Neuss - Römer-Ausstellung zeigt rheinische Gelage

Römer-Ausstellung zeigt rheinische Gelage

Von: Maximiliane Koschyk, dpa
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Neuss. Mit allen Sinnen eine 2000 Jahre alte Küche erleben - die Ausstellung im Clemens-Sels-Museum in Neuss will es ermöglichen. Von germanischen Kochtöpfen über importierte Feinkost bis hin zur Legionärskost widmet sich das Museum der „Römischen Küche in einer germanischen Provinz”.

Rund 200 Exponate zum fühlen, riechen und auch Latein lernen werden seit diesem Freitag bis zum 9.Januar 2011 gezeigt.

In Abfallgruben und abgebrannten Ruinen hätten Archäologen die Hinweise auf den römischen Speiseplan entdeckt, sagt Carl Pause, Kurator der Ausstellung am Freitag. Das gibt es verkohlte Feigen und Knoblauchzehen zu sehen. „Das sind sensationelle Funde”, sagt Pause.

Das Rheinland wurde im Jahre 89 zur römischen Provinz Niedergermanien. Bereits 39 Jahre zuvor war eine „Colonia”, das heutige Köln, gegründet worden. Von dort expandierte die römische Legion am Rhein entlang - und schlug in Neuss ihr Militärlager „Novaesium” auf.

Die Ausstellung versuche, die Kultivierung durch die Römer chronologisch festzuhalten. „Es ging alles rasend schnell”, sagte Pause. Die germanische Kultur sei völlig unter dem Einfluss der Besatzer verschwunden. Das Land wurde mit neuen Techniken bewirtschaftet. Die sauren Holzäpfel wichen veredelten Obstsorten: Bis zu 32 verschiedene Äpfel kannten die Römer und pflanzten sie auch am Niederrhein an. Kirschen, Pflaumen, auch Trauben für den Wein fanden ihren Weg von der Via Appia an den Rhein.

Mit den neuen Lebensmitteln kamen auch die Villae Rusticae - Landwirtschaftliche Betriebe zur Versorgung des Militärs. „Die Römer waren professionelle Landwirte”, so Pause. Sie arbeiteten nach Lehrbüchern, die nach dem Niedergang des Römischen Reiches erst wieder im Mittelalter auftauchten.

In den Bauernhöfen wurden auch die unverzichtbaren Importwaren gelagert: Oliven, in Salzlake eingelegte Austern und Fischsoße, „das Maggie der Römer”. Über den Rhein wurden Amphoren und Fässer geliefert. Rund 20 verschiedene Behältnisse sind in der Ausstellung zu bestaunen. Darunter auch der „Prototyp des Babyfläschchens”, denn auf 6000 Soldaten im Militärlager kamen noch knapp 7500 Angehörige.

Nicht nur die Söldner des römischen Heers, auch die Bürger der „Colonia” leisteten sich gutes Essen. Davon zeugen Speisereste, nach dem „Luxus-Kochbuch” des Apicius zubereitet und Silberlöffel. Einige Rezepte finden sich auch in der rheinischen Küche wieder - etwa die Bohnensuppe. Importierte Gewürze wie Senf und Kümmel sind aus den heutigen Gerichten nicht mehr wegzudenken. Die Vorläufer von Pesto und Ricotta blieben dagegen lange vergessen.

Zum Nachmachen lädt die Ausstellung mit Anleitungen und Filmbeispielen ein. Auch Kochkurse bietet das Museum in einem Begleitprogramm an. Als römische Fischsoße verwende man dann aber keine 2000 Jahre alten Produkte, so Pause. „Die kaufen wir hier in Neuss.”
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