Rockerstreit: Angeklagter gesteht Schüsse

Von: Wolfgang Schumacher
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Sichtbare Spuren: In und vor einer alten Gaststätte in Würselen fielen die tödlichen Schüsse. Foto: Roeger

Aachen/Würselen. Zum ersten Mal in dem Prozess um die tödlichen Schüsse im „Würselener Stübchen“ vom 21. Mai im vergangenen Jahr brach der aus Aachen stammende Angeklagte Deniz Y. (27) sein Schweigen, der mitangeklagte Cesary M. (26) blieb dagegen stumm.

Das Verfahren vor der Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht hatte Anfang Januar begonnen, eine erkleckliche Reihe von Zeugen war gehört worden, die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann tastete sich durch Halbwahrheiten und Falschaussagen immer weiter vor bei diesem undurchsichtigen Krieg im Rockermilieu.

Damals am frühen Abend des Tattages ging der Streit, bei dem es sich vermutlich um Drogenschulden drehte, für einen 18-Jährigen aus Aachen mit einem tödlichen Schuss ins Herz aus. Sein Nebenmann Serda K. – er stammt ebenso aus dem Ostviertel – wurde bei der Schießerei mit einem Bauchschuss schwer verletzt und im Krankenhaus notoperiert, er überlebte die Attacke, die im unteren Flur der für Publikum geschlossenen Kneipe stattgefunden hatte.

Die Einlassung des wegen Totschlags an dem 18-Jährigen angeklagten Y. hatten seine Verteidigern eigentlich erst für Donnerstag angekündigt. Doch der komplexe Gutachterbericht des Rechtsmediziners zum tödlichen Schussverlauf und eine beeindruckende Rekonstruktion des Landeskriminalamtes zu den Schusswegen im Kneipenflur veranlassten den Mann aus dem Rockermilieu zu einer spontanen Einlassung.

Vorne direkt vor den Bildern und Analysen der Fachleute, die auf dem Richtertisch ausgebreitet waren, versuchte Y. mit Händen und Füßen anschaulich zu verdeutlichen, wie es zu den Schüssen im engen Flur am Kneipenhinterausgang gekommen war.

Dabei sagte er zuvor die entscheidenden Sätze: „Ich habe die Tür einen Spaltbreit geöffnet. Dann wurde sie aufgedrückt und der Hassan und der Serda stürmten herein, griffen mich an.“ In diesem Gerangel habe er aus Angst hinten in seinen Hosenbund gelangt, dorthin, wo seine Waffe steckte. Er habe dann geschossen, ob gezielt oder nicht, dazu erklärte sich der mutmaßliche Täter in dieser Einlassung noch nichts.

Wichtige Erkenntnis für die Kammer am Mittwoch: Der Schuss war von oben angesetzt, die Kugel trat durch den Hals in den Brustbereich ein, durchschlug das Herz sowie die Lunge und blieb schließlich in der Milz des Opfers stecken. Der junge Mann – ein trainierter Kickboxer – lief noch nach draußen, „drei bis fünf Sekunden“, erläuterte der Rechtsmediziner, habe er noch gelebt. Der schwer bewachte Prozess wird am Donnerstag ab 10 Uhr fortgesetzt.

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