Drogerie und die „Fleischhauerei“ (Metzgerei) – sie alle sind detailgetreu bis ins Kleinste hinein ausgestattet: alles original erhalten. „Es soll kein totes Museum werden“, sagt Paul, „im Fleischhauerladen soll man was essen können, im Spielwarenladen historisches Spielzeug kaufen.“ Und wenn man einen der Läden betritt, dann klingelt an der Tür eine kleine Glocke. Ganz so wie früher.

Nur zwölf der Läden werden in die Arkaden passen. Auch hier hat Paul die Qual der Wahl. Wie überall. In Vitrinen sollen die exquisitesten Stücke seiner Zirkussammlung Platz finden, die derzeit noch sein Wohnhaus auf dem Winterquartiergelände schmücken.

Darunter Gemälde, Statuen und Fotografien mit Widmungen, bemalte Teller mit goldenen Rändern, Jugendstillampen und Miniaturmanegen, Figuren aus Zinn, Spieldosen und verschnörkelte Leuchter. Paul hat den Nachlass des Clowns Grock gekauft, er besitzt das Saxofon von Weißclown Francesco Caroli, einen Artistenkoffer des Jongleurs Rastelli, auch das Zirkusmuseum der einstigen DDR fand in ihm einen Nachlassverwalter.

Die Hallen, die diese gigantische Sammlung beherbergen, ziehen sich wie ein riesiger, weißer Lindwurm rund ums Gelände. Die ehemalige Remise soll im fertigen Zirkusmuseum der Präsentation von historischen Fahrzeugen dienen. Zu bestimmten Themengebieten wie etwa berühmten Artisten oder den Clowns soll es wechselnde Sonderschauen geben, die große Halle ist zugleich für Vorführungen gedacht.

„Auch eins der Karussells wird man sicher einmal draußen aufstellen können“, sagt Paul. Lange Zeit hat er gehofft, dass eine Stadt dazu beiträgt, aus seinem Traum eine Tatsache werden zu lassen: „Aber wenn man immer nur wartet, wird nie was entstehen. Ich hab‘ jetzt so lange gewartet und dadurch viel Zeit verloren, ich nehm‘s jetzt selbst in die Hand.“ Nächstes Jahr wird Bernhard Paul 70, das Zirkusmuseum, sagt er, sei auch ein Stück weit sein Vermächtnis.

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