Rockerkriminalität: Polizei hebt ein ganzes Drogenlabor aus

Von: Christopher Gerards und Marlon Gego
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Großrazzia im Grenzgebiet: die niederländische Polizei am Mittwochmorgen während eines Einsatzes in Sittard. Foto: Günter Jungmann

Maastricht. Was die Polizei bei ihrer Razzia am Mittwochmorgen gefunden hatte, war so viel, dass Gery Veldhuis immer wieder auf einen Zettel sah, er benötigte mehr als eine Minute, um alle Funde aufzuzählen. Veldhuis ist Chef der Polizei in Limburg, und seine Aufzählung umfasste:

Ein Drogenlabor, Amphetamine, vier gestohlene Luxus-Autos, Falschgeld, eine Hanfplantage, Feuerwerkskörper, sechs automatische Handfeuerwaffen und fünf Raketenwerfer: Kriegswaffen. Die Funde, sagte Veldhuis schließlich, seien „erheblich“.

Beunruhigende Vorfälle

Die Polizei hat am Mittwochmorgen bei einem internationalen Einsatz Razzien gegen Rockerbanden durchgeführt. Sie hat vor allem in den Niederlanden, aber auch in Belgien und in Selfkant im Kreis Heinsberg 35 Wohnungen und 40 Garagen durchsucht. 20 Menschen wurden festgenommen, ihnen werden Delikte wie Drogenhandel, Misshandlung oder Erpressung vorgeworfen. Morgen sollen sie dem Haftrichter vorgeführt werden. Bei den Festgenommenen soll es sich vorwiegend um Mitglieder von Rockerclubs handeln: 14 sollen den „Bandidos“ angehören und einer den „Red Devils“, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Roger Bos.

Bos erklärte außerdem, dass die Ermittlungen, die zur Razzia führten, vor fast einem Jahr begonnen hätten. Gleichwohl fällt sie in eine Zeit, in der es im deutsch-niederländischen Grenzgebiet mehrfach zu beunruhigende Vorfällen gekommen ist: In Sittard hatten sich Rocker in einem Café eine Massenschlägerei geliefert. 13 der nun Festgenommen waren dabei anwesend, wie die Auswertung von Videobildern ergeben habe. Und in Kerkrade steht der Bürgermeister unter Polizeischutz, nachdem er bedroht worden war. Zuvor hatte er eine Gaststätte der Hells Angels schließen lassen.

Die Razzia habe allerdings nicht in Zusammenhang mit dem Mord an einem 18-Jährigen vergangene Woche in Würselen gestanden, sagte Bos. Nach Informationen des Landeskriminalamtes soll der 18-Jährige Beziehungen ins Rockermilieu unterhalten haben. Die Aachener Staatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch, nach wie vor keine Klarheit darüber zu haben, ob der Mord tatsächlich Teil einer Auseinandersetzung rivalisierender Rockerbanden gewesen ist. „Mindestens zwei Personen“ stünden im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Weitere Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen wollte die Staatsanwaltschaft auch am Mittwoch nicht bekanntgeben.

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