Aachen/Würselen - Rockerprozess: Forderungen von Freispruch bis Haft

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Rockerprozess: Forderungen von Freispruch bis Haft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Das Verfahren vor dem Aachener Schwurgericht wird seit Wochen von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Würselen. Der Prozess um den Tod eines 18-Jährigen Aacheners bei einer gewalttätigen Rockerauseinandersetzung in Würselen stellt alle Prozessbeteiligten auf eine Geduldsprobe. Auch am Mittwoch stand bis zum Mittag nicht fest, ob der bereits seit 20 Sitzungstagen laufende und äußerst schwierige Prozess um die tödlichen Schüsse vom 21. Mai 2015 im „Würselener Stübchen“ nun endlich in seine Endphase treten kann.

Erneut hakte es in dem Verfahren vor dem Aachener Schwurgericht, als der Angeklagte Cezary M. (26) am Morgen nicht erschien und zunächst partout nicht aufzufinden war. Dabei spielt er im Prozess lediglich eine Nebenrolle und befindet sich inzwischen in Freiheit. Der Grund für sein Fernbleiben: Er war brav zur Arbeit gegangen und hatte den Termin dieses für ihn wichtigen Prozesstages schlicht verwechselt.

In den also letztlich von allen Seiten ersehnten Plädoyers ging es um viel. Die Anträge der Prozessparteien liegen diametral auseinander. So forderte Staatsanwältin Melissa Hilger trotz der zweifelsfrei auch von Opferseite begangenen gewalttätigen Handlungen harte Strafen: In ihrem Plädoyer verlangte sie für den Schützen und Hauptangeklagten Deniz Y. (27) zehn Jahre Haft wegen Totschlags von Hassan S. aus Aachen und wegen versuchten Totschlags seines Kumpels Serdar K. (28) – dem Hells Angel aus Aachen wurde in dem Kampf in den Bauch geschossen.

Er habe, so die Staatsanwältin, die Ausein­andersetzung mit seinen einstigen Aachener Rocker-Freunden gesucht, habe mit seiner Kurzwaffe, einer SIG Sauer, auf engstem Raum geschossen und somit den Tod der Männer billigend in Kauf genommen. Für den schließlich aufgetauchten Cezary M. forderte sie wegen Mittäterschaft fünf Jahre Haft. M. hatte stets angegeben, er sei im oberen Bereich der Kneipe geblieben und habe keinesfalls an den Auseinandersetzungen an der Hintertüre der Kneipe teilgenommen.

Verteidiger: „Notwehr“

Hintergrund der Geschichte sollen Drogenschulden gewesen sein, die Deniz Y. bei dem Aachener „Ostviertel-Paten“ Ibo K., wie er im Prozess tituliert wurde, angeblich haben sollte. Der „Pate“ beorderte den acht bis neun Leute starken Trupp nach Würselen, um die Sache „zu regeln“, hieß es auf Verteidigerseite.

Dabei habe der Hauptangeklagte Deniz Y., argumentiert sein Anwalt Björn Hühne, nach der Vorfahrt der Truppe mit drei Fahrzeugen unmittelbar „um Leib und Leben“ fürchten müssen, da er sofort von Hassan S., seinem einstigen Freund Serdar K. und weiteren Schlägern brutal auch mit Waffen angegriffen wurde. Die Schüsse habe er „in Notwehr“ abgegeben und ohne eine Tötungsabsicht. Für M. wurde ebenfalls Freispruch gefordert. Das Urteil fällt am 16. Juni, 8 Uhr.

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