Rockerkrieg in Aachen vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Einer der vier angeklagten Hells Angels: Donnerstag begann der Prozess um eine brutale Tat an einer Aachener Tankstelle. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag ein Strafprozess um den in Aachen im vorigen Jahr tobenden Rockerkrieg zwischen Hells Angels und Bandidos begonnen. Den vier Angeklagten aus dem Umfeld der Hells Angels wirft die Anklage gefährliche Körperverletzung und schweren Landfriedensbruch vor.

Das Geschehen, um das sich der Prozess dreht, ereignete sich am 6. September 2015, einem Sonntag, unmittelbar vor und in einer Tankstelle nahe des Aachener Bahnhofs Rothe Erde. Das ist nicht weit von dem Ort in Aachen, an dem die beiden Rockergruppierungen im vorigen Jahr mehrfach aneinandergerieten.

Den Hauptangeklagten Selcuk O. (37) und Eugin K. (33) wird vorgeworfen, an jenem Sonntag gegen 17.45 Uhr mit acht weiteren Beteiligten an der Tankstelle auf zwei andere Männer mit Baseballschlägern, Schlagstöcken, einer Axt und anderen gefährlichen Werkzeugen losgegangen zu sein. Die beiden Opfer gehören mutmaßlich dem Motorradclub Bandidos an, dessen Aachener Gruppierung 2012 verboten worden war.

Sie wollten an der Tankstelle ihren Mercedes SLK auftanken. Die Angreifer aus dem Umfeld der Hells Angels hatten sich offenbar im nahen Hauptquartier der Szene, einem Café im Aachener Ostviertel, gesammelt, bevor sie sich auf die beiden an der Tankstelle stürzten.

Die Angegriffenen flohen in den Kassenraum und versuchten, sich dort zu schützen. Einer habe ein Messer zur Verteidigung gezückt, heißt es in der Anklage, sein Gegner habe es ihm entwenden können und dann damit auf ihn eingestochen. Dabei erlitt das Opfer schwere Stichverletzungen und konnte nur mittels einer Notoperation in der Aachener Uniklinik gerettet werden. Der zweite Angegriffene zog sich schwere Prellungen und Blutergüsse zu. Da die Angreifer sogar dem Krankenwagen bis zur Uniklinik folgten, musste die Polizei dort kurz darauf erneut eingreifen.

Mit den nun angeklagten Taten war die Auseinandersetzung im vorigen Jahr nicht beendet. Einen Monat später attackierten auf der Aachener Automeile sieben Anhänger der Bandidos zwei Männer, die den Hells Angels zugerechnet werden, und verletzten sie im Gesicht. Keine acht Stunden später folgte der Racheakt: Ein Café in Stolberg, das als Bandidos-Treffpunkt gilt, wurde von 30 Rockern demoliert.

Welche Rolle die beiden weiteren Angeklagten in dem aktuellen Verfahren spielen, wurde am Donnerstag nicht klar. Einem dieser Männer wird aber in einer weiteren Anklage vorgeworfen, einen Konkurrenten aus der Bandidos-Szene in Übach-Palenberg massiv bedroht zu haben, seiner Freundin habe er „mit Vergewaltigung“ gedroht. Der Prozess wird am 18. Mai fortgesetzt.

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